Offenbach-Hundheim / Meisenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Fünf Hochräder und 22 Niederräder begeistern bei historischer Radtour

Sicher festgeschnallt: Der jüngste Teilnehmer der Tour war im Anhänger dabei.
Sicher festgeschnallt: Der jüngste Teilnehmer der Tour war im Anhänger dabei.

Für Aufsehen sorgte am Samstag auf dem Glan-Blies-Weg ein besonderer Tross, der nicht mit teuren Elektro- oder Rennrädern, sondern mit Fahrrädern aus Ururopas Zeiten unterwegs war. Besonders Hochrad zu fahren ist nicht ganz ungefährlich.

Die Teilnehmer der dritten historischen Radtour wurden immer wieder mit Applaus begrüßt: Von Offenbach-Hundheim nach Meisenheim waren die Radler mit ihren historischen Zweirädern unterwegs. Organisator war erneut der Offenbach-Hundheimer Thomas Rheinheimer, der seine Radlerfreunde bei den vorherigen beiden Ausfahrten einmal von Staudernheim nach Lauterecken und beim zweiten Mal von Altenglan nach Offenbach-Hundheim geführt hatte.

27 Liebhaber alter Fahrräder versammelten sich zum Start am Samstagmorgen vor „Katjas Café Herzhaft“. Sie waren zum Teil von weit her angereist: aus Belgien, Luxemburg, Frankfurt oder Westfalen. Die Mehrzahl der Teilnehmer trug auch Kleider in historischer Aufmachung, was den Eindruck des Zuges verstärkte. Initiator Rheinheimer war ebenfalls ganz stilecht gekleidet: Er trug Schiebermütze, weißes Hemd, Pullunder und Knickerbocker.

Vom Leistungssport zum historischen Radeln

Erstmals war Hochradfahrer Christoph Dörr aus Westfalen dabei. „Das Rad habe ich selbst entworfen und gefertigt“, erzählte er. Zwischen 30 und 40 Stunden habe dafür benötigt. Fertig montierte Räder nach historischem Vorbild könnten in Tschechien, Schweden und Indonesien bestellt werden, berichtet er. Dörr war früher Leistungssportler, ist Radrennen gefahren. „Nachdem ich Herzprobleme bekam, bin ich umgesattelt.“ Jetzt gehe es gemütlicher zu. Hochrad zu fahren vermittle ein ähnliches Gefühl wie ein Pferd zu reiten oder einen Lkw zu fahren, erklärte er. Die hohe Sitzposition vermittle ein erhabenes Gefühl. Die Fahrten machten viel Spaß.

„Wir sorgen unter den Passanten immer für gute Laune“, berichtete Dörr. Insgesamt waren fünf Hochräder und 22 Niederräder dabei. In früheren Zeiten hätten die Hochradfahrer verächtlich auf die Niederradfahrer geblickt, da sie langsamer gewesen seien, berichtet der Belgier Rik Vernack. Er hat in diesem Jahr an den Weltmeisterschaften teilgenommen und nach eigenen Worten den fünften Platz belegt. Die WM fand in Oostend stand, wo er auch herkommt.

Löcher für Hochradler besonders gefährlich

Die Art des Radfahrens ist nicht ganz ungefährlich. Von Stürzen berichteten fast alle Hochradler, von einem besonders üblen der Belgier. „Nach einem Sturz habe ich mir das Handgelenk gebrochen und einen Haarriss am Hüftknochen zugezogen.“ Zweieinhalb Wochen habe er im Krankenhaus gelegen und sei drei Monaten arbeitsunfähig gewesen. Trotzdem habe er nicht den Spaß an seinem Hochrad verloren. Sobald er wieder hergestellt war, schwang er sich wieder hinauf. Er sei wegen eines Straßenloches gestürzt. Da dies für Hochfahrradfahrer immer gefährlich sei, müsse man stets die Straße im Blick haben. Von gleich hunderten Stürzen erzählte der Frankfurter Frank Rügner: „Sie sind alle glimpflich verlaufen.“

Mit einem Niederrad war Gerd Jaschik aus Bad Honnef unterwegs. Das Rad der Marke Opel, Baujahr 1926, gehörte zu den ältesten Modellen an diesem Tag. „Mit dem Rad wurden früher Rennen gefahren“, sagte sein Besitzer. Das Velo hat einige Besonderheiten zu bieten, wie eine Vorrichtung, mit der die Kette geölt werden kann. Jaschik ist ein Fahrradsammler. Nicht weniger als 240 Räder gehören ihm. Die Radstrecke auf dem Glan-Blies-Weg sei gut geeignet für die Radtour. Fahrten mit viel Gefälle seien sehr anstrengend. Man könne es nie einfach rollen lassen.

Von wunderbarem Glantal begeistert

Den ersten Stopp legte der Tross in Lauterecken auf dem Veldenzplatz ein. Viele Zuschauer erfreuten sich an dem seltenen Anblick. Anschließend ging es in gemäßigtem Tempo nach Meisenheim. Nach dem Mittagessen wurde noch eine Runde durch die Altstadt, gedreht „wo wir von den vielen Touristen bewundert und beklatscht wurden“, berichtete Initiator Rheinheimer.

Bei der Rückfahrt nach Offenbach-Hundheim wurden weitere Stopps in Lauterecken sowie in Wiesweiler beim Bischoff Club, der „Die Bud“ betreibt, eingelegt. Nach fast neun Stunden wurde wieder der Ausgangspunkt erreicht. „Alle waren von der wunderbaren Gegend im Glantal begeistert“, erzählte Rheinheimer erfreut. Im nächsten Jahr werde es die vierte historische Radtour geben, versprach er.

Mit Frack und Zylinder: Hans Rügner aus Frankfurt auf seinem Hochrad.
Mit Frack und Zylinder: Hans Rügner aus Frankfurt auf seinem Hochrad.
Ohne Renn-Ambitionen auf dem Glan-Blies-Radweg: Gerd Jaschik (links) aus Bad Honnef mit seinem Opelfahrrad Baujahr 1926 sowie Je
Ohne Renn-Ambitionen auf dem Glan-Blies-Radweg: Gerd Jaschik (links) aus Bad Honnef mit seinem Opelfahrrad Baujahr 1926 sowie Jean-Marc Bach aus Luxemburg mit seinem Fahrrad aus dem Jahr 1927.
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