Kreis Kusel Ergreifende Tondichtung über das Leben und Sterben Jesu
Fast überschäumende Spielfreude, gepaart mit einem unbedingten Willen zur Qualität, zeichnete das Gastspiel des Symphonischen Blasorchesters St. Wendel aus, das in Stefan Barth und Bernhard Stopp zwei hochkarätige Dirigenten mit in die evangelische Stadtkirche Kusel brachte. Die Musiker folgten der Einladung des Musikvereins Schellweiler.
Die vielen Besucher in der Kirche waren der Beweis dafür, dass das Symphonische Blasorchester St. Wendel die Zuhörer in seinen Bann ziehen kann. Schon die Eröffnung mit Wagners Trauermusik zeigte die gespannte Konzentration des Orchesters, das harmonisch und exakt seinem Dirigenten Stefan Barth folgte. Wunderschöne Klangfarben und verbindende Tonelemente auch bei Alfred Reeds „Praise Jerusalem“, wobei dem Orchester die sakrale Akustik des Kirchenraumes zu Gute kam. Der konzertante Höhepunkt des Abends war zweifelsfrei die musikalisch fesselnde und ergreifende Geschichte „La Passió de Christ“ des zeitgenössischen spanischen Komponisten Ferrer Ferrán. Die Komposition basiert auf der Passionsgeschichte des Matthäus-Evangeliums und stellt in drei Sätzen das Leben und Sterben Jesu dar. Dank der Zwischentexte, die Frank Hahnhaußen las, erschloss sich den Besuchern die moderne Klangwelt von Ferrer Ferrán mit ihren zahlreichen Dissonanzen, und man verfolgte die spannungsgeladene Umsetzung des Lebens Jesu mit Genuss und Freude, aber auch mit Schauern. Mystische Klänge begleiteten Geburt und Leben Jesu. Versunken in Musik und Geschichte, glaubte man beim Auftritt der Soldaten des Herodes die stampfenden Stiefel zu hören – derart realistisch, dank der ausgezeichneten Interpretation durch das souverän von Bernhard Stopp geleitete Orchester. Auch wenn Jesus’ Lebensphase bis zur Taufe durch Johannes recht kurz dargestellt wurde, erlebten die Zuhörer diese Epoche sehr intensiv mit, nicht zuletzt wegen der biblischen Texte, die Hahnhaußen mit seiner sonoren, wohlklingenden Stimme eindrucksvoll rezitierte. Bedrückend geriet dann der zweite Satz, in dem die drei Versuchungen Jesu durch den Teufel musikalisch aufgegriffen wurden. Dabei entstand eine besondere Spannung durch die dissonanten geradezu teuflischen Klänge und die sehr harmonisch und klar dargestellten Antworten Jesu. Ausführlich und eindrücklich stellt Ferrer Ferrán die eigentliche Passionsgeschichte dar, vom segensreichen Wirken Jesu bis hin zu seiner Verurteilung und seinem Tod am Kreuz. Durch die musikalische Vielfalt der Komposition riss das Orchester förmlich sein Publikum mit, man spürte die Dramatik des Geschehens fast körperlich. Die Dramatik wurde gegen Ende nochmals gesteigert, als mit Peitschen- und Hammerschlägen die Kreuzigung Jesu akustisch dargestellt wurde. Das Orchester zeigte in diesen spannenden Szenen seine außerordentliche Qualität. Fast jubelnd endete das musikalische Geschehen mit der Darstellung der Auferstehung in einem choralartigen Maestoso. Das Publikum verneigte sich symbolisch mit einem langen Schlussapplaus sowohl bei den beiden Dirigenten, als auch bei den Musikern des Symphonischen Blasorchesters St. Wendel.