Oberes Glantal
Elektro-Autos: Was die Feuerwehr bei Bränden beachten muss
Wenn bei der Feuerwehr der Notruf eingeht, dass ein Auto brennt, muss es schnell gehen. Die Wehrleute müssen schnellstmöglich die Brandstelle sichern und das Feuer bekämpfen. Doch wo sich früher nur Benziner und Diesel auf den Straßen tummelten, gibt es heute auch Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge. Was da genau brennt, ist selten auf den ersten Blick erkennbar – schon gar nicht im Eifer des Gefechts. Für das richtige Löschen allerdings eine sehr wichtige Information.
„Kommt es bei einem solchen Fahrzeug zu einem Brand, stehen die Feuerwehren vor Herausforderungen, die man bislang nicht kannte“, sagt Stefan Reichhart, stellvertretender Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr der Verbandsgemeinde (VG) Oberes Glantal. Grundsätzlich unterscheide man, ob das Fahrzeug durch die Akkus in Brand geriet oder ob es sich um einem konventionellen Fahrzeugbrand handelt und die Energiespeicher beim Eintreffen der Feuerwehr noch intakt und nicht beeinträchtigt sind, so Reichhart weiter. „Am Einsatzort muss heute mit Elektrofahrzeugen gerechnet werden“, betont er. Sei dies nicht gleich erkennbar – etwa aufgrund der Marke oder einem „E“ am Ende des Kfz-Kennzeichens –, sollte nach Hinweisen am Fahrzeug gesucht werden. Auch der Einsatz von Rettungskarten über eine Datenbank sei dabei von großem Nutzen.
Zwei Trupps im Einsatz
„Grundsätzlich gilt es, die Akkumulatoren dann zu kontrollieren, zum Beispiel mit einer Wärmebildkamera, die in vielen Feuerwehren bereits standardmäßig mitgeführt wird“, erklärt der stellvertretende Leiter der VG-Wehr. Dies solle schon bei einem Verkehrsunfall mit Beteiligung eins Elektro-Fahrzeuges erfolgen und über die komplette Einsatzdauer überwacht werden. „Im besten Fall kann ein Brand so verhindert werden. Die Akkumulatoren sollten dabei die Temperatur von 80 Grad Celsius nicht erreichen“, weiß der Experte.
Reichhart weist darauf hin, dass der Einsatz von Atemschutzgeräten bei brennenden Elektro-Autos unerlässlich ist. „Der entstehende Rauch ist hochtoxisch.“ Solche Einsätze seien generell zeit- und personalintensiver. In solchen Fällen sollten stets zwei Trupps zum Einsatz kommen – bei konventionellen Fahrzeugbränden sei in aller Regel nur ein Trupp erforderlich. Während zwei Mann die Batterie kühlen – dies erfolgt an der Fahrzeugunterseite –, bekämpfen zwei weitere den eigentlichen Brand.
Spezielle Schulung für spezielle Löschlanze
Die richtige Vorgehensweise ist laut Reichhart unter Experten umstritten und wechselhaft. „Zwar gibt es Fachseminare zu diesem Thema, leider werden aber aufgestellte Löschthesen wieder verworfen oder erweisen sich in der Praxis nicht als praktikabel“, berichtet der stellvertretende Wehrleiter. So haben sich etwa spezielle Löschdecken, die ein Elektro-Fahrzeug komplett umhüllen können, als ungeeignet erwiesen, da toxische und zündfähige Gasgemische, unter anderem Wasserstoff, entstehen.
Wie Reichhart berichtet, habe sich eine Löschlanze Namens „Fog-Nail“ bei der Bekämpfung von brennenden Akku-Zellen bewährt. Die VG-Wehr im Oberen Glantal besitze eine solche. „Hier ist aber eine gezielte Ausbildung erforderlich, um dieses Gerät sicher einsetzen zu können“, betont Reichhart. Eine solche Schulung stehe allerdings noch aus. Das war bisher auch kein Problem. „Im Landkreis Kusel sind aktuell keine Brände unter Beteiligung von Elektrofahrzeugen bekannt“, informiert er.
