Kreis Kusel Einst Wohnstätte für Arbeiter
Köhler stammt aus Hinzweiler und kennt die „Kolonie“ – wie der Gebäudekomplex im Volksmund genannt wird – und ihre Umgebung mit dem Steinbruchsee von Kindesbeinen an. Bis zur Schließung des Steinbruches 1970 sei dort natürlich mehr los gewesen, weiß der Architekt. Heute wohnen nur noch vier Parteien in der Siedlung; es ist sehr ruhig vor den Toren Eßweilers. Doch auch, wenn in der „Kolonie“ die meisten Lichter inzwischen erloschen sind: Noch weitgehend im Originalzustand vorhanden, gilt sie als einzige architektonisch wertvolle Arbeitersiedlung im Landkreis, sagt Köhler. Die Generaldirektion Kulturelles Erbe führt die Siedlung, die auf dem 500 Meter hohen Bornberg liegt, seit 1982 als Denkmal. Im Jahr 1921 begann die Basalt AG (Linz) mit dem Bau der Arbeitersiedlung drei Kilometer von Eßweiler entfernt, schildert Henri Berners, Pressesprecher von Basalt. Die AG ist Eigentümerin der Siedlung, die nach Plänen der Kölner Architekten Heinrich Marrat und Eduard Scheler 1924 vollendet wurde. Der mit der Traufseite zur Straße gestellte Komplex besteht aus einem zurückgesetzten, dreigeschossigen Hauptbau und zwei näher an der Straße liegenden Flügeln. Die 155 Meter lange „Kolonie“ sei ohne Dehnungsfugen errichtet worden, bemerkt Köhler. In ihrer Länge erinnere sie fast ein wenig an das von den Nazis als Ferienanlage auf Rügen errichtete Prora. Beim Material mussten die Bauherren nicht lange überlegen: Basalt-Hartstein gab es kostenlos und genügend im Steinbruch. Für das Wohnen nach heutigen Maßstäben sei dieses Material allerdings „katastrophal“, weiß Köhler. „Da drin ist es feucht und kalt“, vermutet er mit Blick auf die Wohnungen. Zumindest, wenn die Schornsteine nicht rauchen. Die zwei- und dreigeschossige Siedlung wurde im Heimatschutzstil erbaut. Die Schiefer gedeckten Dächer sind steil angelegt, markant sind Schlepp- und Spitzgauben mit kleinen Fenstern. Insgesamt wirkt der dunkle, unverputzte Basaltbruchstein etwas trist – wenn nicht am Nachmittag die Sonne drauf scheint. Aufgelockert wird der bauliche Eindruck jedoch durch eine gewisse Kleinteiligkeit, etwa bei der Anordnung der Fenster. Große rundbogige Durchfahrten erschließen den rückwärtigen Hof hinter den rund 30 Wohneinheiten. An dessen Ecken stehen winkelförmig gemauerte Ziegenställe. Nach Angaben der Basalt AG wurde die Siedlung auf einem rund 9500 Quadratmeter großen Areal erbaut und hat eine nutzbare Wohnfläche von etwa 2000 Quadratmetern. „Drei Zimmer, 70 Quadratmeter, Ofenheizung.“ So charakterisiert Horst Soyke die meisten dieser Wohneinheiten. Soyke wurde auf dem Schneeweiderhof geboren und ist einer der letzten Bewohner. Eine Schule wurde 1951 gebaut. Sie war bis 1965 in Betrieb und befindet sich heute in Privateigentum. „In den 60er Jahren haben hier noch 243 Leute gelebt. Dann war Schluss“, berichtet Soyke von der Schließung des Steinbruches. Etwa ab dem Jahr 1840 hatte auf dem Schneeweiderhof der Steinabbau begonnen. Der planmäßige Abbau kam 1870 am „Kiefernkopf“ in Gang. 1913 wurden die „Vereinigten Dioritbrüche Schneeweiderhof“ gegründet, ein Jahr später erwarb die Basalt AG die Firma. Eßweiler galt nach Soykes Schilderungen als einer der größten Steinbrüche in Deutschland mit rund 570 Mitarbeitern im Jahr 1928. Produziert wurden unter anderem Pflastersteine – auch für Prachtstraßen in Berlin und Paris – sowie Split für den Straßenbau. Die Südwestdeutsche Hartsteinwerke Zweigniederlassung der Basalt-Actien-Gesellschaft betreibt aktuell im Landkreis Kusel Produktionsstätten in Jettenbach, Bedesbach, Rammelsbach/Theisbergstegen. Eine weitere Vermietung der Siedlung auf dem Schneeweiderhof ist nach Angaben der Eigentümer nicht beabsichtigt. „Derzeit sind keine Investitionen geplant“, betont Berners. Die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises sei natürlich daran interessiert, dieses geschichtsträchtige Gebäude zu erhalten, betont Kreissprecherin Karla Hagner. Im November habe daher ein Treffen mit Vertretern der Generaldirektion Kulturelles Erbe, des Eigentümers und der Kreisverwaltung stattgefunden. Bei der Bestandsaufnahme hat sich laut Hagner erwiesen, dass das – teilweise mit Kunstschiefer geflickte – Dach und die Dachrinnen in gutem Zustand sind. Allerdings sollten Öffnungen wie defekte Fenster möglichst schnell geschlossen werden, um zu verhindern, dass Feuchtigkeit ins Gebäude eindringt. Was in Zukunft mit dem Gebäudekomplex geschehen wird, ist wohl noch unklar. Laut Hagner sind weitere Treffen terminiert.