Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Feier für den „Kreis-Bappe“

Das Streicher-Trio „Chocolat pour trois“ untermalte die Feier für den ehemaligen Landrat, von dem in Erinnerung geblieben ist, d
Das Streicher-Trio »Chocolat pour trois« untermalte die Feier für den ehemaligen Landrat, von dem in Erinnerung geblieben ist, dass er zu jeder Gelegenheit ein Gedicht parat hatte.

Am vergangenen Mittwoch, am 26. August, wäre der ehemalige Landrat Gustav Adolf Held 100 Jahre alt geworden. Mit einer kleinen Feierstunde im Horst-Eckel-Haus erinnerte die Stadt Kusel am Sonntag an das fast 30-jährige Wirken ihres Ehrenbürgers.

Ja, es war eine andere Zeit damals, erklärte Stadtbürgermeister Jochen Hartloff: Nicht mit dem Glasfaserausbau sondern mit der Wasserversorgung, dem Ausbau des Kanalnetzes sowie der Müllentsorgung hatte sich ein Landrat damals beschäftigen müssen. Nicht immer seien der Landrat und die Bürgermeister in den neu entstandenen Verbandsgemeinden einer Meinung gewesen. „Dann lud Gustav Adolf zu einem Gespräch auf Burg Lichtenberg ein und in der guten Stube des Kreises wurden bei einem guten Tropfen Rotwein immer sehr gute, tragfähige Kompromisse gefunden“, verriet Hartloff über die damaligen Umgangsformen.

Überhaupt war es die Burg, für die Landrat Held ein besonders Faible hatte, wie Kreisheimatpfleger Dieter Zenglein berichtete. Die gehörte – zu seiner Enttäuschung – allerdings bei seinem Amtsantritt im Jahr 1956 zum Landkreis Birkenfeld. Seine Vision, die Burg wieder in den Besitz des Landkreises Kusel zu bekommen, wurde erst im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform 1971 wahr. Heute ist sie das touristische Aushängeschild des Landkreises.

Fast 30 Jahre

Zenglein unterstrich in der knapp vorgetragenen Biografie des ehemaligen Landrates dessen Talent, lyrische Gedichte zu verfassen. Aber er war nicht nur ein Schöngeist, sondern setzte sich als bekennender Sozialdemokrat für die Belange der sogenannten einfachen Leuten ein. Mit 65 Jahren ging Held nach fast 30 Jahren – und somit dienstältester Landrat der Bundesrepublik – im Jahr 1985 in den Ruhestand. Nie habe er sich danach in die Arbeit seines Nachfolgers eingemischt, sagte Zenglein – was eben jener, Winfried Hirschberger, kopfnickend bestätigte.

Auch der aktuelle Landrat Otto Rubly reflektierte in seinen Grußworten die Errungenschaften seines Amtsvorvorgängers. Insbesondere ging er in seiner kurzen Rede auf die Gebietsreform des Landkreises ein.

Nachfolger und Freunde da

Mit klassischer Musik umrahmten Fiona Jung, Lilli Mathias und Sophie Feuchtner als Trio „Chocolat pour trois“ die Feierstunde. Ganz im Sinne des „Landkreis-Bappe von selemols“. So wurde Landrat Held einst von Horst Schwab genannt, dem 2017 verstorbenen Pädagogen und Künstler.

An der Feierstunde mit anschließendem Umtrunk, Corona-bedingt in kleinem Rahmen abgehalten, nahmen neben Helds Nachfolgern auch seine Kinder Gisela und Gerhard teil. Jüngster geladener Gast war die amtierende Kuseline Clara de Oliveira Seyler, sicher einer der ältesten der 90-jährige Kurt Theiß. Er war zehn Jahre Bürgermeister der damals noch jungen Verbandsgemeinde Kusel und ein enger Freund der Familie Held.

Zur Person

Gustav Adolf Held, von vielen nur bei seinen beiden Vornamen genannt, stammt aus Hachenburg im Westerwald. Der studierte Rechts- und Staatswissenschaftler kam extra für das Amt des Landrats nach Kusel. Auch nach seiner fast 30-jährigen Amtszeit blieb er hier, er starb im Oktober 2008 nach langer schwerer Krankheit im Kuseler Senioren- und Pflegeheim Zoar.

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