Altenglan RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Begegnung mit dem Robo-Kellner

Der Inhaber des Restaurants „China-Garten“ in Altenglan, Lu Bai, mit Servierroboter Bella.
Der Inhaber des Restaurants »China-Garten« in Altenglan, Lu Bai, mit Servierroboter Bella.

Bella kann fast alles. Bella (m/w/d) singt Geburtstagslieder, findet immer den richtigen Weg und kann sich nicht mit Corona infizieren. Bald soll Bella auch ein Geschwisterchen bekommen. Eine Begegnung mit dem Servierroboter im „China Garden“ in Altenglan.

„Ich muss es fast jeden Tag erklären“, sagt Lu Bai, der Inhaber des Restaurants in der Austraße. Seit dem Einzug Bellas vor rund vier Monaten werde er mit Fragen zu seinem neuen „Mitarbeiter“ gelöchert. Der Servierroboter wartet derweil an der Theke auf neue Aufträge. Mit blinkenden Augen – der obere Teil des Roboters gleicht einem freundlichem Katzengesicht – und der Anzeige der Tischnummer schiebt sich Bella mit einem Glas Cola zu Tisch 13. Dabei ertönt lustige Musik, und der Roboter spricht: „Ihre Bestellung ist da!“

Bei einer Tasse Jasmintee präsentiert Bai, was Bella noch so kann. Auf die Frage nach seinem Namen, gibt der Roboter mit spezieller Mimik bereitwillig Auskunft. Den Roboter darf man auch am Kopf streicheln, dann leuchten seine Augen vor Freude. „Wenn es ihm zu viel wird, kann er auch böse werden“, warnt Lu Bai. Dann fordert er ihn auf: „Erzähl mal einen Witz!“ Dabei kommt der katzenartige Helfer allerdings etwas durcheinander und versucht es mit einem Weisheitsspruch. Selbstverständlich spricht Bella auch Chinesisch. „Er kann alle Sprachen.“

Problem: Personalmangel

Dass das Team im „China Garden“ nun solch einen „Kollegen“ hat, hat allerdings einen ernsten Hintergrund. Die deutlich gestiegene Inflationsrate habe dafür gesorgt, dass seine Kunden weniger Einkommen zur Verfügung hätten, schildert Bai. „Der Markt ist kleiner geworden.“ Mit Ideenreichtum wolle Bai gegensteuern. Neben Umbauten, die nun mehr Lounge-Charakter bieten, wird neuerdings regelmäßig Live-Musik geboten. Den Lieferservice – vor Corona machte er rund fünf Prozent, inzwischen etwa 30 Prozent des Umsatzes aus – hat er schon länger ausgebaut. Auch im Außenbereich tut sich etwas. Das in unmittelbarer Nähe zur Draisinenstrecke gelegene Restaurant hat einen beschatteten Platz für E-Bikes und eine Ladestation.

Ein weiteres Problem sei der Personalmangel in der Gastronomie, schildert der Inhaber. Es sei derzeit kaum möglich, Personal zu finden. Allerdings sei Bella keinesfalls im Einsatz, um Lücken zu stopfen, stellt Lu Bai klar. „Es geht darum, dass unser Personal sich mehr um den Kunden kümmern soll.“ Der Roboter schaffe dazu die notwendigen Freiräume. Die Gäste könnten sich also gar nicht über „zu wenig Persönlichkeit“ beschweren, denn diese solle ja gerade verstärkt werden. Daher habe er seit dem Einsatz von Bella kein Personal eingespart.

Bella schafft 40 Kilo

Während anderswo noch über I-Benches diskutiert wird, sei die Digitalisierung in Altenglan also schon um Längen voraus. Demnächst soll die Bestellung über einen QR-Code vom Handy direkt an die Küche weitergeleitet werden können, kündigt Lu Bai an. Dort werde der elektrische Kellner mit Speisen und Getränken bestückt – 40 Kilo schafft Bella locker. Die Programmierung müsse nur mit dem Bestellungs- und Kassensystem kompatibel sein. „Im Prinzip funktioniert Bella wie ein Staubsaugerroboter.“ Es gebe eingebaute Kameras – oben und unten. Die Bewegung erfolge mit Lasertechnik und 3D-Sensorik. Spezielle Punkte an der Decke weisen den Weg. Ist ein Tablett abgeräumt, merke der Roboter das und ziehe weiter. Wenn sich jemand Bella in die Quere stellt, stoppt der Robo-Kellner. Karambolagen seien also ausgeschlossen. Ein Akku sorgt dafür, dass Bella einen ganzen Tag arbeiten kann. Den Roboter schmerzen keine Füße, und die Arme werden nicht schwer.

Zum Abräumen möchte Lu Bai demnächst einen zweiten Roboter kaufen. Allerdings seien die Preise nicht ohne. Die in China hergestellten Geräte – in vielen asiatischen Staaten sind solche Roboter längst an der Tagesordnung – kosten nach seinen Angaben hierzulande rund 18.000 Euro, erzählt der Wirtschaftsingenieur, der 2006 zum Studium nach Deutschland kam. „In Homburg gibt es schon einen, auch in Ramstein und Kaiserslautern“, weiß er. Im Kreis Kusel habe er bisher indes noch keinen weiteren Servierroboter gesehen.

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