Kreis Kusel Ein wahrer Hörgenuss
Thomas Heyer, einer der gefragtesten deutschen Gesangsprofessoren, war wieder bei den Fritz-Wunderlich-Tagen aktiv. Bereits zum dritten Mal hatte er zu einem Meisterkurs nach Kusel eingeladen. Dieser endete am Freitagabend mit einem Konzertabend in der Aula des Horst-Eckel-Hauses. Das Konzert wurde gestaltet von acht ausdruckstarken Stimmen plus dem in Zweibrücken geborenen Pianisten Klaus Bernhard Roth, der die Sänger einfühlsam am Flügel begleitete.
Der Kurs richtet sich vor allem an Gesangsstudenten sowie an bereits im Berufsleben stehende Sänger. Laut Heyer ist eines der Ziele, eine bessere Koordination der Stimme zu erreichen. Dabei werde der Unterricht bestimmt durch das Singen von Vokalisen (singen ohne Text, nur mit Vokalen). In einem zweiten Teil arbeitete dann Klaus Bernhard Roth die Gesangstechnik in die Musik ein. Die dritte Einheit des Kurses bildete eine öffentliche Singstunde, quasi eine Vorsingsituation, in der sich die Künstler vor Publikum präsentieren durften (DIE RHEINPFALZ berichtete). Das fast zweistündige Abschlusskonzert am Freitagabend eröffnete Mezzosopranistin Susanna Frank mit Schuberts „Gretchen am Spinnrade“. Danach erklang die tiefe, sonore Stimme der aus München stammenden Gesangspädagogin Barbara Bittner, die sich mit Robert Schumanns „Schöne Wiege meiner Leiden“ den gut 100 Besuchern vorstellte. Anschließend war Evelyn Ziegler zu hören: Sie sang die Arie „Ihr habt nun Traurigkeit“ aus dem großen Oratorium von Brahms deutschem Requiem. Bei ihrem zweiten Auftritt zeigte die Mezzosopranistin als Charlotte in Massenet „Brief Arie“, dass Stimme und Ausdruck sowohl Emotionen als auch die Persönlichkeit bestimmen können: Mal hoch, dann wieder tief, mal laut, mal leise, mal glücklich, dann wieder traurig, sang sie nicht, sondern lebte förmlich die Charlotte. Ebenfalls anmutig und schön: die Stimme von Milena Pumberger. Die Sopranistin aus Zürich schlüpfte in die Rolle der Susanna in Figaros Hochzeit und sang aus der Rosenarie das „Deh vieni non tardar, oh gioia bella“ (O komm, zögere nicht, schöne Freude): Wohlwissend, dass Figaro hinter einer Hecke lauert, singt die kluge, ausgleichende Kammerzofe in den Kleidern der Gräfin – und eigentlich doch als Susanna – ihre verschlüsselte, hinreißende Liebeserklärung. Recht kompliziert und doch einfach nur schön: die von Sopranistin Rebekka Reister gesungene Arie „Come scoglio“ aus der Oper „Cosi fan tutte“, ebenfalls aus der Feder von Mozart. Hier brillierte die Sängerin in der Figur der Fiordiligi. Wie zuvor bei Mozart lebt auch Giuseppe Verdis Oper „Ein Maskenball“ von Verwirrungen und Irrungen. Laura Metzemacher, Sopranistin aus Recklinghausen, verkörperte dabei mit ihrer warmen, kraftvollen Stimme den jungen Pagen Oscar, dem sie in der Arie „Saper vorreste“ ein Gesicht gab. Dramatisch, wuchtig, kraftvoll, mit einem herrlichen Schönklang läutete Basso Philipp A. Mehr mit der Arie des Eleazars „Rachel, quand du Seigneur“ aus „La Juive“ (Die Jüdin) von Jacques Fromental Halévy die zweite Konzerthälfte ein. Bravorufe erntete Mehr, der am Nationaltheater Mannheim singt, als er mit seiner schwarzen Stimme musikalisch über den alten Mississippi, den „Ol’ Man River“, schipperte. Gemessen am Applaus, sollte das wohl bekannteste Lied aus dem Musical Show Boat einer der Höhepunkte des Konzertes gewesen sein. Ein wahrer Hörgenuss war auch die Stimme von Tenor Dritan Angoni. Der junge Albaner brachte sein darstellerisches Talent vor allem bei seinem zweiten Auftritt in „E Lucevan e Stelle“ aus Puccinis Tosca großartig ein. Ohne Schuhe, die Füße (fast) versteckt im langen roten Abendkleid, verriet am Ende eines kurzweiligen Liederabends Sandra Scholler kess und beschwingt „Meine Lippen, sie küssen so heiß“... Im Namen der Fritz-Wunderlich-Gesellschaft, der Stadt Kusel sowie der Musikschule „Kuseler Musikantenland“ bedankten sich Ingrid Hirschberger und Thomas Germain bei Thomas Heyer und den Teilnehmern des Meisterkurses. Traurig und zugleich so schön: die Zugabe, das Liebesbekenntnis von Fritz Wunderlich zu seiner Heimat, gesungen von Tenor Thomas Heyer: „Ein Städtchen liegt im Pfälzerland, im Tal so wunderschön ...“