Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Jahr Pandemie: Was hat Corona mit Ihnen gemacht?

Jochen Hartloff.
Jochen Hartloff.

Ein Jahr ist seit dem Beginn der Corona-Pandemie im Kreis Kusel vergangen. Seither beeinflusst das Covid-19-Virus unser aller Leben. Die RHEINPFALZ hat zwölf Persönlichkeiten aus dem Landkreis befragt, welche Auswirkungen das Pandemiegeschehen auf ihr Leben und ihren Alltag hatte.

Jochen Hartloff, Stadtbürgermeister, Kusel:
Die Folgen von Covid-19 haben meine Arbeit als Abgeordneter, wie auch als Bürgermeister von Kusel ganz wesentlich bestimmt. Auch mein privater Alltag ist sehr stark von Videoschalten und dergleichen geprägt – manchmal praktisch, aber es verändert die Kommunikation. Es fehlen mir die persönlichen Begegnungen, auch wenn ich es wertschätze, dass wir in unserer ländlichen Region viel Bewegungsfreiheit haben.

Lars Stetzenbach, Dekan der Protestantischen Kirchengemeinde Kusel:
Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, wie zerbrechlich und wie wertvoll gerade deshalb unser Leben ist. Nicht alles im Leben ist planbar und kalkulierbar. Neu schätzen gelernt habe ich den spontanen Anruf von Freunden und Bekannten sowie ausführliche Spaziergänge anstelle der üblichen sportlichen Betätigung. Den Potzberg und die Wanderwege rund um Kusel kennen meine Frau und ich jetzt praktisch auswendig.

Christian Creutz, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Kusel:
Auch wenn das letzte Jahr oft schwierig und anstrengend war, wurden mir nochmals viele Vorteile unserer Region bewusst. Dennoch vermisse ich vor allem die sozialen Kontakte zu meinen Freunden und das Feiern unserer Kuseler Feste sehr!

Matthias Stoffel, Musiker und Lehrer an der Musikschule Kuseler Musikantenland:
Nachdem man gelernt hat, den Gürtel etwas enger zu schnallen, beginnt ein Prozess, der einige durchaus positive Aspekte hat. Neues ausprobieren, Achtsamkeit, Gesundheit, ...

Gabi Kleinhempel, Leiterin des Forstamtes Kusel:
Die Corona-Pandemie hat meine Entscheidung beschleunigt, mir einen weiteren Teckel anzuschaffen und diesen jagdlich auszubilden. Seit Ende Januar habe ich nun eine drei Monate alte Hündin, die sich prächtig entwickelt. Ich freue mich sehr auf ihre Ausbildung.

Marco Schneider, Schulleiter des Kuseler Siebenpfeiffer Gymnasiums:
Von einer Videokonferenz zur nächsten. Weniger bis keine Menschen echt treffen können. Ich verfolge weiterhin die wissenschaftlichen Gedanken und Meinungen zum Pandemie-Geschehen. Als Naturwissenschaftler bin ich von diesen Querdenker-Bewegungen angewidert. Diese Menschen schaden der Gesellschaft teilweise mehr als die Pandemie selbst. Beim Verfolgen der schlimmen Meldungen über das Pandemiegeschehen und der damit entstehenden Demut, wie gut es einem selbst doch eigentlich noch geht, gibt es auch positive Seiten – nämlich, dass einfach mehr Zeit für die Familie da war im vergangenen Jahr.

Bastian Drumm, Leiter der Kontaktstelle Holler in Kusel:
Mir hat die Pandemie eigentlich nur noch einmal gezeigt, dass Solidarität, Hilfsbereitschaft und Acht geben auf Arme, Schwache und Kranke enorm wichtig sind. Normalerweise sollten dies aber auch die Pfeiler unserer Gesellschaft außerhalb von Pandemien sein. Bei der Arbeit in der Kontaktstelle Holler hat alles mit etwas Improvisationskunst gut hingehauen, und zu Hause war es einfach mal schön, die Zeit mit der Familie zu genießen.

Nils Schubert, Leitender Pfarrer der Pfarrei Heiliger Remigius, Kusel:
Corona hat ganz viel Innovation und Kreativität ermöglicht, wovon vieles sicher bleiben wird. Aber es hat auch gezeigt, dass Gemeinschaft als persönliche Begegnung von Menschen durch nichts zu ersetzen ist.

Otto Rubly, Landrat des Landkreises Kusel:
Realer Kontakt zu Menschen, die ich gerne getroffen habe, ist weggebrochen oder zumindest sehr spärlich geworden. Andererseits habe ich aber auch erfahren dürfen, dass in unserer Gesellschaft auch und gerade in der Krise sehr viel Solidarität geherrscht hat.

Helmut Käfer, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Kusel:
Ich fand es beeindruckend zu sehen, dass man durch die Pandemie bereit war, mehr Verantwortung für die Mitmenschen zu übernehmen und fair und menschlich miteinander umzugehen. Ich bin optimistisch, dass das auch nach Corona so bleibt, und will meinen Teil dazu beitragen, dass diese Rücksichtnahme und Menschlichkeit auch in Zukunft erhalten bleiben. Ich freue mich aber auch darauf, dass man sich irgendwann auch wieder persönlich begegnen und sich die Hände schütteln kann.

Wolfgang Fischer, Ärztlicher Direktor im Westpfalz-Klinikum Kusel:
Ich hätte mir vor einem Jahr nicht vorstellen können, dass das Privatleben so stark beeinflusst werden könnte. Wir mussten zum Beispiel die Hochzeit unserer Tochter mehrfach verschieben und sind auch nicht sicher, ob sie 2021 stattfinden kann – was wir sehr bedauern. Ein positiver Effekt der Pandemie ist aber, dass das Leben etwas entschleunigt wurde und man den Blick wieder auf das Wesentliche, wie die Familie und Gespräche mit Freunden, gerichtet hat.

Christian Dingert, Fifa-Schiedsrichter und Wirtschaftskoordinator des Landkreises Kusel:
Die Pandemie hat uns ja leider die sozialen Kontakte und Begegnungen mit Freunden erschwert – andererseits konnten wir unsere schöne Region genießen, und es wurde mir mal wieder bewusst, wie schön es doch zu Hause ist.

Clara de Oliveira Seyler, Kuseline:
Ich habe im vergangenen Jahr viel mehr Zeit zu Hause verbracht. Alle Hobbys haben sich auf das Internet verlegt, und auch der Beginn meines Studiums ging nur online. Ich habe tatsächlich so ein bisschen das Zeitgefühl verloren – eine verrückte Zeit irgendwie.

Charlotte Jentsch, Anwältin, Waldmohr:
Wir haben die Auswirkungen gleich bemerkt, weil mein Vater voriges Jahr am 13. März 80 Jahre alt wurde und wir die Feier absagen mussten. Anfangs war da eine gewisse Angst, was das Virus mit uns macht, aber die Pandemie gab mir auch die Gelegenheit, viel mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.

Klaudia Schneider, Ortsbürgermeisterin, Merzweiler:
In meinem privaten Alltag fehlen mir besonders die Treffen mit meinen Geschwistern. Auch das Vereinsleben liegt brach und die Theatervorstellung in Merzweiler mussten wir im vergangenen Jahr ebenfalls absagen. Die Situation ist schon sehr belastend für mich.

Helga Becker, Ortsbürgermeisterin, Odenbach:
Ich musste mich natürlich an die Beschränkungen halten – was als Ortsbürgermeisterin natürlich nicht immer einfach ist. Die Wochenenden habe ich immer zu Hause verbracht. Mir fehlt besonders der Kontakt zu den Turnerfrauen – gut, dass es wenigstens Whatsapp gibt.

Lars Stetzenbach.
Lars Stetzenbach.
Christian Creutz.
Christian Creutz.
MAtthias Stoffel.
MAtthias Stoffel.
Gabi Kleinhempel.
Gabi Kleinhempel.
Marco Schneider.
Marco Schneider.
Bastian Drumm.
Bastian Drumm.
Nils Schubert.
Nils Schubert.
Otto Rubly.
Otto Rubly.
Helmut Käfer.
Helmut Käfer.
Wolfgang Fischer.
Wolfgang Fischer.
Christian Dingert.
Christian Dingert.
Clara de Oliveira Seyler.
Clara de Oliveira Seyler.
Charlotte Jentsch.
Charlotte Jentsch.
Klaudia Schneider.
Klaudia Schneider.
Helga Becker.
Helga Becker.
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