Wolfstein
Ein Garten voller Blüten und Ideen in Wolfstein: Das grüne Paradies der Familie Nickel
„Hallo, Blumen gefällig? Die kamen gerade an“, begrüßt Hausherr Christian Nickel und verweist auf drei große Boxen mit Kaukasus-Vergissmeinnicht, die er aus der Nachbarschaft bekommen hat. „Wir verteilen gerne, statt es auf den Kompost zu werfen“, erklärt der Wolfsteiner Stadtbürgermeister.
Im offenen Wohn-Essbereich angekommen fällt der Blick durch eine große Fensterfront direkt in einen rund 80 Quadratmeter großen Teilbereich des Gartens, der mit seinem Blütenmeer bereits einiges erahnen lässt. In Nickels Elternhaus, Baujahr 1960, mit insgesamt rund 460 Quadratmetern Grundstücksfläche, hat sich einiges getan.
Früher seien die Zimmer klein gewesen. Doch das Paar hat nichttragende Wände entnommen, einen Anbau errichtet und so einen großen, hellen Bereich geschaffen, in dem es die ersten Besonderheiten zu entdecken gibt. Der Couchtisch besteht aus zwei früheren Stufen des Wolfsteiner Rathauses und alte Eichenbalken kamen vielfach zur Verwendung, ob als Messerblock, zur Aufwertung eines Spiegels oder als Weinregal.
„Irgendwas blüht immer im Garten“
In der Verlängerung des Wohnzimmers zwitschern Vögel, und es brummt und summt am sonnigen Vormittag ohne Unterlass. Blaue Holzbiene, Feldwespen, Hummeln und Wildbienen fliegen friedlich zwischen Lavendel, Salbei, Johanniskraut und Co. umher. Zwischendurch trinken die Insekten an einem Brunnen, der für Frösche und Kröten schon Kinderstube war, und ziehen weiter.
Der frisch gebackene Käsekuchen interessiert die Tierchen nicht. „Irgendwas blüht immer, wir müssen Insekten was bieten. Schon zum Jahresanfang blüht der Nieswurz, die Urform der Christrose“, berichtet Christian Nickel. „Wir sind beide mit einem Garten groß geworden“, erklärt Silke Nickel ihre Verbindung zur Natur. Das Paar ist sich einig: „Gartenarbeit macht Spaß und den Kopf frei. Therapeutisches Gärtnern ist ein Ausgleich.“ Die Arbeitsstunden, derer es viele gewesen sein müssen, können beide nicht beziffern.
„Das war früher alles schräg zum Haus hin und hauptsächlich Nutzgarten“, berichtet der 53-jährige Hausherr. Erde wurde abgetragen sowie mehrere Ebenen und vielfältige Möglichkeiten geschaffen. Boule spielen ist auf der Rasenfläche möglich, im Sommer stellen die Nickels zudem einen Whirlpool neben der Gartendusche auf. Liegebänke sind Richtung Königsberg aufgestellt und die selbst gebaute Holzterrasse mit angrenzender Bruchsteinmauer bietet eine erste Sitzgelegenheit.
Naschgarten mit Himbeeren ist geplant
Neben dem Haus gibt es ein Erdbeerfeld: „Wir wollen hier noch einen Naschgarten mit Himbeeren anlegen“, erzählen Christian und Silke Nickel. Tomaten hat das Paar, das seit 2000 zusammen ist und Anfang Juni 2010 heiratete, auf dem Balkon. Chilis gedeihen im Garten neben allerlei Kräutern, die üppig beim Kochen, Wurstmachen oder auch für das Verfeinern von Getränken genutzt werden. Kurz mit der Hand durch das Minzbeet mit verschiedensten Sorten oder über das Colakraut zu fahren, bietet ein wahres Dufterlebnis.
Im Zwiebel- und Gewürzfeld wachsen Wilder Majoran, Knoblauchrauke, Arnika und Muskatellersalbei dicht zusammen und benötigen daher weniger Wasser. Im fast gartenbreiten Hochbeet hat das Bärlauchfeld neben vielen Kräutern und Blumen einen Platz gefunden. Schwertlilien in verschiedenen Farben wurden „alle zusammengetauscht“.Es gebe ein ständiges Hin und Her mit Gewächsen, innerhalb der Nachbarschaft gehe es ähnlich zu wie auf einer Pflanzentauschbörse.
Samen aus dem Königsberg
Unter den Pflanzen sind auch echte Wolfsteiner Gewächse anzutreffen. Darunter der Rote Fingerhut, der prächtig gedeiht. „Die Samen sind aus dem Königsberg“, berichtet das Paar. Nickels Vater hatte vor rund 45 Jahren den Ast einer Rebe, die an einem früheren Bauernhof im Tauchental wuchs, mitgebracht. Die Rebe wächst entlang eines überdachten Sitzplatzes und sorgt für ein angenehmes Mikroklima. Der Vater brachte noch mehr mit: „Die Mauer ist erbaut mit Steinen von einem abgerissenen Haus in der Schlossgasse.“
Mit weiteren Natursteinen, beispielsweise von Äckern, haben die Nickels verschiedene Mauern im Garten integriert. Diese bieten Struktur sowie der Flora und Fauna Lebensraum. Manche Pflanzen haben aber auch nur ein Zuhause auf Zeit bei den Nickels. Gelbe Schwertlilien hat das Paar vor dessen Erneuerung am Laufhauser Weiher gerettet und sie im Garten zwischengeparkt. Auch eine Art Kinderstube gibt es. „Das Kastanienbäumchen ist vom Gelände der Verbandsgemeinde und wird später in Wolfstein wachsen“, berichtet der Stadtbürgermeister. Aber auch aus der Gemeinde, aus der die 51-jährige Silke Nickel stammt, sind Gewächse im Garten zu finden: „Die Schneeballhortensien sind aus Kirrweiler.“
„Corona-Leiter“ zur Nachbarschaft
Oft werden im Garten auch kleine Partys gefeiert, davon zeugt der gut tragende Mirabellenbaum, in dem nicht nur ein Vogelhäuschen hängt, sondern auch die eine oder andere alte Weinflasche, die mit Freunden geleert wurde. Die gute Nachbarschaft zeigt sich an der „Corona-Leiter“, die zwischen Schwarzstielbambus und Geräteschuppen an der Wand lehnt und in den Nachbargarten führt: „Sonst müssten wir ganz außen rumlaufen.“
Der Garten sei Passion sowie Lebensqualität für das Paar, das vor dem Haus noch pflastern wird und einen weiteren Bereich als eine Art Steppengarten mit einem zentralen Apfelbaum oder einer Quitte anlegen will. Wichtig sei bei der Gestaltung eines Gartens zunächst, Platz zu schaffen, den Sonnenstand sowie die Bodenbeschaffenheit zu beachten. „Garten ist nichts Statisches, der sieht jedes Jahr anders aus. Ratsam ist das Spiel mit Farben und Ebenen, aber mit Konzept, statt wild darauf los. Empfehlenswert sind heimische Gewächse, und auch mal Totholz liegen zu lassen. Es muss nicht immer alles super akkurat sein“, sind sich die Nickels einmal mehr einig.
Die Serie
In den kommenden Wochen wollen wir in unserer Serie „Haus und Hof“ weitere Einblicke in die Lebenswelten unserer Leser geben. Ob umgebaute Scheune, neue Villa oder verträumter Garten: Was sind Ihre Lieblingsplätze in den eigenen vier Wänden und direkt drumherum? Der Deal ist: Sie, liebe Leserinnen und Leser, öffnen uns die Hof-, Haus- oder Gartentür, und wir bringen einen Kuchen zum Gespräch mit – selbstverständlich selbst gebacken. Lust bekommen? Melden Sie sich gern mit einer kurzen E-Mail (gern mit Fotos) bei uns: redkus@rheinpfalz.de.