Schönenberg-Kübelberg
Ehrenamtliches Engagement beschert Einladung vom Bundespräsidenten
Wenn man Olga Baumeister mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es wohl Bescheidenheit. Der Schönenberg-Kübelbergerin ist es beim Besuch der RHEINPFALZ fast schon unangenehm, über ihr ehrenamtliches Engagement zu sprechen. Dabei hätte sie allen Grund, stolz zu sein. Ihre Leistungen haben sich nämlich sogar bis in die Hauptstadt herumgesprochen. Im September reiste Baumeister gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter Lorena und ihrer Freundin Stefanie Wolf auf Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Berlin. Im Schloss Bellevue veranstaltete Deutschlands Staatsoberhaupt das Bürgerfest „Im WIR verbunden“, um das Ehrenamt in der Bundesrepublik zu feiern.
„Für mich ist ganz normal, was tue. Ich mache das gerne“, sagt die 49-Jährige. Seit 2020 setzt sie sich für Flüchtlinge und bedürftige Menschen ein. So half und hilft sie etwa 260 Menschen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, bei Behördengängen und weiteren großen und kleinen Alltagsproblemen. Heute ist Baumeister die Ansprechpartnerin für Geflüchtete im Südkreis, besonders für jene aus der Ukraine. Der einfache Grund: die Sprache. Baumeister wurde im sowjetischen Kasachstan geboren und spricht fließend Russisch – wie auch die meisten Menschen, die vor Putins Angriffskrieg nach Deutschland geflohen sind.
Fahrt an die ukrainische Grenze
Direkt zu Kriegsbeginn hat sie sich auf den Weg an die ukrainische Grenze gemacht. Mit dem vollgepackten Gemeindebus brachte sie Hilfsgüter wie Medikamente, Lebensmittel, Kleidung und Windeln ins Krisengebiet. Auf dem Rückweg konnte sie vier Erwachsene und zwei Kinder mit nach Schönenberg-Kübelberg nehmen und so in Sicherheit bringen. Mit Kleidersammlungen konnte noch mehr Geflüchteten der Start im Südkreis erleichtert werden. „Die ganze Garage war voll“, erinnert sich Baumeister. Generell sei die Hilfsbereitschaft in Schönenberg-Kübelberg sehr groß. Die beiden Ehrenbürger Wolfgang Hutzel und Bernhard Bauer halfen gemeinsam mit ihren Ehefrauen Erika und Sonja ebenfalls mit. Die Familie Hutzel habe sogar ein Haus für Kriegsflüchtlinge zur Verfügung gestellt.
Es ist zeitlich nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Olga Baumeister hat neben ihrem ehrenamtlichen Engagement einen Vollzeitjob bei Aldi, seit 2019 sitzt sie als Mitglied der CDU-Fraktion im Ortsgemeinderat in Schönenberg-Kübelberg. „Am Anfang sind alle, die Hilfe brauchten, zu mir auf die Arbeit gekommen, danach zu mir nach Hause“, berichtet die 49-Jährige. Weil das so nicht funktionierte, fragte sie Ortsbürgermeister Thomas Wolf, ob sie vormittags sein Büro nutzen könne. Dieser habe zugestimmt, war von dem Andrang aber selbst überrascht, wie er erzählt: „Der Wartebereich im Rathaus war rappelvoll. Es war eine Masse an Leuten, die da gekommen sind. Olga hat ein unfassbares Vertrauen zu ihnen aufgebaut.“ Für Baumeister bleibt es trotz aller Mühen eine Selbstverständlichkeit. „Tue jeden Tag eine gute Tat“, habe sie einst von ihrer Mutter gelernt. Ohne Unterstützung gehe es aber nicht, wie sie betont: „Das alles ist überhaupt nur durch das Engagement von Landrat Otto Rubly und Thomas Wolf möglich.“
Foto mit dem Staatsoberhaupt
Zurück zum Besuch im Schloss Bellevue: Olga Baumeister war eine von zwei Rheinland-Pfälzern, die vom Bundespräsidenten eingeladen worden waren. „Alles war perfekt organisiert. Wir wurden wunderbar versorgt mit Essen, Getränken und Live-Musik“, schwärmt sie. Bei einer Führung habe sie sogar einen Blick in Frank-Walter Steinmeiers Arbeitszimmer erhaschen dürfen. Die Ansprache des Bundespräsidenten, in der er über das Ehrenamt sprach, sei sehr bewegend gewesen. In einem günstigen Moment konnte Baumeister auch noch ein Foto mit dem Staatsoberhaupt ergattern. „Das fand ich toll von ihm“, erzählt sie.