Lauterecken / Glanbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Ehrenamtliche Sterbebegleitung: „Das hat doch jeder verdient“

Die ehemalige Altenpflegerin Petra Schreiner wollte auch in der Rente etwas Sinnvolles tun.
Die ehemalige Altenpflegerin Petra Schreiner wollte auch in der Rente etwas Sinnvolles tun.

Menschen in den Tod begleiten – eine Aufgabe, an die die meisten Menschen lieber nicht denken würden. Petra Schreiner und 21 weitere ehrenamtliche Hospizhelfer der Sozialstation Lauterecken sind seit Anfang letzten Jahres im Nordkreis unterwegs und begleiten auf dem letzten Weg.

„Es geht halt nicht um eine langfristige Freundschaft, das muss einem klar sein. Meistens besucht man die Patienten nur ein-, vielleicht zweimal“, erklärt die 64-Jährige aus Glanbrücken. Schwer falle ihr die Arbeit aber deshalb nicht. „Die Geschichten der Menschen berühren natürlich, aber gerade deshalb freut es mich, ihnen auf dem letzten Weg helfen zu können.“

Die Aufgaben einer Hospizbegleiterin sind vielfältig. „Mit der Zeit entwickelt man ein Gefühl dafür, was der Mensch braucht“, erklärt Petra Schreiner. Manche wollten Gespräche führen, für andere sei einfach nur wichtig, dass jemand da sei. Denn selbst das sei heute nicht mehr selbstverständlich: „Viele Angehörige kommen von weiter her und können nicht ständig da sein und auch die Pfleger haben selten Zeit.“

Ehrenamt in der Rente

25 Jahre hat sie selbst als Altenpflegerin gearbeitet und kennt den Druck. „Es bleibt so wenig Zeit für den Patienten, für mich war es immer sehr schlimm, zu wissen: Da stirbt gerade jemand und ich kann mich nicht dazu setzen und Trost spenden“, erzählt sie. Nachdem sie in Rente ging, sei ihr deshalb schnell klar gewesen, dass sie ihre neu gewonnene Zeit sinnvoll verbringen wolle: als ehrenamtliche Helfern im ambulanten Hospizdienst, der seit Anfang vergangenen Jahres an die Sozialstation Lauterecken angegliedert ist.

Dort melden sich Angehörige bei Bedarf – die Leistung ist kostenlos. Dorothee Bauhaus ist die hauptberufliche Koordinatorin. Nach einem Gespräch überlegt sie sich, wer ihrer Ehrenamtlichen gut zum Sterbenden und seiner Familie passt.

Die Ausbildung zum Hospizbegleiter ist vielfältig. „Es gab Seminare zu verschiedenen Arten der Kontaktaufnahme, Gespräche mit Psychologen und Vorträge zum Beispiel über Recht“, erklärt Schreiner. Obwohl sie durch ihren Beruf einige Vorkenntnisse mitbrachte, sei auch für sie vieles neu gewesen: „Man bekommt noch mal eine ganz andere Perspektive auf die Dinge.“

Auch mal ohne Handschuhe

Wie überall sind im Hospizdienst die gesetzlichen Hygienemaßnahmen Pflicht. Auch Handschuhe müssen bei Einsätzen getragen werden. Das macht die Arbeit nicht einfacher. „Ich denke, für die Patienten ist das schon komisch: Da kommt jemand Fremdes mit Maske, sie können das Gesicht nicht richtig erkennen. Das kann schon verunsichern. Wir geben aber natürlich trotzdem unser Bestes“, betont Petra Schreiner.

Und dann verrät sie: In Ausnahmefällen ziehe sie auch mal die Handschuhe aus, halte den Abstand mal nicht ein – denn manchmal sei die Nähe einfach wichtiger. Dies bestätigt auch Koordinatorin Dorothee Bauhaus. Sie ist froh, dass der ambulante Hospizdienst trotz Corona erlaubt bleibt. Sorge bereitet ihr, dass Menschen im Altenheim alleine sterben müssen. „Das ist auch traumatisch für die Angehörigen. Das zu verarbeiten, kann eine Weile dauern“, sagt Bauhaus.

Hat jeder verdient

Obwohl die Konfrontation mit dem Tod keine einfache ist, betont Schreiner: „Ich würde es jederzeit wieder machen.“ Es gefalle ihr, Zeit schenken zu können und anderen eine Freude zu machen. Dabei sei ihr besonders eine Patientin im Gedächtnis geblieben, erzählt sie: „Die Dame hat erzählt, dass sie so gerne in die Messe gegangen ist. Da hab ich den Pfarrer angerufen. Der kam dann auch ziemlich schnell und hat sich noch etwas mit der Frau unterhalten. Ich habe mich sehr gefreut, noch einen letzten Wunsch erfüllen zu können.“

Menschen, die sich für den ehrenamtlichen Dienst interessieren, rät sie: „Einfach mal ausprobieren. Wenn man dann in der Ausbildung merkt, dass es nichts für einen ist, kann man immer noch aufhören.“ Je mehr Menschen es gäbe, die helfen, desto mehr Sterbende und ihre Familien könnten betreut werden – „und das hat doch jeder verdient“, betont sie.

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