Kreis Kusel
Duo Sono erntet tosenden Applaus bei Konzert auf Burg Lichtenberg
Ein besonders schönes, wie auch spannendes Konzert erlebten die Besucher am Freitagabend in der Zehntscheune auf Burg Lichtenberg. Das Duo Sono, mit der in der Schweiz lebenden Flötisten Rotraut Jäger sowie der aus Saarbrücken kommenden japanischen Pianistin Mie Dennerlein-Shaku boten eine Stunde klassische Musik auf höchstem Niveau. Leider blieben viele Stühle leer.
Mit Franz Dopplers Fantaisie Pastorale Hongroise opus 26 eröffnete das Duo seinen knapp einstündigen Konzertabend. Im zweiten Stück, einer Romance von Camille Saint-Saëns, zeigte Flötistin Rotraut Jäger eindrucksvoll und voller Hingabe wie vielfältig ihr Instrument ist. Bei Saint-Saëns Flötenromanze, die zu den Modeformen der virtuosen Salonmusik des 19. Jahrhunderts gehörte, war die Tonart in Des-Dur etwas ungewöhnlich. Eine solche Tonart galt auf einer Flöte vor Mitte des 19. Jahrhunderts praktisch als unspielbar. Teils dank der vollendeten französischen Kunst des Ansatzes, sowie der technischen Umwandlung, die die Flöte im Zuge der böhmischen Klappenmechanik durchgemacht hatte, wurde es möglich, diese Komposition auch in dieser Tonart, wie es Jäger ausdrückte, so handhaben.
Höhepunkt des Konzertabends und zugleich virtuoser Hochgenuss zwischen träumerischer Schönheit und epischem Feuerwerk war die Undine-Sonate für Flöte und Klavier. Das Stück ist eines der wenigen noch heute regelmäßig gespielten Werke des deutschen Komponisten und Pianisten Carl Reinecke und zugleich eines der wenigen romantischen Repertoirestücke für Querflöte und Klavier. Udine basiert auf einer Erzählung von Friedrich de la Motte Fouqué. Sie, die Welle, ist ein Wassergeist, eine Meeresnixe, die einen Ritter namens Huldebrand heiratet, um eine eigene Seele gewinnen zu wollen.
Die Charakterzüge der Undine
Fouqué charakterisiert Undine als mutwillig, scherzend, ausgelassen, wild und unstetig. Eindrucksvoll und zugleich wunderschön gelang es Flötistin Rotraut Jäger, die einfühlsam von Pianistin Mie Dennerlein-Shaku begleitet wurde, diese Charakterzüge im ersten Satz zu vermitteln. Im zweiten Teil, als Ritter Huldebrand in das Leben von Undine tritt, akzentuieren die hochkarätigen Musikerinnen dies fast vornehm und zurückhaltend. In schreitendem Tempo zeigte das Duo dann die andere Seite von Undine, nämlich ihre anschmiegsame Lieblichkeit, mit der sie den Ritter zu bezaubern vermag. Wilde ungezügelte Wasser- und Naturgeister beflügeln die Fantasie des Hörers dann im dritten Satz, als Undine durch die Hochzeit mit Huldebrand zu einer Seele kommt. Schmerzlich-sehnsüchtige Erregungen bestimmten dann das virtuose Finale. Der Ausklang, die Erinnerung an die anschmiegsame Lieblichkeit Undines mündet schließlich in einem tosenden Applaus der wenigen Zuhörer.
Nach einer beschwingten Fantaisie von Gabriel Fauré verabschiedeten sich die Künstlerinnen mit François Bornes „Fantaisie brillante sur Carmen“.
Rotraut Jäger, geboren in Saarbrücken, absolvierte ihre Flötenstudien am Konservatorium Mainz sowie an der Musikhochschule Zürich. Während ihrer Ausbildung nahm sie an Meisterklassen teil. Seit zwölf Jahren lebt sie in Zürich und unterrichtet Flöte. Mie Dennerlein-Shaku wurde in Hyogo in Japan geboren. Sie schloss 2010 Ihr Klavierstudium als Solistin im Fach Klavier an der Hochschule für Musik in Saarbrücken ab. Heute unterrichtet die Pianistin an mehreren saarländischen Musikschulen und tritt als Kammermusikpianistin und Solopianistin auf.