Kusel / Brücken RHEINPFALZ Plus Artikel DRK-Geschäftsführer Volker Zimmer geht in den Ruhestand

Aufräumen für den Ruhestand: Volker Zimmer in der DRK-Geschäftsstelle.
Aufräumen für den Ruhestand: Volker Zimmer in der DRK-Geschäftsstelle.

Der Schreibtisch ist abgeräumt, die Übergabe vorbereitet. Nur an wen – das ist noch nicht entschieden. Ein Umstand, der Volker Zimmer betrübt. Denn der Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes hat am Freitag seinen letzten Arbeitstag. Sein Nachfolger steht noch nicht fest.

Mit knapp 64 Jahren hätte der Brücker noch zwei Jahre weitermachen können. Doch er hat den Weg in den Ruhestand gewählt – nach 47 Jahren Berufstätigkeit, zunächst in der freien Wirtschaft und in den vergangenen siebeneinhalb Jahren als Lenker des Sozialverbands. Gesundheitliche Gründe nennt er für seinen Entschluss, der vor einigen Monaten gefallen ist. Ab Montag hat er Resturlaub, ab 1. Juli ist er ganz offiziell Rentner.

Zimmer sieht den „kleinen, aber aktiven Kreisverband“ mit seinen 2400 Mitgliedern in zwölf Ortsvereinen sowie einer Bilanz mit schwarzen Zahlen gut aufgestellt. Allerdings nicht gänzlich ohne Aufgaben. Da ist vor allem die, für das Rote Kreuz im Kreis neue Aufgabenfelder zu finden, nachdem im April die Sozialbetreuung der Flüchtlinge auf dem Windhof weggefallen ist. Und mit ihr immerhin ein Drittel der zuvor 2,7 Millionen Euro Jahresumsatz. Als Möglichkeiten nennt der frühere Patientensprecher am Kuseler Westpfalz-Klinikum beispielsweise einen stärkeren Einstieg in das Thema Tagespflege, vielleicht sogar betreutes Wohnen. Und, ganz allgemein: Schul- und Sozialintegrationsdienste.

Ein Sozialkaufhaus geschlossen

Zweiter Punkt: die Sozialkaufhäuser, von denen das DRK zunächst drei betrieben hat, seit Dezember nur noch zwei. Lauterecken musste geschlossen werden, Kusel und Waldmohr werden weiterbetrieben. Dass hier der Lockdown erkennbar Spuren hinterlassen hat, will er gar nicht verhehlen. „In den vergangenen Monaten haben andere Abteilungen die Sozialkaufhäuser finanziell mitgetragen – so wie bei anderen auch“, sagt er. Immerhin: Jetzt stiegen dank der Lockerungen wieder die Zahlen. Er glaubt daher nicht, dass über eine weitere Schließung – in diesem Falle Waldmohr – ernsthaft nachgedacht werden muss. Aber das sei nicht mehr seine Entscheidung.

Thema Nummer drei: die Schnelle Einsatzgruppe (SEG), die das Rote Kreuz im Auftrag des für den Katastrophenschutz zuständigen Landkreises betreibt. Die Probleme mit der maroden Unterkunft in der Blaubacher Straße in Kusel sind hinreichend bekannt, die Suche nach einem neuen Standort läuft auf vollen Touren – Zimmer: „Mein DRK-Präsident und Landrat Otto Rubly ist da ja sehr hinterher.“ Dass dies Zeit wird, unterstreicht Zimmer im RHEINPFALZ-Gespräch: „Die Motivation ist ziemlich unten“, gibt er die Stimmung derer wieder, die bei Großereignissen immer wieder unterstützend zur Stelle sind.

Lob an Ehrenamtliche

Und dann ist da auch noch der Vertrag, den das Rote Kreuz einst für die SEG mit dem Kreis unterzeichnet hat und der alles andere als auskömmlich ist. Auch der harrt einer neuen Ausarbeitung, die Rubly bereits zugesichert hat. Auch das wird eine der ersten Aufgaben von Zimmers Nachfolger sein.

Der Neue wird dann auch Chef für insgesamt 66 Mitarbeiter plus ganz viele Ehrenamtliche, die Zimmer ausdrücklich lobt. „Ohne die Ehrenamtlichen hätten wir Vieles nicht stemmen können. Und unsere Mitarbeiter sind wirklich mit Herzblut dabei. Sie engagieren sich für das Rote Kreuz und auch für ihre Arbeitsplätze, nicht für irgendeinen Anonymen im Hintergrund.“

Zeit für Familie

Für den Ruhestand hat Zimmer bereits geplant. Zumindest teilweise. Da ist zum Beispiel im Juni eine kleine Deutschland-Tour mit dem Wohnwagen. Und da sind hernach diverse Grundstücke mit Obstbäumen. Apfel, Kirsch, Birnen. „Da ist in den vergangenen Jahren einiges zu kurz gekommen“, sagt er.

Vor allem aber sei seine Familie zu kurz gekommen. Seine Frau Roswitha, die als Krankenschwester auch etwas kürzer treten will, und seine beiden Töchter. Gerade in den Jahren, in denen Zimmer und seine Mitstreiter die Flüchtlingseinrichtung aufgebaut und geführt haben, also häufig Bereitschaft quasi rund um die Uhr angesagt war, habe er seiner Familie nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die ihr gebühre. „Das werde ich jetzt nachholen.“

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