Kreis Kusel
Digitallotsen und Digitalbotschafter: Wo sind die Unterschiede?
Smartphones können immer mehr. Sie sind – je nach Modell – nicht bloß Kommunikationsgeräte mit Zusatzfunktionen, sondern mehr oder minder kleine Alleskönner. Man kann mit ihnen hochwertige Fotos schießen und diese durch Nachbearbeitung optimieren, man kann die eigene Herzfrequenz messen, die Heizung steuern, das Licht einschalten und den Mobilgeräten per Sprachassistent bequem die Aufgabe übertragen, einen Wecker zu stellen oder ein bestimmtes Lied abzuspielen. Da verwundert es kaum, dass insbesondere ältere Menschen, die mit diesen rasanten technischen Neuerungen nicht aufgewachsen sind, Schwierigkeiten haben, mit den Geräten umzugehen. Oftmals sind es schon Standardfunktionen wie Whatsapp oder die Kamera, die ihnen nur teilweise oder gar nicht vertraut sind.
Im Kreis Kusel gibt es – wie auch in anderen Landkreisen – einige Engagierte, die sich dieser Problematik angenommen haben und helfen wollen. Die Besonderheit im Kreis: Es gibt zwei unterschiedliche Gruppen von digitalversierten Unterstützern, deren Namen sich nur leicht unterscheiden – Digitalbotschafter und Digitallotsen. Während die Erstgenannten ehrenamtlich tätig und in ganz Rheinland-Pfalz vertreten sind, sind die Digitallotsen angestellt und an das kreiseigene Smart-City-Projekt „Land L(i)eben“ angegliedert, das noch bis Ende 2027 läuft. „Digitallotsen und Digitalbotschafter machen viel Ähnliches, aber nicht genau das Gleiche“, sagt die Digitallotsin Silvia Latterner. Sie räumt ein, dass die Namensähnlichkeit durchaus eine gewisse Verwechslungsgefahr birgt und viele Leute den Unterschied nicht kennen würden. „Wir haben aber alle die gleiche Vision: Menschen den Umgang mit digitalen Medien zu erleichtern – und ihnen die Angst davor zu nehmen, diese im Alltag einzusetzen.“
Digitallotsen: Die Zeit läuft langsam ab
Aktuell gibt es im Kreis Kusel insgesamt neun Digitalbotschafter – kurz: Dibos – und vier Digitallotsen. Die Botschafter sind eher ungleich über das Kreisgebiet verteilt, wenngleich es in jeder Verbandsgemeinde (VG) mindestens einen gibt, zwei Drittel davon aber finden sich im Oberen Glantal. Die Lotsen haben in jeder VG einen festen Ansprechpartner, der auch regelmäßige Sprechstunden anbietet, sowie einen Koordinator. Sowohl die Botschafter als auch die Lotsen verzeichnen eine stark steigende Nachfrage nach ihren Angeboten, wie Vertreter beider Gruppen kürzlich in einem Pressegespräch bekräftigt haben. Zu den Angeboten zählen unter anderem Kurse, in denen den Teilnehmern gezeigt wird, was Smartphones und Tablets alles können. Oft haben die Schulungen bestimmte Schwerpunkte, die sich nach den Bedarfen der Besucher richten.
„Ich denke, man kann festhalten, dass sowohl die Digitalbotschafter als auch wir es schon geschafft haben, die digitale Teilhabe im ländlichen Raum zu stärken“, sagt Latterner rückblickend. Mit den bisherigen Erfolgen sei es jedoch noch lange nicht getan. Erfreulich sei, dass das Projekt „Land L(i)eben“ bis Ende 2027 – ursprünglich war Ende 2026 geplant – verlängert wurde, dennoch gehe mit der Laufzeit ein Zeitdruck einher, zumal die Nachfrage nach den Angeboten auch nach 2027 nicht enden werde. Daher sei es wichtig, dass sich noch weitere Digitalbotschafter finden.
Digitalbotschafter: Noch Luft nach oben
Betrachtet man die Gesamtanzahl der Digitalbotschafter in Rheinland-Pfalz, die bei 700 liegt, wird der geringe Anteil, den der Kreis Kusel daran hat, recht deutlich. „In großen Städten wie Mainz, Koblenz und Ludwigshafen gibt es fast an jeder Ecke einen Digitalbotschafter“, sagt Peter Theiß, ein Dibo aus Hüffler. In ländlichen Regionen sehe es teilweise düsterer aus. Ähnliche Probleme wie im Kreis Kusel gibt es laut Digitalbotschafter Peter Fritz aus Altenglan etwa in der Eifel. Eine Infoveranstaltung Mitte Mai, bei der gezielt für das Amt des Digitalbotschafters geworben wurde, stimmt die Beteiligten allerdings optimistisch: „Tatsächlich hat die Resonanz unsere Erwartungen übertroffen“, sagt Silvia Latterner. Zwölf Interessierte seien zu der Veranstaltung selbst gekommen, außerdem seien vorher wie nachher insgesamt neun Anmeldungen bei der Medienanstalt Rheinland-Pfalz eingegangen, die die Dibos ausbildet.
Die Digitallotsen richten ihre Angebote, etwa Digitale-Fotografie-Workshops, an alle Generationen, doch auch die Digitalbotschafter schicken niemanden weg, der nicht als Senior gilt: „Es wird zwar von der Medienanstalt grundsätzlich so kommuniziert, dass unsere Zielgruppe Menschen Ü60 sind, doch wir sind natürlich absolut flexibel, wenn mal jemand vorbeikommen möchte, der jünger ist“, sagt Peter Theiß. Während die Digitallotsen durch „Land L(i)eben“ technisch ausgestattet sind, ist das Thema Ausstattung für die Dibos etwas mühsamer. „Alles, was ich an Hardware benutze, ist mein Eigentum“, sagt Theiß. Der Altenglaner Dibo berichtet hingegen von Fördermöglichkeiten vom Land – auf diese Weise habe er sich seine Ausstattung finanzieren lassen können. „Es war allerdings ein monatelanger Prozess, bis ich den Bescheid hatte“, merkt er an. Grundsätzlich besteht für die Botschafter auch die Möglichkeit, sich technisches Equipment von den Lotsen auszuleihen – ein Teil ihrer Zusammenarbeit.
Die beiden Gruppen sind vernetzt
Vernetzt sind die beiden Gruppen auf jeden Fall – und bestrebt, dies weiter auszubauen. Während die Lotsen einen festen Fahrplan haben, sind die Botschafter etwas freier in ihrer Gestaltung: Die einen bieten nur Kurse in den Gemeinden an und machen keine Hausbesuche, bei anderen ist es genau umgekehrt.
Vor allem im Norden des Kreises Kusel sind es die Digitallotsen, die einige Kurse anbieten, weil es dort in der Fläche weniger Digitalbotschafter gibt. „Wir versuchen, keine Doppelstrukturen aufzubauen, sondern zusammen mit den Digitalbotschaftern eine flächendeckende Unterstützung zu bieten“, sagt Silvia Latterner. Dies könne aber nur mit weiteren Botschaftern gelingen.
Info
Die Digitalbotschafter im Kreis Kusel: Hans-Peter Blum (Deimberg), Peter Fritz (Altenglan), Peter Theiß (Hüffler), Stefan Göttel (Matzenbach), Bernd Ludwig (Quirnbach), Nikolas Bremm und Diana Bunzel (beide Schönenberg-Kübelberg), Birgit Ley (Altenkirchen) und Hans-Jürgen Risch (Homberg). Sie bieten unter anderem Kurse zum Umgang mit Laptops, Tablets und Smartphones an. Kontaktdaten finden sich unter digital-botschafter.silver-tipps.de/standorte/. Zentrale Telefonnummer (Medienanstalt RLP in Mainz): 06131 279675.


