Altenglan Digitalbotschafter Fritz macht Senioren zu Silver Surfern – Nächster Kurs: Zeitunglesen digital

Peter Fritz hilft in seiner Freizeit Senioren dabei, sich an Smartphones und Tablet-PCs zurechtzufinden.
Peter Fritz hilft in seiner Freizeit Senioren dabei, sich an Smartphones und Tablet-PCs zurechtzufinden.

„Am Handy etwas einstellen? Machen meine Enkel!“ Das hört Digitalbotschafter Peter Fritz immer wieder – dabei sei es grundfalsch. „Traut euch mehr zu“, rät er Senioren.

„Warum sollte ich mich mit Mitte 70 überhaupt noch für das Handy interessieren, damit telefonieren kann ich ja“, gibt Peter Fritz aus Altenglan eine typische Frage aus seinem Leben als ehrenamtlicher Digitalbotschafter des Landes Rheinland-Pfalz wieder. Im Gespräch versuche er dann zunächst „herauszukitzeln, ob jemand grundlegend Interesse an der Technik und ihren Möglichkeiten hat“. Wenn sich herausstelle, dass derjenige das Themenfeld „total ablehnt, dann helfen alle Worte nichts“. Wenn er aber ein bisschen Interesse erkenne, lasse sich mit einigen praktischen Beispielen zeigen, welche Erleichterungen Apps bringen können. Fritz: „Wenn das Flämmchen nur ein bisschen lodert, krieg’ ich das Feuer angefacht.“

Interesse am Umgang mit Mobiltelefonen und Tablet-PCs sei keine Frage des Alters. „Mein ältester Teilnehmer ist 91 Jahre“, plaudert Fritz aus dem Nähkästchen. In Altenglan und Körborn bietet der Digitalbotschafter einmal im Monat einen Gruppekurs an, in dem sich alles um die Technik (nicht nur im Hosentaschenformat) dreht. Schmunzelnd erzählt Fritz: „Zu 99 Prozent haben die Senioren die Geräte von ihren Kindern oder den Enkeln geerbt und kennen sich dann erstmal nicht richtig aus.“ Eine Einführung gebe es da nur in den seltensten Fällen – und Oma und Opa wollten oft nicht nachfragen, um nicht noch unbedarfter zu wirken.

Mit viel Herzblut bei der Sache

Bis zu 15 Menschen besuchen die „Sprechstunden“ von Fritz. Das sei eine gute Gruppengröße: „Wichtig ist mir, dass alle zu Wort kommen und Fragen stellen können.“ Dafür nehme er sich immer reichlich Zeit. Zwar wisse er nicht immer eine Antwort, dafür aber, wo er sie finde. „Solche Probleme versuchen wir zunächst gemeinsam zu lösen“, sagt der Rentner, der früher bei einer Krankenkasse in der Technikabteilung tätig war. Bei Apple-Geräten könne er eher aus dem Stand helfen als bei Android-Smartphones und -Tablets. „Da kenne ich dann aber Experten, an die ich verweisen kann.“

Fritz ist mit Herzblut bei der Sache, das merkt man im Gespräch schnell. Seit dreieinhalb Jahren widmet er einen guten Teil seiner Freizeit als Rentner diesem Ehrenamt. Fördermittel des Landes, die sich nach langem Suchen aufgetan hätten, ermöglichten ihm die Anschaffung von Technik für seine Veranstaltungen: „Ich will ja den Menschen eine gewisse Qualität bieten.“

Datenschutz ist Dauerbrennerthema

Jeden Monat überlegt sich der Digitalbotschafter – übrigens einer von mehreren im Landkreis Kusel – Schwerpunktthemen für die Gruppe. Die werden in den ersten 20 Minuten der Sitzung beleuchtet, ehe es in eine Fragerunde übergeht. Als Beispiele für Themen nennt Fritz Park-Apps, wie sie unter anderem in Kaiserslautern genutzt werden können, um ohne Kleingeld und flexibler in der Innenstadt parken zu können. Datenschutz sei ebenfalls ein Dauerbrennerthema, momentan oft im Zusammenhang mit der elektronischen Patientenakte. Dass jede Krankenkasse zum Auslesen eine eigene App anbiete, mache die Sache außerdem aus Anwendersicht oft zusätzlich schwierig. Fritz gibt zu: „Die Hürden für Senioren sind schon hoch – wenn man sich nicht damit befasst.“

Deshalb ist es ihm wichtig, dass die Teilnehmer seiner Kurse die Smartphones im Alltag nutzen – „und zwar nicht nur zum Telefonieren und um mal eine Whatsapp-Nachricht zu schreiben“. Er ermuntert die „Silver Surfer“ – also die oft grauhaarigen Technik-Nutzer über 60 Jahre – dazu, am Gerät immer alles selbst zu machen: „Bitte nicht die Kinder oder Enkel tippen lassen. Sonst fehlt beim Erfolg der ,Aha’-Effekt.“

Zusammenarbeit mit der RHEINPFALZ

Der darf sich am Montag, 1. September, gerne wieder bei Seniorinnen und Senioren einstellen. Dann steht eine besondere Veranstaltung in Altenglan auf dem Programm: Gemeinsam mit der RHEINPFALZ geht es einen Nachmittag lang ums digitale Zeitunglesen. Denn mittlerweile können alle Abonnenten dieser Zeitung auch das E-Paper und die Plus-Inhalte auf rheinpfalz.de nutzen. An dem Nachmittag mit dabei sind neben Gastgeber Peter Fritz noch Erik Martens und Natascha Kuhn, die Einblicke in die RHEINPFALZ-App geben, sowie Benjamin Ginkel, der Leiter der Kuseler Lokalredaktion.

Info

„Einstieg ins digitale Zeitunglesen“ am Montag, 1. September, 14.30 bis 17 Uhr im Wirtschaftsraum der Turnhalle der Realschule plus in Altenglan. Vorkenntnisse sind keine notwendig, eine Anmeldung ebenfalls nicht. Weitere Infos gibt’s bei Peter Fritz unter Telefon 06381 4290801 und per E-Mail an di-bo.fritz@web.de.

x