Kreis Kusel „Diese Tage sind ein Segen“

„Ich bin in einem Alter, wo ich mache, was mir Spaß macht“, sagt Brigitte Schröder. Den hat die 72-Jährige aus Berlin von Montag bis Freitag beim Silver-Jazz-Camp auf Burg Lichtenberg geteilt mit 20 weiteren Hobbymusikern. Am Donnerstagabend gab die muntere Truppe den Spaß beim Abschlusskonzert weiter.
Es endet mit „It′s a long way to Tipperary“ und „Oh when the saints“: Alle stehen sie im Raum im Untergeschoss der Zehntscheune, dicht gedrängt zwischen den Schlagzeugen und Keyboards der Teilnehmer, Männer und Frauen, Teilnehmer und Dozenten, Trompeten und Posaunen, die Saxofone und die Klarinetten, Banjo, Bass, Sousafon und Mundharmonika. Die „soziale Art, Musik zu machen“, nicht zu fragen, „wie technisch perfekt einer ist“, wie Michael Springer (59) aus Geiselberg formuliert, hat sie zusammengebracht: 20 Amateurmusiker aus der Generation 50 plus und ein Team aus Dozenten des Verbands Old-Jazz-Union. In Ensemble- und in Instrumentenklassen stand seit Montag das Spiel ohne Noten im Vordergrund; bis zu sechs Stunden am Tag ging es ums Musikmachen und alles, was dazu gehört: Gehörbildung und Rhythmustraining, Harmonielehre und Atemübungen zum Beispiel. Und die Gemeinschaft: Etliche Teilnehmer sind Wiederholer, einige haben sich den Termin 2015 (das Camp beginnt dann am 9. November) schon vorgemerkt. Keine der bislang drei Campauflagen verpasst hat Gesine Gödtel aus Kusel. „Es entstehen Freundschaften“, sagt sie – wie die zu der Berlinerin Brigitte Schröder. Neu dabei ist Renate Köhler aus Ansbach bei Nürnberg. Sie ist 77 und hat erst mit 64 angefangen, Unterricht auf dem E-Bass zu nehmen. „Ich habe zu Hause leider keine Gruppe zum Mitspielen, deshalb besuche ich jeden Workshop, den ich finden kann. Musik ist ein Jungbrunnen für mich“, erzählt sie. Die Atmosphäre der Burg sei von unschätzbarem Wert, hebt Franz Wosnitza, der als Präsident der Old-Jazz-Union und Workshopleiter Erster unter Gleichen in der Gruppe ist, hervor. Im nächsten Atemzug lobt er die Professionalität der Jugendherberge, die als Stützpunkt der musikalischen Klausurtagung fungierte: „Jedes unserer Anliegen wurde möglich gemacht.“ Fünf Ensembles sind es, die zum Abschluss des Jazz-Camps in 90 Minuten Konzert beweisen, dass auch Anfänger am Instrument überraschende Akzente in ein Arrangement setzen können. Von den Soli der Fortgeschrittenen, die immer wieder Szenenapplaus vom Publikum ernten, ganz abgesehen. Das herauszukitzeln, ist Aufgabe der Dozenten – trotz manchmal ungewöhnlicher Besetzungen. „In meinem Ensemble sind drei Saxofone und eine Trompete, das war’s“, sagt der Kuseler Pianist, Chorleiter und Musiklehrer Matthias Stoffel. „Aber ich liebe Ungewöhnlichkeiten, das spielt mir in die Karten.“ Wie genau, ist zum Auftakt des Konzerts in ungewöhnlichen Arrangements zu hören. „Diese Tage sind ein Segen“, findet Bernhard Vanecek, Musikantenlandpreisträger 2008 und Vizepräsident der Old-Jazz-Union. Dann muss er auf die Bühne. „Tipperary“ und die „Saints“ in voller Besetzung stehen an.