Breitenbach
Die Weihnachtsbaum-Tradition: Aussuchen und selbst absägen
Um 13 Uhr herrscht am Samstag schon Betrieb auf dem Waldgrundstück von Alois Kuhn bei Breitenbach. Drei Familien sind unterwegs, um den passenden Baum für ihr Zuhause zu finden. „Wir schlagen schon seit mehreren Jahren unseren Weihnachtsbaum hier selbst. Da sind wir sicher, dass der Baum nicht schon früh seine Nadeln verliert“, berichtet Sonja Kauf. Und so ist eine lieb gewonnene Tradition entstanden, ein gemeinsamer Familienausflug mit Ehemann Axel und Tochter Solea. Die Familie aus Jägersburg nimmt gleich zwei Bäume mit, „einen für uns, der andere für die Oma“.
Für den 75-jährigen Alois Kuhn hat die Familie eine kleine Überraschung mitgebracht: eine Tüte voller Weihnachtsplätzchen. Man kennt sich, freut sich auf das alljährliche Treffen und Schwätzchen. Auch Danny Frenzel aus Dunzweiler ist mit seinem fünfjährigen Sohn Joel und Tochter Leoni, neun Jahre alt, nach Breitenbach gekommen. Sie dürfen mit entscheiden, welcher Baum abgesägt, verpackt und nach Hause transportiert wird.
Gefallen gefunden, Teil einer Tradition zu sein
Kuhn verkauft drei Arten von Nadelbäumen. Am meisten gefragt sei die Nordmanntanne. Er hat auch mehrere Meter hohe Fichten, die würden von Gemeinden als Dekorationsbäume genommen. Einer stehe beispielsweise in Kübelberg, ein anderer in Schönenberg. „Bei mir wird nichts gespritzt“, erzählt Kuhn. In großen Plantagen müssten die Bäume häufig gegen Borkenkäferbefall behandelt werden.
Der ehemalige Baumaschinenführer Kuhn kam durch Zufall zum Nebenerwerb als Weihnachtsbaumverkäufer. Als er im Jahr 1978 eine Garage habe bauen wollte, kaufte er ein Grundstück neben seinem Wohnhaus – groß genug, um neben der Garage auch noch ein paar Nadelbäume zu pflanzen. Fünf Jahre später wurde er in der Vorweihnachtszeit angesprochen, ob er die Bäume verkaufen wolle. Das sprach sich schnell herum – und so ging es mit dem Geschäft vor vier Jahrzehnten los. Weitere Grundstücke kamen bald hinzu – Kuhn fand Gefallen daran, Menschen in der Vorweihnachtszeit bei sich zu empfangen.
Neue Bäume werden keine mehr gepflanzt
So manches hat er dabei erlebt. Ehefrau Karin, die schon seit Jahren ihm beim Verkauf hilft, berichtet: Es begab sich, da an einem Heiligabend, als es schon längst dunkel war, ihr Mann unter der Dusche stand und sie ein Licht im Baumgrundstück sah. „Alois ist dann rüber gegangen und hat den Besucher gefragt, was er dort sucht.“ Klar, einen Weihnachtsbaum. Plötzlich sei Heiligabend gewesen, die Kinder weinten zuhause, weil es keinen Weihnachtsbaum ab. „Ich habe ihm noch geholfen beim Transport des Baumes“, berichtet Alois Kuhn. Seitdem habe sich der Mann aber nicht mehr bei ihm blicken lassen.
„Wir waren damals in einem großen Umkreis die Einzigen, bei denen man den Weihnachtsbaum selbst schlagen konnte“, berichtet der lebhafte Mann aus den 1980er Jahren. Mittlerweile gibt es auch weitere Anbieter. Doch nicht nur deswegen ist die Nachfrage im Vergleich zu Spitzenzeiten stark zurückgegangen. Die Leute kauften vermehrt beim Discounter, bedauert Kuhn.
Der 75-Jährige bereitet sich schon auf seinen endgültigen Ruhestand vor. Er pflanzt keine weiteren Bäume mehr: „Es dauert zehn Jahre, bis ein Baum zwei Meter hoch ist. Würde ich heute Bäume pflanzen, dann wäre ich 85 Jahre alt, bis sie verkauft werden könnten.“ Ihm mache die Arbeit immer noch viel Spaß. Aber man müsse irgendwann wissen, wann es die Zeit ist aufzuhören. Mit der Gastfreundschaft in der Vorweihnachtszeit ist es ja nicht getan, das Ganze sei mit viel Aufwand verbunden, auch im Laufe des Jahres.
Erster eigener Weihnachtsbaum für die Kuseline
Zu seinem 40. Jubiläum hat Alois Kuhn die Kuseline eingeladen. Jil Biedinger kommt mit ihrem Vater, beide sind darauf vorbereitet, den Baum selbst abzusägen. Doch inzwischen hat der Regen eingesetzt. Es soll schnell gehen. Und so startet Alois Kuhn die Motorsäge, nachdem die Kuseline sich eine etwa zwei Meter hohe Nordmanntanne ausgesucht hat.
Schwups ist sie abgesägt. Gemeinsam tragen Alois Kuhn und Jil Biedinger die Tanne zur Röhre, durch die sie gezogen und in ein Netz verpackt wird. „Das ist mein erster eigener Weihnachtsbaum“, berichtet die Kuseline. Sie ist im Februar zuhause ausgezogen und wohnt seitdem in einer Wohnung in Kusel. Kuhn überreicht ihr noch einen Setzling und gibt Pflegetipps. In zehn Jahren soll er dann groß genug sein, um als Weihnachtsbaum zu dienen. „Er kann sie dann an ihre Zeit als Kuseline erinnern“, sagt der 75-Jährige.