Kreis Kusel Die Staffelei als Rettungsanker

Über den Hintereingang und an einer farbenfroh bemalten Tür vorbei geht es in das Haus in der Wolfsteiner Bahnhofstraße. Einige Treppen weiter, durch schmale, verwinkelte Gänge gelangt der Besucher in das Atelier von Alfred F. Bühler: ein großer Raum mit viel Tageslicht. Durch das geöffnete Fenster fällt der Blick auf die reizvolle Landschaft. Doch die interessiert den 89-Jährigen weniger. Denn seine Spezialität sind Porträts.
Seine Arbeitswerkzeuge liegen auf der Fensterbank. „Ein Haufen Kram“, sagt Bühler ein bisschen entschuldigend. Vielbenutzte Tuben mit Ölfarbe im Holzkästchen, Gefäße mit Pinseln unterschiedlicher Größen, Spachteln, ein umfunktioniertes Marmeladenglas mit Terpentin. In den beißenden Geruch mischen sich Kaffeeduft und Zigarettenrauch. Bühler sitzt gemütlich im Schaukelstuhl und zündet sich eine blaue „Nil“ an. Vor ihm ein runder Tisch, darum mehrere einladende Sessel. Telefon, Kalender, Kaffeebecher, Streichhölzer und zwei Aschenbecher sind griffbereit. Auf der Veranda vor dem Fenster hat der Kunstmaler tierische Gesellschaft: einen Frosch, eine Schnecke und einen Igel. Die Figuren seien zum Teil Geschenke, sagt er. Die Blumenkübel sind gerade nicht bepflanzt, dafür hat Bühler das Zimmer mit gemalten Efeuranken verschönert. Auch die Fenstereinfassungen hat der Künstler bemalt. „Die Staffelei ist mein Rettungsanker“, sagt Bühler. Er male täglich, manchmal, „wenn ich mal dran bin“, auch bis in die Nacht. Zurzeit investiert er viel Zeit in seinen neuen Ausstellungsraum im Erdgeschoss. Mehrmals in der Woche soll „Bühlers bunter Malerwinkel“ geöffnet werden. Viele Bilder hat der 89-Jährige in jüngster Zeit eigens dafür angefertigt: auch den Papst, den Heiligen Nardini und Kaiserin Sissi. Beim Besuch in seinem Atelier hat es draußen mehr als 30 Grad. Da braucht es schon einige Fantasie, wenn auf der Staffelei ausgerechnet eine Winterlandschaft mit schneebedeckten Tannen im Entstehen ist. Nach seinem Vorbild Rembrandt malt er seine Bilder in drei Phasen. An der Tür hängt der Malerkittel, Lappen mit allen möglichen Farbklecksen darauf sind griffbereit. Als Hilfsmittel dient ihm eine kleine Gelenkfigur aus Holz. Damit könne er menschliche Proportionen besser treffen, erzählt Bühler. „Die Malerei hält mich jung“, ist der wache 89-Jährige überzeugt. Neben Ölgemälden fertige er auch Aquarelle. Bühler hat erst vor kurzem sein Atelier ein Stockwerk tiefer gelegt. Wo jetzt die Staffelei steht, pflegte er zuletzt seine Lebensgefährtin. Luise Molter starb im November 2014. Ihr Porträt ziert die Wand. Ebenso wie weitere Bilder des Malers. Da sind auf Leinwand auch Flugzeuge aus seiner Karriere als Pilot. Mehrere Flugzeugmodelle hängen von der Decke über einer Hausbar herab. „Alles Maschinen, die ich geflogen bin“, sagt er. Geboren wurde Bühler in Rottweil im Schwarzwald. Dass er aus der Hochburg der alemannischen Fasnet stammt, erklärt wohl auch, warum von der Decke eine etwas unheimliche Maske hängt. Aufgewachsen ist der Sohn eines Piloten dann in München. Fliegen sei schon früh seine Leidenschaft gewesen, erzählt Bühler, der als junger Mann zur Luftwaffe ging und Jagdflieger wurde. Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft widmete er sich seiner zweiten Passion, der Malerei. Er studierte an der Akademie in München, wo ihm sein Lehrer Otto Schwarz die Vorliebe für Porträts nahebrachte. In den 1950er Jahren stieg Bühler wieder aufs Fliegen um. Er wurde Pilot bei der US-Armee und kam über mehrere Stationen schließlich nach Ramstein, wo er auch ein Atelier betrieb. Bühler malte dort fast alle Generäle. In Zweibrücken gilt er gar als „Hofmaler“, da er alle Oberbürgermeister der Stadt porträtierte – zuletzt Helmut Reichling. (suca)