Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Die Schönheit des Westrich: Erinnerung an den Künstler Hans Kohl

Blick auf Kreimbach-Kaulbach: Der Lauterer Historiker Bernhard H. Gerlach hat der Lautertalgemeinde dieses Aquarell von Hans Koh
Blick auf Kreimbach-Kaulbach: Der Lauterer Historiker Bernhard H. Gerlach hat der Lautertalgemeinde dieses Aquarell von Hans Kohl geschenkt (Ausschnitt).

Der Kuseler Künstler Hans Kohl, der vor 55 Jahren starb, ist zu Unrecht in Vergessenheit geraten.

Wie so oft, wenn der Begriff Heimat ins Spiel kommt, haftet auch der Heimatmalerei ein Negativ-Image an. Der Kuseler Künstler Hans Kohl war ein Heimatmaler im besten Sinn. Er schuf „schöne“ Bilder ohne kitschige Sentimentalität und verlogene Volkstümelei – und ist dennoch gänzlich in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht.

Dem gebürtigen Franken, der ursprünglich als Eisenbahner arbeitete, ist deutlich weniger Nachruhm beschieden als seinem malenden Namensvetter aus Mainz. Der dortige Hans Kohl ließ sich später an der Bergstraße nieder und starb 1990 im Heppenheimer Stadtteil Hambach. Jener ist in allen maßgeblichen Kunstlexika verzeichnet, während der pfälzische Hans Kohl selbst Fachleuten kaum geläufig ist.

Postkarte mit Kohls Zeichnung des Potzbergturms.
Postkarte mit Kohls Zeichnung des Potzbergturms.

Immerhin verfügt das Stadt- und Heimatmuseum seiner Wahlheimat Kusel über einige wenige Werke. Der Kaiserslauterer Historiker, Volkskundler und pensionierte Studiendirektor Bernhard H. Gerlach hat der Lautertalgemeinde Kreimbach-Kaulbach beim Neujahrsempfang 2025 ein Kohl-Bild geschenkt. Das 1960 entstandene Aquarell zeigt eine Ortsansicht aus Blickrichtung des Steinbruchs.

Der schweifende Blick

Impressionen aus dem Glantal und dem Kuseler Land bilden einen Schwerpunkt im Schaffen Hans Kohls. Mit fotografischer Authentizität bildete er Dörfer und Steinbrüche ab, Bach- und Waldlandschaften, Äcker und Getreidefelder, Burgruinen und Kirchen, Straßenzüge und Naturdenkmäler, stille Winkel und verborgene Ecken, Berge und Täler, die üppig begrünten Höhen und steil abfallenden Hügel des Westrich.

Dazu schwelgte der Naturfreund in Stimmungen: Morgenrot und Abendruhe, Farbenpracht und Lichtwirkung der Jahreszeiten. Das klingt nach Reiseprospekt – und war es insofern, als Kohl seine Motive unentgeltlich für die Touristik-Werbung zur Verfügung stellte.

Unter anderem griff der Kreis Kusel in seiner Fremdenverkehrsreklame auf Kohls schweifenden Blick über Burg Lichtenberg und den Potzberg zurück. Seine Zeichnung des 1951 eingeweihten Potzbergturms fand als Ansichtskarte weite Verbreitung.

Einst ein „Feuerwerker“

Ein wenig erinnern seine Landschaften, Stadtansichten und Dorfszenen an den weitaus bekannteren Südpfälzer Kollegen August Croissant. Porträts, Genrebilder und Stillleben finden sich dagegen nur spärlich in Kohls Œuvre.

Umso mehr waren Verwaltungen, Firmen und Kreditinstitute an seinen großformatigen Landschaften interessiert, um sie in ihren Konferenz- und Repräsentationsräumen prominent zu platzieren. Der Bedesbacher Regionalhistoriker Reinhard Theis schrieb, jedes Bild „ehrt seinen Meister und ist zugleich ein Loblied auf die schöne Westricher Landschaft“.

Weiter schwelgte Theis in einem Porträttext: „In seinen Bildern offenbart sich ein Blick für das Echte und Ursprüngliche. (...) Sein Wirken und seine Arbeit war ein treues Dienen für die Heimat. Nicht besser kann man Hans Kohl charakterisieren als mit den Worten von Fontane: ,Der ist in tiefster Seele treu, der die Heimat liebt wie du.’“

Oberpfälzer in der Westpfalz: Hans Kohl (1886–1970).
Oberpfälzer in der Westpfalz: Hans Kohl (1886–1970).

Dabei lag Kohls Heimat anderswo. Er kam 1886 im oberpfälzischen Amberg zur Welt, war während des Militärdiensts als „Feuerwerker“, also Munitionsräumer tätig und trat schließlich in die Dienste der Pfälzischen Eisenbahn. Seiner Frau zuliebe ließ er sich – nach Stationen in Ingolstadt und Hersbruck bei Nürnberg – anno 1922 in Kusel nieder.

Dort war er später Mitbegründer der Künstlergemeinschaft „Brücke“, in der er sich mit jüngeren Kollegen wie dem gebürtigen Rheinländer Otto Hartloff und dem aus Berlin stammenden Helmut Wanschap austauschte. Regelmäßig kehrte Kohl nach Bayern zurück und nahm 1952 an einer Gruppenausstellung in Amberg teil. Kusel ehrte ihn zuletzt 1986 mit einer Werkschau aus Anlass seines 100. Geburtstag.

In der Hutmacherstadt fand Hans Kohl auch seine letzte Ruhestätte. 84-jährig ist er am 19. Dezember 1970 nach längerer Krankheit gestorben.

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