Lauterecken
Die Park-Protokolle-Posse hat Potenzial
Dass im Veldenzstädtchen der eine oder andere nicht so ganz glücklich damit ist, wie Verbandsbürgermeister Andreas Müller das Thema Gehweg-Parken behandelt, hat sich schon über die Stadtgrenzen hinaus verbreitet. Denn Müller will Anwalt der schwächsten Verkehrsteilnehmer sein, will die Not von Fußgängern, Müttern mit Kinderwagen oder Senioren mit Rollatoren beenden, die in der Enge des Städtchens wegen Gehweh-Parkern dann und wann den gefährlichen Umweg über die Straße nehmen müssen. Und er weiß dabei das Gesetz auf seiner Seite, das gerade für dieses Delikt in der jüngeren Vergangenheit deutlich verschärft worden ist.
Auf der anderen Seite stören sich Vertreter der Stadt, namentlich Beigeordneter Heinrich Schreck, daran, dass Müller und seine Mannen sehr schnell zur Hand sind mit Strafzetteln für die Park-Rowdies. Sie sorgen sich um das Image des Einkaufsstädtchens Lauterecken, bevorzugen die freundliche Ansprache anstelle der harten Penunzen, die der Sünder gleich zahlen soll.
VG-Dienstauto auf dem Gehweg
Dieser Disput hat in den vergangenen Wochen erkennbar an Fahrt aufgenommen. Und am Donnerstag eine zumindest amüsante neue Variante erhalten. Denn nicht nur bei der RHEINPFALZ gingen gleich mehrfach Fotos in Echtzeit ein, auch Bürgermeister Müller wurde umgehend bedacht mit optischen Beweisen. Motiv all dieser Aufnahmen: ein Dienstfahrzeug der Verbandsgemeindewerke, das in der Lautertalstraße nicht nur vor einer Garage stand, sondern auch noch press mit zwei Rädern auf dem Bürgersteig. Also genau das Delikt, das der oberste Dienstherr der Verwaltung seit Wochen sogar mit eigener Kamera verfolgt.
Angesichts dieser Diskrepanz ist natürlich guter Rat teuer – und zwar für den Verbandsgemeinde-Mitarbeiter, der sein Gefährt so lässlich abgestellt hat. Er habe, sagte Müller, das Foto umgehend an sein Ordnungsamt weitergeleitet. Zwecks Ahndung. Der Mitarbeiter wird also in Kürze hausinterne Post bekommen mit der freundlichen Aufforderung, 55 Euro zu überweisen.
Warten auf ein Selfie
„Wir können ja nicht allen anderen für das Gehweg-Parken ein Protokoll verteilen und uns selbst nicht. Dann würden wir unglaubwürdig“, sagte Müller auf Anfrage und räumte ein, dass er sogar dem Bürgerbus schon einmal einen Strafzettel für unerlaubtes Parken hat ausstellen lassen. Der in Lauterecken nicht ganz unbekannte ehrenamtliche Fahrer zahlte seiner Erinnerung nach ohne großes Murren.
Müller geht sogar noch weiter. „Wenn ich mal aus Unachtsamkeit falsch parke, dann gebe ich mir selbst einen Strafzettel“, versprach er lachend. Und, dass er der RHEINPFALZ davon ein Selfie schicken wird zwecks Dokumentation. Nun warten wir.
Möglichkeiten für Fasnacht
Ohnedies hat die Parkplatz-Protokoll-Posse das Potenzial, in der vielleicht doch noch kommenden Karnevalssaison zum Gassenhauer zu werden. Denn die gestrengen Müllerschen Ordnungshüter sind beileibe nicht nur in Lauterecken aktiv, sondern auch in anderen Orten der Verbandsgemeinde; beispielsweise in Medard, Odenbach und Wolfstein.
„Da werde ich wohl in der Fasnacht einiges zu hören bekommen“, mutmaßt Müller lachend. Will er sich mit Selbstironie für manche Spitze aus der Bütt wappnen, so empfehlen wir einen Cowboydress samt Sheriff-Stern. Und bitte mit Doppelhalfter, so dass rechts und links je ein Strafzettelblock samt Stift anstelle eines Colts Platz findet.