Kreis Kusel Die Heim-Premiere nach dem Feuer
RAMMELSBACH. Rasch das (brandneue!) Trikot übergestreift und die Schuhe angezogen. Dann braust der Tross von der Umkleide aus motorisiert die drei Kilometer hoch zum Spielfeld. Warmlaufen – „danach bleiben wir aber oben“, verspricht Bastian Gras – und der Anpfiff kann ertönen. Besondere Umstände verlangen halt nach pfiffigen Lösungen. Und die Umstände „am Deich“ sind ja bekanntlich nicht die besten: B-Ligist SV Rammelsbach läuft morgen (Anstoß 15) Uhr auf zu Spiel Nummer eins nach dem verheerenden Feuer im Sportheim. Kontrahent in einer sicherlich denkwürdigen Partie ist die Elf des VfR Hundheim-Offenbach-Hinzweiler.
Mitglieder werkeln fleißig im alten Sportheim, wenige Meter neben dem gähnenden Nichts gelegen, an dessen Stelle bis Weihnachten das Domizil des Sportvereins 1945 Rammelsbach aufragte. Die Heimstatt ist bekanntlich eingeäschert, von dem oder den Feuerteufel(n) fehlt weiter jede Spur. Aber: Die (Fußball-)Show muss weitergehen. Zwar ist die in Form einer Nachholbegegnung angesetzte Heimspiel-Premiere neuer (sportheimloser) Zeitrechnung gegen den VfB Reichenbach II vor zwei Wochen noch ins Wasser gefallen. Doch sind die „Hausherren“ vor Wochenfrist wenigstens mit einem Sieg in die Restsaison gestartet. Der 2:1-Derbysieg in Altenglan war schon ein bisschen Balsam auf die Brand-Wunden. „Wir müssen halt improvisieren“, sagt SVR-Spielertrainer Bastian Gras. Zur Pause wird die Mannschaft natürlich nicht zurück zur Kabine gekarrt, die in der Schulturnhalle eingerichtet ist. Ein Zelt soll gegebenenfalls die Halbzeitpredigt des einen oder anderen Trainers dämpfen, sollte – kläglicher Leistung wegen – schon während der Pause Feuer unterm Dach sein. Und der Schiri? Muss der in den Wald? „Vielleicht kann der schon ins alte Sportheim. Wir wollen dort ja einen Ausschank einrichten“, schildert Gras, wie man sich in Rammelsbach notdürftig einrichtet. An zündenden Ideen mangelt es nicht. „Jammern hilft ja nichts.“ Genau. Kopf hoch. So will die Heimtruppe morgen denn auch die Auseinandersetzung mit der Elf vom Glan für sich entscheiden. Vor Jahresfrist hatten sich beide Teams mit den Edos und Föbos ein heißes Gerangel um Titel um Relegationsticket geliefert. Eine Weile kämpfte das Quartett um jeden Meter Boden, ehe, die Erdesbacher enteilten – und die Rammelsbacher nicht mehr mitkamen. Erst am letzten Spieltag in letzter Nachspielminute scheiterte der VfR im Fernduell um Platz zwei an der SG Föckelberg-Bosenbach. Jetzt sind die Wacke-Kicker erneut auf Rang vier zu finden. „Ich denke aber, dass die da oben zu stark sind, zu konstant“, sieht Gras keine allzu große Hoffnungsfunken stieben. SV Lauterecken, der SV Ulmet, VfR Reichenbach II - die würden es wohl unter sich ausmachen. „Für uns gilt wieder: Alles hängt davon ab, wie die Mannschaft steht“, blickt der Trainer wie gewohnt mit Besorgnis auf seinen so arg dünnen Kader. Fallen zwei, drei aus, klaffen auch schon Lücken. Eine besonders große tut sich noch drei Wochen lang zwischen den Pfosten auf. Bis Keeper Daniel Gras seine Rotsperre abgebrummt hat, fehlt es am behandschuhten Rückhalt, brennt es oft lichterloh im SVR-Strafraum. Wie die gesamte Spiellogistik, so ist auch die Besetzung im Kasten zurzeit ein reines Provisorium. Momentan muss der etatmäßige Defensiv-Mann Fabian Bäcker in den sauren Apfel beißen und ein andersfarbiges Trikot tragen. Bis auf den gesperrten Gras hat Trainer Gras morgen wohl alle beisammen - „wenn nicht noch was passiert bis Sonntag“, fügt der leidgeprüfte Mittelfeldlenker mit eingebauter Torgefahr noch seufzend an. Grund, tiefste Seufzer entfahren zu lassen, hätte auch Mario Gailing. Dabei hatte der (noch) spielende Coach des VfR geglaubt, mit der Seuchensaison, die vor drei Jahren zum Abstieg geführt hatte, sei alles Pech eingesammelt worden, das ein Team nur finden kann. Jetzt aber sieht es ähnlich schlimm aus: „Wir hatten gehofft, dass in der Winterpause der ein oder andere dazukommt“, sagt Gailing. Denkste: Matthias Schnitzer hat auch nach dreimonatiger Pause noch Kniebeschwerden. Markus Henn ist beim Waldlauf hingepurzelt und hat sich verletzt. Sven Baumbauer wollte kommen – doch sein alter Klub wollte plötzlich Ablösegeld sehen. Florian Schneider verabschiedet sich bald in Ehestand und flittert lange Zeit. Und, und, und. „Die Saison ist praktisch gelaufen. Wir wollen die Runde anständig zu Ende spielen. Und uns auf die Höhepunkte freuen, die noch anstehen. Das ein oder andere Derbys oder Spiele, in denen wir noch eine Rechnung offen haben“, meint Gailing. |cha