Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Der Pflegeaspekt dominiert – Seit drei Jahren gibt es den „Tag des Grabsteins“

Am Eingang der Flurskapelle in Ulmet erinnert ein Grabmal mit Porträtbüsten an den Müller Abraham Drumm (1820-1884) und dessen F
Am Eingang der Flurskapelle in Ulmet erinnert ein Grabmal mit Porträtbüsten an den Müller Abraham Drumm (1820-1884) und dessen Frau Eva Maria (1826-1829).

Vom „Tag des Grabsteins“, der an diesem Samstag zum dritten Mal stattfindet, haben Steinmetze im Kreis Kusel bislang noch nicht gehört. Doch über ihren Eindruck vom Zustand der Friedhöfe in der Region und den Wandel der Bestattungsformen geben die Handwerker Auskunft.

Dass auf vielen Friedhöfen alte Grabstelen und -steine komplett entsorgt seien, bedauert Heinrich Haußmann aus Lauterecken. Der Steinmetzmeister hätte es lieber gesehen, wenn auf den örtlichen Kirchhöfen diese steinernen Zeugnisse erhalten und entlang der Friedhofsmauern platziert worden wären.

Auf den jüdischen Friedhöfen im Kreis und an einigen weiteren Orten haben alte Grabsteine überdauert. Im alten Teil des Friedhofs an der Hirsauer Kapelle bei Offenbach-Hundheim sind sie noch zu entdecken. Die schwarzen Schrifttafeln an den Grabmälern aus Sandstein sind zumeist reich verziert mit Ährengebinden, einem Porträt oder der Aufschrift „Ruhe Sanft!“ sowie „Hier ruht in Gott“.

Auch bei der Ulmeter Flurskapelle befinden sich vereinzelt noch Grabmäler aus dem 19. Jahrhundert. So erinnert neben dem Eingang der Kirche ein Grabmal mit Porträtbüsten an den Müller Abraham Drumm (1820-1884) und dessen Frau Eva Maria (1826-1829). Und an der Nordseite des Sakralbaus erinnert eine Gedenktafel an die vier gefallenen Soldaten aus dem deutsch-französischen Krieg vor 150 Jahren.

Überregulierung beklagt

Bei der Friedhofsgestaltung dominiere heute meist der Aspekt der leichten Pflege und Entsorgung, beobachtet Haußmann. Nach 30 Jahren könnten die in Reih’ und Glied angelegten Grabstätten problemlos abgeräumt werden.

Wie Haußmann beklagt auch Cornelia Müller, die eine Bildhauerei in Kusel führt, die Überregulierung des Friedhofwesens durch die Kommunen. So werde etwa im benachbarten Oberkirchen vorgeschrieben, welche Größe Inschriften und Ornamente auf Grabsteinen oder Platten haben dürfen. Auch hat sie wenig Verständnis dafür, dass es in manchen Orten etwa untersagt ist, verstorbene Eheleute im Doppelgrab beizusetzen oder Nutzungsrechte für Familiengrabstätten zu verlängern. Mit Platzmangel ließen sich diese Vorschriften jedenfalls kaum begründen, denn wegen des Trends zu kleinen Urnengräbern oder -wänden gebe es viele Flächen auf den meisten Friedhöfen, die nicht mehr belegt werden. Die Auswahl von Grabsteinen und die Gestaltung der Gräber sei stark der Mode unterworfen und der Zeit geschuldet, sagen die Steinmetze übereinstimmend.

Bernd Klewes, seit 20 Jahren Inhaber eines Bildhauerbetriebs in Waldmohr, kritisiert Missstände auf Friedhöfen, für deren Behebung die Kommunen zuständig sind. Baufällige Treppen, verwitterte Stufen, lockere Wegeplatten, schlecht befestigte Seitenwege – für die meist älteren Friedhofsbesucher seien dies Stolperfallen, und damit werde der Zugang zu Gräbern erschwert. Davon gingen größere Gefahren aus als von Grabsteinen, deren Standfestigkeit die Kommunen regelmäßig überprüfen lassen, ist Klewes überzeugt. Diese Prüfung erfolge zudem wenig sachgemäß und bewirke mitunter, dass sich Dübel lösten, beobachten die Handwerker.

Was von ihnen ebenfalls bemängelt wird, ist eine Entwicklung, wonach Gemeinden immer öfter Aufgaben übernehmen, die eigentlich Sache der Steinmetzbetriebe sind: Räumung von Grabstätten und Beschaffung sowie Verlegung von schuhschachtelgroßen Platten auf Wiesenurnengräber.

Auszeichnung für Grabsteine

Die Initiative für den Tag des Grabsteins startete vor drei Jahren der fränkische Steinmetz und Grabstein-Händler Alexander Hanel. Der Erfinder des „Grabstein-Tags“ ist ein rühriger Mittelständler aus Franken, der Grabsteine mit Swarovski-Steinen verziert. Er lancierte mit seiner Firma Stein Hanel GmbH ein erstes „Fashion-Label“ für Grabsteine und erhielt für die Produktlinie „Rokstyle“ mehrere Auszeichnungen.

Bereits verstrichen ist der „Tag des Friedhofes“, der immer am dritten Septemberwochenende seit 2001 veranstaltet wird. Keinen kommerziellen Hintergrund, sondern alte religiöse Wurzeln haben hingegen der Feiertag Allerheiligen (1. November) und der Allerseelentag am 2. November, an dem in katholischen Gegenden traditionell die geschmückten Gräber von Verstorbenen besucht werden.

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