Fußball
Der Käpt’n: Dennis Heß – Der Mann mit dem Torriecher
Seit neun Jahren kickt Dennis Heß nun schon beim SV Hefersweiler. Der im Januar 30 Jahre alt gewordene Kicker wuchs in der Nähe von Frankfurt auf. Als er zehn Jahre alt war, sammelte er bei der TSG Frankfurter Berg seine ersten Fußball-Erfahrungen. Mit 16 verließ er seine Heimat, es ging in die Pfalz. Die Stollenschuhe schnürte er nach einem Jahr Fußballpause zunächst wieder beim SV Dielkirchen, wo er vier Jahre blieb. Danach wechselte er zum SV Hefersweiler. Seine Position ist der Sturm. In der Vergangenheit wurde Heß auch immer mal wieder auf dem Flügel aufgestellt, dort aber auch immer offensiv ausgerichtet. Tore schießen liegt ihm einfach.
In der Saison 2016/2017 kam er auf 35 Saisontore. Für seine Mannschaft war und ist er schon immer einer der Torgaranten. Das zog natürlich auch die Blicke anderer Vereine auf ihn. Ein Wechsel war aber nie eine Option. „Ich bin inzwischen mit dem Verein so verwachsen, da mag ich nicht mehr weg“, erzählt er.
Führungsrolle verändert
Auf dem Platz gibt Heß den Ton an. Durch seine Konstanz und Abgezocktheit vor dem Tor wird er auch vom Team respektiert. Was ihn auszeichnet sei aber auch sein Ehrgeiz. „Ich glaube, jeder merkt mir an, dass ich unbedingt gewinnen will“, erklärt er. Sein Trainer Sascha Michel kann das nur bestätigen. „Er ist ein absoluter Führungsspieler“, erzählt er. „Man merkt ihm den Ehrgeiz zu jedem Zeitpunkt aber auch an“, führt er weiter aus. In der Vergangenheit bereitete ihm das auch Probleme. „Ich wurde praktisch immer verwarnt“, berichtet Heß. Als er sich in der Vergangenheit für eine kurze Zeit als Verteidiger versuchte, sei das zum Scheitern verurteilt gewesen. „Nun ja, ich bin immer etwas zu drangvoll an den Gegner rangegangen, das hat nicht so gut funktioniert“, erklärt er lachend.
Nun trägt er bereits in der dritten Saison die Kapitänsbinde am Arm. Seitdem hat er sich auch selbst als Ziel gesetzt, ruhiger zu werden und habe das auch geschafft. „Ich wollte mehr Vorbild sein und nutze meine Energie nun, um das ganze Team zu motivieren“, kommentiert er. Auch im Training merkt man ihm seine Führungsrolle an. „Wenn es im Training mal um Konditionstraining geht, dann übernehme ich das auch meistens“, berichtet er über seine Abstimmung mit dem Trainer. „Wir reden viel und versuchen es so gut wie möglich zu wuppen“, ergänzt er.
Fußball in der Mittagspause
Heß ist Logistiker bei der Bundeswehr. In der Kaserne in Idar-Oberstein spiele der Fußball auch eine wichtige Rolle. Ein- bis zweimal pro Woche spiele er in der Mittagspause zusammen mit einigen Kollegen, zusätzlich zu drei Trainingseinheiten pro Woche beim SVH. Zudem gebe es ab und an Turniere, bei denen sich sein Team beispielsweise mit dem der Bundespolizei messen kann. „Das ist alles ein super Ausgleich und macht auch einfach Spaß“, erzählt der Wahl-Pfälzer.
Sein SV Hefersweiler steht in der C-Klasse Kusel-Kaiserslautern mit 31 Punkten auf Rang vier. Die Tendenz sei positiv. „Wir waren die letzten Jahre in einer Krise, jetzt geht's wieder bergauf“, erklärt er. Heß berichtet, dass er sich als Ziel gesetzt hat, in seiner aktiven Karriere noch aufzusteigen. „Das wäre mein Höhepunkt und dann würde ich auch aussteigen“, sagt er. Ohne das Ziel erreicht zu haben, möchte er nicht aufhören. „Ich würde auch noch mit 40 um den Aufstieg spielen“, erklärt er lachend.
In dieser Saison geht es ihm aber zunächst darum, eine gewisse Konstanz zu wahren und das Team zu stärken. „Wir kriegen noch ein paar gute junge Spieler. Wir wollen als Mannschaft wachsen und langfristig immer stärker werden“, sagt er. Diese Saison steht auch zum ersten Mal nicht der Kapitän selbst an der Spitze der internen Torjägerliste. Sein Sturmpartner Patrick Sebastian kommt auf stolze 24 Tore. Der Trainer hat im Sommer auf Doppelspitze umgestellt, das scheint gut zu funktionieren. „Wir ergänzen uns gut und es läuft ja auch, das ist das Wichtigste“, analysiert Heß.
Auch ehrenamtlich aktiv
Abseits des Platzes bringt sich Heß ebenfalls in den Verein ein. Seit vier Jahren ist er Spielleiter. Die Organisation des Spielbetriebs, Absprachen mit Schiedsrichtern und Platzmarkierungen sind unter anderem seine Aufgaben. Die Arbeit macht er gerne. „Es macht Spaß und ich werde das auch noch weiter machen“, erzählt er. Seine Position und seinen Einfluss nutzte er während der Corona-Zeit für eine besondere Herzensangelegenheit. Der SV habe immer auf einem Hartplatz gespielt, Heß träumte von einem Rasenplatz. Er kurbelte das Thema an und setzte sich auch durch. „Ich habe das ins Rollen gebracht, geholfen haben am Ende aber alle“, erklärt er. Es war ein großes Projekt, viele Helfer klemmten sich dahinter und ermöglichten den Traum. Nun gibt’s den Rasenplatz, ideale Voraussetzungen für eine weitere gute Zeit.
Die Serie: Der Käpt’n
Sie gelten häufig als verlängerter Arm des Trainers auf dem Platz, übernehmen Verantwortung, setzen sich besonders für ihre Mannschaft ein, auch, wenn es brenzlig wird: die Kapitäne. In der Serie stellen wir die Männer und Frauen mit der Binde am Arm – auch abseits des Rasens – vor.