Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel „Der Glan ist voll mit Flusskrebsen“

Der eingewanderte Signalkrebs stellt ein Problem für die heimische Fauna dar.
Der eingewanderte Signalkrebs stellt ein Problem für die heimische Fauna dar.

So manchem Angler am Glan sind Flusskrebse mittlerweile ein Dorn im Auge. Waren sie einst nur noch vereinzelt im Glan anzutreffen, hat sich ihre Anzahl in den vergangenen Jahren wieder deutlich gesteigert. Viele Angler sprechen gar von einer Plage. Doch nicht die einheimischen Arten sind das Problem.

Viele Angler am Glan kennen die Situation mittlerweile. Der Köder ist ausgebracht, und man wartet auf den Biss eines Fisches. Doch noch bevor der Zielfisch den Köder überhaupt finden kann, ist er längst für andere Tierchen interessant geworden. Die Flusskrebse sind dabei nicht wirklich wählerisch bei der Wahl ihrer Nahrung – selbst Kork oder Gummiteile an der Angelausrüstung werden mit den Scheren in Windeseile zerlegt.

Hat sich so mancher Angler in der Vergangenheit noch über die Sichtung eines Krebses gefreut, weil die Tiere zwischenzeitlich in heimischen Gewässern recht selten geworden waren, ist diese Freude vielerorts mittlerweile längst frustrierten Flüchen gewichen. Denn wo sich die Tiere wohlfühlen, tauchen sie meist in nicht gerade kleiner Anzahl auf. Und das sorgt auch bei anderen Tierarten für Probleme – so zum Beispiel für die Larven der heimischen Libellenarten.

„Wir haben uns im September Reusen zugelegt, die wir seitdem regelmäßig auslegen“, berichtet Lars Gerhard, erster Vorsitzender des ASV St. Julian. „Bis jetzt haben wir schon mehr als 4000 Krebse aus dem Glan geholt“, erzählt der Angler weiter.

Eingewanderte Probleme

„Die Flusskrebs-Population ist extrem angestiegen in den vergangenen Jahren. Der Glan ist voll. Da wurde sowohl von öffentlicher Seite als auch von den Vereinen lange verschlafen, etwas dagegen zu unternehmen“, weiß Rolf Lüdeke, Vorsitzender des Bezirksfischereiverbands Nahe-Glan-Hunsrück des Landesfischereiverbands Rheinland-Pfalz. Doch bei den Krebsen, die sich im Glan tummeln, handelt es sich längst nicht mehr nur um die einheimischen Arten wie den Edelkrebs und den ohnehin seltenen Steinkrebs.

Das bestätigt auch das Landesamt für Umwelt in Rheinland-Pfalz. Auf Anfrage hat die Behörde mitgeteilt, dass nordamerikanische Flusskrebse wie der Signalkrebs oder auch der Kamberkrebs in Rheinland-Pfalz in vielen Landesteilen allgemein weit verbreitet sind. An etwa einem Drittel der untersuchten biologischen Messstellen in Rheinland-Pfalz habe der Signalkrebs nachgewiesen werden können.

Bei Datenerhebungen zur Feststellung des ökologischen Gewässerzustandes habe man erkennen können, dass auch im Glan und seinen Nebenflüssen im Kreis Kusel das Vorkommen des Signalkrebses relativ hoch sei. Auch wenn aus fachlicher Sicht nicht von einer „Plage“ gesprochen werde, können Signalkrebse „in höheren Dichten anzutreffen sein“.

Davon können die Angler am Glan, wie in St. Julian beispielsweise, ein Lied singen. „Bei den Krebsen, die wir seit September aus dem Glan geholt haben, handelte es sich fast ausschließlich um Signalkrebse“, sagt Gerhard.

Ebenso untersucht auch die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd die Verbreitung der Krebse. Mit ähnlichen Ergebnissen: „Leider sind die Bestände der nicht einheimischen Krebsarten hoch bis sehr hoch“, schreibt SGD-Pressesprecherin Nora Schweikert. Dadurch seien unsere einheimischen Krebsarten sehr stark zurückgedrängt und zusätzlich durch die Krankheit Krebspest – einem Pilz, der durch die nicht einheimischen Arten übertragen wird – stellenweise sogar ausgelöscht worden.

Wenig Hoffnung

Was Angler gegen die Überpopulation tun können? Die Krebse so gut es geht aus dem Gewässer fangen. Dabei muss man allerdings beachten, dass nur die invasiven Arten auch tatsächlich entnommen werden dürfen. „Edelkrebse dürfen nicht herausgefangen werden, die müssen wieder eingesetzt werden, wenn sie in den Reusen landen“, erklärt Lüdeke. „Aber Edelkrebse findet man ohnehin kaum noch, weil die invasiven Arten ihnen kaum noch eine Überlebenschance lassen.“

Die eingewanderten Arten dürfen von den Angelvereinen und Gewässerpächtern das ganze Jahr über aus den Gewässern gefischt werden – einen Schutzstatus mit Schonzeit und Schonmaß über das Landesfischereigesetz besteht für diese Arten laut SGD nicht. Doch ob es gelingen kann, der Lage noch einmal Herr zu werden, da ist auch Lüdeke skeptisch. Denn die Tierchen scheinen offenbar einen ausgeprägten Überlebensinstinkt zu besitzen.

„Den Bestand jetzt noch einzudämmen, ist nahezu unmöglich. Das Problem dabei ist auch, dass die Krebse sich stärker vermehren, je mehr Exemplare wir aus den Gewässern holen. Die haben einen Instinkt dafür und pflanzen sich dann umso stärker fort, je mehr die Population abnimmt“, berichtet der Vorsitzende des Bezirksfischereiverbands.

Lüdeke und Gerhard sind sich aber einig, dass vereinzelte Aktionen nicht zum Ziel führen werden, sondern es vielmehr eine koordinierte Aktion bräuchte. „Da müssten alle Vereine mitmachen – und auch der Verband ist da gefragt, das zu koordinieren und die Vereine auch finanziell zu unterstützen“, fordert Gerhard.

Info

Wer mehr über Flusskrebse, die einzelnen Arten und Unterscheidungsmerkmale erfahren will, der findet im Internet zum Beispiel die Broschüre „Flusskrebse in Rheinland-Pfalz“, des Landesamtes für Umwelt.
Ein Signalkrebs aus dem Glan bei St. Julian.
Ein Signalkrebs aus dem Glan bei St. Julian.
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