Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Das Westpfalz-Klinikum geprägt: Ruhestand für Anästhesie-Chefarzt Ulrich Korell

So kennen Patienten und Mitarbeiter Ulrich Korell: Den weißen Kittel legt der 66-Jährige nun ab, der das Westpfalz-Klinikum in K
So kennen Patienten und Mitarbeiter Ulrich Korell: Den weißen Kittel legt der 66-Jährige nun ab, der das Westpfalz-Klinikum in Kusel entscheidend geprägt hat.

Ein Urgestein des Westpfalz-Klinikums geht in Rente: Anästhesie-Chefarzt Ulrich Korell hat am Standort Kusel eine moderne Intensivstation aufgebaut und sich jüngst in der Covid-Behandlung engagiert. Er betont, wie sehr sich seit seinem Berufseintritt die Möglichkeiten der Narkose und damit Überlebenschancen verbessert haben.

„Es geht irgendwie ein Teil unseres Klinikums“, sagte Geschäftsführer Thorsten Hemmer am Freitag bei der Verabschiedung von Ulrich Korell in den Ruhestand. Als „Verkörperung des Westpfalz-Klinikums“ bezeichnete er den ehemaligen Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin, der er kennengelernt hatte, als Korell noch junger Oberarzt in Kaiserslautern war.

1984 trat „das Urgestein des Westpfalz-Klinikums“ seinen Dienst noch im früheren städtischen Krankenhaus Kaiserslautern an. Er wechselte nach der Fusion im Jahr 1999 ins ehemalige Evangelische Krankenhaus Kusel, wo er wenige Jahre später Chefarzt der Anästhesie wurde. Bereits in Kaiserslautern war er am Aufbau der Intensivstation beteiligt gewesen, richtete 2000 und 2015 Intensivstationen auch in Kusel ein – auf einem Stand, der für ein solch kleines Krankenhaus unüblich hoch sei, betonte Chefarzt-Kollege Harald Dinges. Landrat Ott Rubly betonte: „Koryphäen wie Sie sind wichtig, sie sind die Pfeiler und Anker im Krankenhaus, um die sich andere drumherum bilden können.“

Kusel als internationales Referenzhaus

Doch das war längst nicht alles, was Korell in all den Jahren am Westpfalz-Klinikum erreicht hat. Als junger Oberarzt war er dabei, als ein Herztransplantationsprogramm in Kaiserslautern aufgebaut wurde. Er etablierte das ambulante Operationszentrum nach dem Wegfall der Gynäkologie in Kusel – „davon haben alle profitiert“, hob Orthopäde Dinges hervor. Er blickte auf 24 Jahre Zusammenarbeit zurück.

Korells digitale und technische Affinität hoben die Redner hervor: Kusel sei mit der bereits im Jahr 2000 vom Anästhesisten federführend eingeführten elektronischen Dokumentation Referenzhaus geworden, internationale Gäste hätten sich darüber informiert, blickte Korell selbst zurück. Bei der Organisation der Logistik im Haus und im OP seien die Kooperationen mit Universitäten in Kaiserslautern, Trier und Saarbrücken hilfreich gewesen.

Korell, der in Bochum geboren wurde, in Ludwigshafen aufwuchs und in Homburg studierte, bezeichnete sich selbst als Chefarzt der dritten Generation in der Anästhesie. Er blickte auf die rasanten Entwicklungen dieses jungen medizinischen Fachs zurück, seit in den 1960er Jahren die ersten Anästhesie-Abteilungen an deutschen Krankenhäusern eingerichtet wurden. „Als ich 1984 mit der Anästhesie begonnen habe, durfte ich noch die Gründerväter kennenlernen“, sagte Korell.

Anästhesie als Basis für chirurgische Möglichkeiten

Der Einführung der Facharztausbildung war die Weiterbildung von spezialisiertem Pflegepersonal gefolgt, dessen Bedeutung im Team Korell hervorhob. Seitdem sind die Möglichkeiten von Technik und Medikamenten deutlich verbessert und erweitert worden, das Narkoserisiko sank drastisch. „Das hat auch ermöglicht, dass sich so ein breites und sicheres chirurgisches Spektrum, wie wir es heute haben, entwickeln konnte“, betonte Korell. Schränkte aber ein: „In der entwickelte Welt.“ Zu diesem sorgenvollen Blick auf die ungleiche Verteilung der ärztlichen Versorgung in der Welt passt sein Wunsch an die Kollegen, an Ärzte ohne Grenzen zu spenden, statt ein Abschiedsgeschenk zu kaufen.

Die Intensivbehandlung sei in der Pandemie zwar häufig Thema gewesen, sagte der Anästhesist. Doch „auch nach Corona wird das, was auf Intensivstationen geleistet wird, kaum gesehen“. Dabei müsse der Fokus zukünftig auf die Lebensqualität danach, unter anderem die Schmerztherapie, gerichtet werden, betonte Korell: „Post-Covid ist nur ein kleines Beispiel, Patienten kommen in einem ähnlich schlechten Zustand aus der Intensivstation raus wie nach einer schweren Sepsis oder ähnlichem.“ Für die Behandlung von Corona-Patienten hatte er sich engagiert, war dazu auch Ansprechpartnern in der RHEINPFALZ-Telefonsprechstunde.

Drängendes Problem Fachkräftemangel

Was ihm Sorgen bereitet: Steigendem Bedarf stünde eine zunehmend knappe Zahl an Anästhesisten und Fach-Pflegepersonal entgegen. „Das Problem wird immer drängender, ausreichend Ärzte für die vielfältigen Aufgaben der Anästhesie zu finden.“

Dabei hoffe er auf die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen trotz Engpässen – schließlich habe seine Work-Life-Balance in den vergangenen Jahrzehnten oftmals ohne Life stattgefunden. Für deren Verständnis dankte er seiner Frau und seinen Kindern.

Der Nachfolger von Ulrich Korell hat bereits seinen Dienst angetreten: Der Anästhesist Marco Werth ist aus St. Wendel nach Kusel gekommen.

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