Kusel Das Westpfälzische Sinfonieorchester spielt Mozart
Bei seinen jährlichen Serenadenkonzerten hat der Musikverein Kusel wirklich Glück: Auch am Samstag herrschte schönste Sommerstimmung in der reizvollen Kulisse von Burg Lichtenberg. Die musikalische Kost war mit einem reinen Mozart-Programm für die Ohren nicht zu anspruchsvoll, aber dafür umso inspirierender. Höhepunkt war im zweiten Teil ein Spätwerk Mozarts, die Sinfonie Nr. 38 in D-Dur.
Das Werk das Mozart 1786 komponierte, ist als „Prager Sinfonie“ bekannt, wurde sie dort doch uraufgeführt. Der erste langsame Satz wirkt durch den Einsatz der Pauken leicht dramatisch, das eingängige Thema ist durchgängig motivisch dicht und erreicht dank der konzentrierten Spielweise des Orchesters große Tiefe und Ausdruckskraft. Nur drei Sätze hat Mozart für seine Sinfonie vorgesehen – charakteristisch für dieses Werk ist das fehlende Menuett. Dennoch sind elegante, tänzerische Elemente integriert.
Candea folgt auf Germain
Gastdirigent Laurentiu Candea gab sich bei seiner Premiere mit dem Musikverein Kusel ein gelungenes Entrée. Nicht wenige Besucher waren neugierig, wie der Neue sich macht, nachdem der bisherige Dirigent Thomas Germain mit Ankunft in den Ruhestand das regelmäßige Engagement im Westpfälzischen Sinfonieorchester aufgegeben hatte. Candea, der das Orchester bereits durch sein Mitwirken als Geiger kennt, war in der Dirigentenrolle stets präsent, konzentriert und auf dem Punkt. Dem aus Rumänien stammende Musiker, der in Bad Kreuznach auch das Collegium Musicale leitet, war deutlich anzusehen, wie viel Freude er an der gelungenen Aufführung hatte.
Zuvor überzeugte Solist Youri Rizov in Mozarts Hornkonzert Nr. 3 in Es-Dur. Das rhythmisch anspruchsvolle Werk besticht unter anderem durch reichen Bläserklang. Mozart schrieb es, wie weitere Konzerte auch, für seinen Salzburger Bekannten Johann Leutgeb. Charakteristisch sind eine träumerische Romanze und ein dem Soloinstrument angemessenes Jagdfinale.
Einlage mit Naturhorn
„So schön wie heute war es nicht immer“, bemerkte Cellist Dietmar Warkus, der die Veranstaltung moderierte. Zur Belustigung der Besucher imitierte er zeitweise den Wiener Dialekt. Zudem ließ er Rizov in der Pause ein traditionelles Naturhorn vorführen, bei dem statt der Ventile die Hand im Trichter die Klänge formt. Noch vor der Konzertpause gab es eine erste Zugabe aus dem 2. Satz von Mozarts ersten Hornkonzert.
Besonders schön und schwungvoll akzentuiert spielte das rund 30 Mitglieder zählende Orchester zum Auftakt die Ouvertüre zur Oper „Mitridate, re di Ponto“, die Mozart mit 24 Jahren während einer Italienreise komponierte, und in der er sich mit dramatischen Themen wie Macht, Liebe und Tod auseinandersetzt.
Große Spielfreude
Bevor die Besucher des Serenadenkonzerts in den lauen Sommerabend entlassen wurden, kamen sie in den Genuss des vierten Satzes aus Mozarts „Posthornserenade“. In dieser anspruchsvollen Zugabe übernehmen insbesondere Oboe, Flöte und Fagott tragende Rollen, die mit reichlich Spielfreude dargeboten wurden.
Auch, wenn der Musikverein noch immer nach einem neuen, festen Dirigenten sucht, die nächsten Konzerte sind schon geplant. Und Candea verrät mit einem Lächeln: „Wenn ich gefragt werde, komme ich auch gerne wieder.“