Lauterecken Das Klenke Ensemble eröffnet neue Veranstaltungsreihe im Schloss
Das 1991 gegründete und mittlerweile international renommierte Klenke Ensemble bestreitet zwei eigene Konzertreihen, gastiert bei vielen internationalen Veranstaltungen und konnte auch hier bei Streichquartetten von Haydn, Ligeti und Mendelssohn Bartholdy die hohen Erwartungen erfüllen. Dennoch zeigten sich nach verspätetem Beginn einige Punkte auf, die diskutiert werden können.
Denn eine lobenswerte Idee bekam einen Dämpfer: In den hinteren Reihen war die Moderation kaum verständlich, viele Besucher tappten ohne Programmzettel mit den Angaben zu den Stücken (und dadurch auch fehlende Satzangaben) im Dunkeln und störten durch Zwischenapplaus ebenso den Ablauf wie die rührigen Hände, die während des Konzertes eifrig kulinarische Kostbarkeiten herbeitrugen. Kurzum: Es fehlte an den grundlegenden Informationen, die es normalerweise bei einem Konzert gibt.
Spielerische Eleganz
Für Annegret Klenke und Beate Hartmann (1. und 2. Violine) sowie Yvonne Uhlemann (Bratsche) und Ruth Kaltenhäuser (Violoncello) bedeutete dieser hektische Aktionismus ebenso wie weitere, vielfach ungünstige Rahmenbedingungen eine zusätzliche Herausforderung, die sie aber letztlich souverän meisterten.
Der flache und langgezogene Gewölbekeller hat es bei solch dichter Besetzung akustisch in sich, er schluckt mehr als er preisgibt. Das war für diese hochsensible Saitenmusik keine Hilfe, sondern eher ein Hemmschuh. Ohne entsprechendes Podest – sozusagen im Bad der Menge – wäre das heikle Unterfangen für andere Protagonisten vielleicht schwierig geworden. Das Klenke-Quartett ging die Vortragsfolge mit Haydn dagegen in gewohnter spielerischer Eleganz und Brillanz an und versuchte gar nicht erst, mit kraftvoller Tongebung und breiterem Strich dieses Manko auszugleichen.
Dezenter Vortragsstil
Es blieb bei dem dezenten Vortragsstil, der das Quartett auszeichnet: filigran, subtil und fein ziseliert in den melodischen Linien, nuanciert in der Dynamik und eher verhalten im Ausreizen von Kontrasten. Eindeutige Stärken offenbarten sich im nahtlosen akkuraten Zusammenspiel, das sich bei jedem Einsatz und im weiteren Verlauf der Stimmen bewährte.
Klassiker wie Haydn haben es in sich: Hinter vermeintlich gefälligen Spielfiguren stecken virtuose Läufe, in aufsteigenden Terzen etwa. Melodische Spannungsbögen bei kantablen Passagen erfordern eine Bogenführung, die die Spannung hält, ja steigert, was hier immer der Fall war. So wurde Haydn trotz der Begleitumstände zum Erlebnis.
Raum schluckt klangliche Finessen
Dagegen war György Ligeti für diesen Anlass und Rahmen diskussionswürdig. Sein Streichquartett spielt mit klanglichen Wirkungen (und weniger mit melodischen Finessen), was in diesem Raum nicht immer zur Geltung kam. Pianissimo-Töne gingen im Gemurmel unter, dagegen blieben schroffe Kontraste und eruptive Klangwirkungen blass, verfehlten etwas das Ziel einer publikumswirksamen Präsentation. Das führte zur Grundsatzfrage nach der Programmgestaltung, wenn die Rahmenbedingungen von den Hörgewohnheiten deutlich abweichen.
Besser eignete sich dagegen das Mendelssohn-Quartett und bei allen Programmpunkten war die herausragende Klasse des Quartetts unbestritten. Da offenbarte sich ein Konsens in allen interpretatorischen Belangen wie Klangkultur, spielerische Akkuratesse und ausgeklügelte dynamische wie agogische Gestaltung bei einheitlicher, homogener Phrasierung. Ob ein kraftvoller klingendes Bläserensemble mehr Wirkung erzielen könnte, darf dennoch weiterhin thematisiert werden.