Kreis Kusel Choreografien zum Chorgesang

Singen und Bewegung als Einheit: Musikantenlandpreisträger Martin Folz (rechts) und die Tänzerin Mareike Franz gestalteten den W
Singen und Bewegung als Einheit: Musikantenlandpreisträger Martin Folz (rechts) und die Tänzerin Mareike Franz gestalteten den Workshop auf Burg Lichtenberg.

Es war der bisher am besten besuchte Fasnachtsworkshop von Martin Folz auf Burg Lichtenberg. In Kooperation mit der Tänzerin Mareike Franz widmete sich der Musikantenlandpreisträger von Freitag bis Sonntag dem Thema „Chor und Bewegung“. 34 Teilnehmer im Alter von elf bis 70 plus kamen – und waren begeistert.

Samstagmittag in der Zehntscheune. Halbzeit im Workshop für Chorenthusiasten, der dieses Mal um den Tanz erweitert ist. Das Programm ist straff, Alt, Sopran und Tenor üben das dritte von sieben Stücken ein. „Irish Blessing“ heißt es, irischer Segen – gute Wünsche für einen, der auszieht und hoffentlich mal wieder kommt. Er habe nicht allzu schwierige Literatur ausgewählt, erzählt Folz. Dennoch: Das Segenslied ist schon ein bisschen komplexer, nicht ohne Tücken im Einstieg, mit Höhen und Stimmungen, die ausgedrückt werden wollen. „Können wir probieren, dass wir ganz demokratisch mein Tempo ... ?“, stellt der Meister in den Raum. Er erntet Gelächter. Die Teilnehmer, allesamt routinierte Chorsänger, lieben ihn für seine humorvoll-lockere und gleichwohl fachlich sitzende Anleitung. Die Fasnachtsworkshops auf Burg Lichtenberg bietet der Musikantenlandpreisträger regelmäßig an. Dieses Mal mit Unterstützung: „Dargestellte Chormusik“ heißt das Ziel. Für die Darstellung ist Mareike Franz vor Ort. Die freiberufliche Tänzerin, die sechs Jahre als Gast bei Pina Bausch und in Trier fest im Ensemble von Susanne Linke getanzt hat, hat einfache Choreografien entwickelt; keine Tänze im eigentlichen Sinn, sondern Bewegungen, die den Inhalt jedes Liedes versinnbildlichen, fließend leicht auch durch steifere Körper gehen und die Sinne der Sänger wie der Beobachter öffnen. Das ist nicht nur schön anzusehen. „Der Gesang verbessert sich“, betont Folz. Ein Abschlusskonzert gibt es nicht. „Wir wollen den Freiraum bieten, Tanz und Gesang auszuprobieren ohne den Druck, zu einem bestimmten Zeitpunkt auftrittsreif zu sein.“ Der Ansatz, von Freitagabend bis Sonntagnachmittag Gesang und Bewegung zu kombinieren, hat 34 Enthusiasten angelockt. Die Strahlkraft reicht weit über den Kreis Kusel hinaus. In Patersbach in der Ferienwohnung Köhler-Cußler übernachtet anlässlich des Workshops eine Sangesgruppe aus dem Rhein-Main-Gebiet. Man komme öfter zum Wandern in die Gegend und sei von Burg Lichtenberg ebenso begeistert wie vom Singen, heißt es. Aus Meisenheim kommen Barbara Bickelmann und ihr Mann Michael Benner-Bickelmann. Beide machen in verschiedenen Bands Musik, bei „Vier Leit“ beispielsweise, er als Schlagzeuger, sie auch am Gesang. Rhythmus und Stimme zusammenzubringen unter professioneller Anleitung sei reizvoll, sagen sie. Als der Rohbau des Segensliedes sitzt, ist Zeit fürs Mittagessen in der Jugendherberge. Beim Linseneintopf entspinnen sich Gespräche. „Es ist ein Projekt, was ich immer schon mal machen wollte“, erzählt Birgit Schnorr aus Kusel, was sie trotz Fasnacht auf die Burg gebracht hat. „Und es ist ganz toll.“ Schnorr singt im Jazzchor „So what“ der Musikschule Kuseler Musikantenland. „Wir versuchen dort auch, Bewegung und Gesang zusammenzubringen. Aber es hakt immer noch ein bisschen.“ Helge Baer aus Blieskastel hat ihre musikalische Heimat im Westricher Madrigalchor in Waldmohr gefunden. „Singen und Tanz zusammenzuführen, war das Interessante“, sagt die 77-Jährige. „Man will ja mal was Neues ausprobieren.“ Das Konzept lasse sich aber wohl nicht auf jeden Chor übertragen: „Es müssen alle bereit sein und alle es können.“ In der Zehntscheune singen indes nicht nur Amateure. Klaus Peter Böshar von der gleichnamigen privaten Kuseler Musikschule hat sich, gemeinsam mit Enkel Max, ebenfalls auf die Burg aufgemacht. Es ist nicht der erste Folz-Workshop, den Böshar „aus professionellem Interesse“ mitmacht. Er habe von früheren Veranstaltungen mit dem Musikantenlandpreisträger viel profitiert fürs Singen mit Kindern, sagt er. Dieses Mal erhofft er sich Anstöße, die Bühnenpräsenz des Jugendchors zu verbessern. „Mareike hat eine enorme Präsenz, schon wenn sie nur vor uns steht. Wenn ich davon nur ein bisschen mitnehmen kann, würde das viel helfen.“ Und Herbert Runge aus Wiesbaden ergänzt: „Mareike und Martin sind eben zwei Könner, die ihr Fach lieben. Das macht den Workshop so toll.“

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