Kusel / Kaiserslautern
Chancen für Tourismus in der Pfalz untersucht: „Der Riese schlummert noch“
Wie viel Geld bringt der Tourismus in die Pfalz? Auf diese Frage habe es bisher keine konkrete Antwort gegeben, schildert Arne Schwöbel vom Verein Zukunftsregion Westpfalz mit Sitz in Kaiserslautern. Gemeinsam mit der Industrie und Handelskammer (IHK) für die Pfalz und der touristischen Regionalagentur, der Pfalz.Touristik, sollte dem Tourismus in der Region ein Preisschild angeheftet werden.
Das Ergebnis: Rund 2,2 Milliarden Euro Gesamtumsatz brachten Touristen 2019 in die Pfalz, berichtet Lars Bengsch, Geschäftsführer der dwif-Consulting, die die Studie im vergangenen Jahr erstellt hat. Da die von der Pandemie geprägten Jahre 2020 und 2021 nicht repräsentativ seien, beruhe die Studie auf Daten aus dem Referenzjahr 2019 – mit der Hoffnung, dass der Tourismus in den kommenden Jahren dort anknüpfen werde, wo er vor Corona gestanden habe.
Grundlage der bisherigen Schätzungen seien vor allem die Übernachtungszahlen im gewerblichen Bereich gewesen, doch das erfasse das Thema bei weitem nicht vollständig, betont Bengsch. Denn zu diesen rund sieben Millionen Übernachtungen kämen mehr als vier Millionen private Übernachtungen bei Verwandten oder Freunden hinzu. Auch diese Gäste geben vor Ort Geld aus. Den größten Anteil am Umsatz stellten jedoch mit zwei Dritteln die Tagesausflüge.
Vor allem Handel profitiert
Die meisten der Tagesausflüge – 47 Prozent – fänden am Wochenende statt, schlüsselt Bengsch die Ergebnisse auf. 82 Prozent der Besucher seien mit dem eigenen Auto angereist, der Radius betrage im Schnitt knapp 50 Kilometer einfache Wegstrecke. „Es lässt sich keine saisonale Spitze ausmachen, die Tagesausflüge finden auch im Winter statt“, so Bengsch.
Während Tagestouristen im Schnitt knapp 25 Euro pro Kopf ausgaben, seien es bei den gewerblichen Übernachtungsgästen 125 Euro gewesen. Dieses Geld komme mehreren Branchen zu Gute, an der Spitze liege mit 946 Millionen Euro das Gastgewerbe, an zweiter Stelle stehe mit rund 862 Millionen Euro Einnahmen der Einzelhandel, während der Tourismus den Dienstleistern knapp 420 Millionen Euro in die Kasse bringt. „Gerade von den Tagesgästen profitiert vor allem der Einzelhandel“, so Bengsch.
In der Pfalz stelle der Tourismus einen Anteil von 2,6 Prozent an den Primäreinnahmen und sichere so ortsgebundene Arbeitsplätze. Wie viele genau das sind, lasse sich schwer sagen. Beim Vergleich mit anderen Regionen wie dem Harz, der Eifel und dem Bayerischen Wald stehe die Pfalz als Ganzes durchaus gut da: Mit knapp 60 Millionen Tagesgästen liege sie sogar deutlich an der Spitze. Auch mit dem Bruttoumsatz von 2,2 Milliarden halte sie dem Vergleich stand. Dennoch: Die Pfalz sei touristisch betrachtet ein schlafender Riese, resümiert Bengsch.
Und was wird jetzt mit den Zahlen gemacht? Die Studie könne der politischen Ebene als Entscheidungsgrundlage dienen, da sich nun konkret zeigen lasse, wie sich der Tourismus auf die wirtschaftliche Entwicklung der Pfalz auswirke, sagt Tobias Kauf von der Pfalz.Touristik. Die Studie sei für etliche Städte und Verbandsgemeinden heruntergebrochen worden, was vor Ort eine Einschätzung der eigenen Situation ermögliche.
Der Fachkräftemangel bremst
Aus Sicht der IHK stelle sich die Aufgabe, gerade jetzt für die Region als Urlaubsziel zu werben, betonen Justine Markisch und Anna Königstein von der Kammer. Die Menschen hätten während der Pandemie das Reisen neu entdeckt, Urlaub im eigenen Land stehe hoch im Kurs – hier könne die Region einiges bieten.
Ein Problem, das sich nicht allein durch Werbung lösen lassen, sei der Fachkräftemangel, der das Gastgewerbe und die Gastronomie derzeit stark treffe, so Alf Schulz, Vizepräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Rheinland-Pfalz.
Mit welchen Widrigkeiten die Städte in Sachen Tourismus zu kämpfen habe, erklärt Rolf Schlicher, Geschäftsführer von Pirmasens Marketing, bei der Präsentation der Studienergebnisse auf dem Bremerhof in Kaiserslautern. So gelten Investitionen in den Tourismus als freiwillige Leistung einer Stadt, die von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion eingefroren werden können. „Tourismus müsste eine Pflichtaufgabe sein“, ist Schlicher überzeugt und erhofft sich von der Studie ein deutliches Zeichen in Richtung Landespolitik.
Zahlen und Fakten zum Tourismus im Kreis Kusel
Im Landkreis Kusel gab es im Jahr 2019 laut dwif-Studie 1,6 Millionen Tagesreisen und rund 240.000 Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben. In Summe generierte der Tourismus einen Bruttoumsatz von 42,3 Millionen Euro, wovon 66,6 Prozent von den Tagesreisen stammen, knapp 18 Prozent aus den betrieblichen Übernachtungen, sieben Prozent von Gästen, die privat übernachtet haben und etwa acht Prozent von Campern. Auf das Gastgewerbe entfielen vom Gesamtumsatz 47,5 Prozent (20,1 Million Euro), auf den Einzelhandel 34,5 Prozent (14,6 Millionen Euro) und auf Dienstleister 18 Prozent (7,6 Millionen Euro).