Lauterecken RHEINPFALZ Plus Artikel Cellpack investiert für Zukunft in Lauterecken

Die neue Verpackungsautomation: Über Bänder und Drehteller werden die Rollen transportiert und vom orangefarbenen Kran auf Palet
Die neue Verpackungsautomation: Über Bänder und Drehteller werden die Rollen transportiert und vom orangefarbenen Kran auf Paletten sortiert.

Seit vergangenem Jahr und bis ins nächste hinein tut sich viel beim Folienbedrucker Cellpack in Lauterecken. Investitionen im hohen einstelligen Millionenbetrag werden getätigt – der Betrieb hat sich aus der schwierigen Situation vor Corona heraus gekämpft.

Wer die Hallen von Cellpack betritt (mit Kittel und Haube sowie ohne Schmuck) trifft vom Foyer aus kommend direkt auf die neue Anlage. Die Verpackungsautomation mit ihren Bändern, Drehtischen und dem orangefarbenen Kran am Ende ist nur mit einigen Rundgängen zu erfassen, ist sie doch etwa auf einer Fläche von einer gängigen Vier-Zimmer-Wohnung aufgestellt. Mit fünf Gelenken kann der Kran auf engstem Raum manövrieren und schwere Rollen auf Paletten heben.

Die Schneidemaschine wird eingerichtet: Hier werden die bedruckten Folien auf Verpackungsbreite geschnitten und aufgewickelt.
Die Schneidemaschine wird eingerichtet: Hier werden die bedruckten Folien auf Verpackungsbreite geschnitten und aufgewickelt.

Testläufe und Schulungen für die Anlage italienischer Produktion hat es bereits gegeben, doch müssen die aufgerollten Folien für Schokoladen, Schinken, Kautabak oder auch Seifen derzeit noch per Hand – mit Hilfsgeräten – auf Paletten gepackt, etikettiert und umwickelt werden. Es gibt Lieferschwierigkeiten für ein Kommunikationsmodul, das Etikettendrucker so etwa in der Mitte und am Ende der Anlage ansteuert.

Umfirmierung zu BBC Cellpack Packaging

Die meisten der Cellpack-Kunden sitzen in Mittel- und Osteuropa, in Deutschland, Belgien, den Niederlanden, aber es wird auch Folienverpackung für Obst und Gemüse zu einem Kunden nach Mexiko geliefert. Fast jeder wird schon einmal eine Verpackung in der Hand gehabt haben, die hier ihren Aufdruck bekommen hat: Nudeln, Schinken, Schokolade, Kautabak. 46 Prozent der Folien aus Lauterecken umhüllen Süßwaren, nur zehn Prozent sind für Non-Food-Artikel wie Seifen vorgesehen.

„Wir sehen hier definitiv die Zukunft und das Potenzial“, sagt Standortleiter Jens Zobel beim Rundgang. „Wir haben es geschafft, Investitionen anzustoßen.“ Die Investitionen der Jahre 2021, 2022 und 2023 beziffert Prokurist Heiko Jung auf einen „hohen einstelligen Millionenbetrag“. Die größte neue Anlage ist die Verpackungsautomation, deren Planung viel Zeit und Grips erforderte. „Bei der Verpackungsautomation gibt es keinen Standard“, erklärt Zobel. Die erste Sitzung dafür habe „noch vor meiner“ Zeit stattgefunden: Er ist seit Oktober 2020 in Lauterecken.

Standortleiter Jens Zobel (rechts) und Prokurist Heiko Jung an der im Foyer ausgestellten historischen Druckmaschine.
Standortleiter Jens Zobel (rechts) und Prokurist Heiko Jung an der im Foyer ausgestellten historischen Druckmaschine.

Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen die Umfirmierung zur BBC Cellpack Packaging Lauterecken GmbH vorgenommen – von vorher Cellpack Lauterecken. Deutlich ist nun die Zugehörigkeit zur Schweizer Mutter, der BBC-Gruppe zu erkennen. Die Lauterecker arbeiten im Verbund mit zwei Schwesterunternehmen, die auch Verpackungen vor allem für Lebensmittel herstellen, in Langgöns (Hessen) und Illfurth (Frankreich, Elsass).

Weitere Stempeldruckanlage bestellt

In einer weiteren Halle wurde vor zwei Monaten eine alte Maschine abgebaut. Nun laufen die Vorarbeiten, um dort direkt neben der etwa 35 Meter langen Tiefdruck-Anlage ein neues Regalsystem einzubauen – Stichwort kurze Wege. Etwa 3500 große, schwere Zylinder mit Motiven für Kunden müssen aufbewahrt werden. An der Druckmaschine wurde ein neues Fehlerbeobachtungssystem eingebaut. Mit einigen Ergänzungen soll sie „noch locker zehn bis 20 Jahre“ ihren Dienst tun.

Eine neue Stempeldruckanlage ist bestellt. Die 28 Meter lange Maschine soll voraussichtlich im November 2023 parallel zur bestehenden Anlage die Arbeit aufnehmen. Die Zukunft sieht Zobel in diesem Flexodruck, dem Hochdruck. Die dafür benötigten Kautschuckplatten sind innerhalb eines Tages herzustellen – Tiefdruckzylinder brauchen drei bis vier Monate.

Stillstandszeiten verringern

Vom Druck geht es zur Kaschierung, wo mehrere Folien aufeinandergeklebt werden. Dann folgen die Rollenschneider in einer weiteren der miteinander verbundenen Hallen – das Wachstum seit dem Umzug auf die grüne Wiese in den 1960er Jahren ist deutlich zu sehen, 8300 Quadratmeter Produktionsfläche gibt es bei Cellpack, sowie nebenan ein Grundstück als Raumreserve.

Ein neuer und ein alter Rollenschneider sind an die zu anfangs beschriebene Automation angeschlossen: Wenn diese dann läuft, nimmt ein Kran die gewickelten Rollen ab und schickt sie auf die Reise Richtung Verpackung. Dann soll der Engpass Rollenschnitt/Verpackung überwunden, Stillstandszeiten verringert und eine bessere Qualitätskontrolle erreicht werden. Und: Die schweren Rollen müssen nicht mehr von den Mitarbeitern gehandhabt werden, eine körperliche Erleichterung. Wo bisher zwölf Mann arbeiten, sollen künftig sieben tätig sein. Entlassungen werde es jedoch keine geben, es werde umverteilt. „Wir setzten darin viel Hoffnung“, sagt Zobel über die neue Anlage.

Von 120 Mitarbeitern vor etwa vier Jahren habe sich das Unternehmen auf 100 Mitarbeiter verschlankt – „es war ein Prozess“, sagt Jung. Auch seien einige Mitarbeiter in der fast zweijährigen Phase vor Corona gegangen, in der immer wieder Kurzarbeit angesagt war. Diese zu überwinden, in der „uns der Besitzer in der Schweiz nicht hat fallen lassen“, habe Corona geholfen – da wurde auf abgepackte Lebensmittel und auf Versorgungssicherheit durch kurze Transportwege gesetzt.

Rohstoffe hängen im Suezkanal fest

Natürlich hat die Pandemie dem Betrieb nicht nur geholfen. „Alles, was in den vergangenen Monaten und Jahren passiert ist, hat auch uns tangiert. Die Energiepreise werden uns noch treffen“, sagt Zobel. Das Unternehmen ist als besonders schützenswerter Abnehmer für Gas eingestuft, weil für die Lebensmittelbranche produziert wird.

Rohstoffe wie Folien, Farben, Lösungsmittel und Kleber werden weltweit eingekauft. Jung: „Wir hatten auch einen Container auf einem Schiff im Suezkanal.“ Der Einkauf habe sich erschwert, es habe Kostensteigerungen von bis zu 80 Prozent für manche Tüten gegeben – die längst nicht in Gänze an die Kunden weitergegeben werden könnten. Bisher habe man Glück gehabt und keine längeren Maschinenausfälle wegen Ersatzteilmangels zu verkraften gehabt – auch dank eines aufgestockten Ersatzteillagers für die gut zehn Maschinen.

Ausbildung bei Cellpack

In diesem wie in den vergangenen Jahren konnten weniger Auszubildende eingestellt werden als gewünscht, berichtet Standortleiter Jens Zobel über die mangelhaften Bewerberlage. Neben der kaufmännischen Ausbildung bietet Cellpack die Lehre zum Medientechnologen Druck (in Tief- und Flexodruck) an – ausschließlich für den Eigenbedarf. Abschreckend aber unumgänglich sei der Schulbesuch in Mainz. Ab dem nächsten Schuljahr soll auch die Ausbildung zum Maschinen-Anlagenführer möglich sein.

x