Vor der Wahl
Blick in die Ortsgemeinden (XI): Welche Ortsbürgermeister machen weiter?
Welchweiler. Für Horst Christoffel ist es die letzte Amtsperiode als Ortsbürgermeister von Welchweiler gewesen. Seit nunmehr 15 Jahren steht er an der Spitze der 182 Einwohner zählenden Gemeinde am Herrmannsberg. Seit 35 Jahren wirkt er im Gemeinderat, zehn Jahre lang war er erster Beigeordneter. Mehrere Gründe hätten ihn dazu bewogen, nicht mehr zu kandidieren: zum einen das Finanzgebaren, sagt Christoffel. Zum anderen hätten aber auch gesundheitliche Gründe eine Rolle gespielt. Ein möglicher Nachfolger steht indes bereit: Michael Emrich, bislang erster Beigeordneter, möchte nun die Nachfolge Christoffels antreten. Über das rege Interesse an einer Mitarbeit im Rat zeigt sich der Ortsbürgermeister sehr zufrieden: 13 Interessenten haben sich ihm zufolge gemeldet. „Wir könnten zwei Räte komplett ausstatten.“
In den vergangenen 15 Jahren seien einige Projekte angepackt worden. Stolz ist der Welchweilerer etwa auf die fußläufige Verbindung zwischen den drei Herrmannsberg-Gemeinden Welchweiler, Elzweiler und Horschbach. Zur Zeit würden neue Geräte auf dem Spielplatz in Eigenleistung montiert. Ebenfalls in Eigenleistung sei der Dorfplatz erneuert worden. Was ihn etwas wurmt: die vielen Löscher in der Durchgangsstraße. Zudem hätte er gerne etwas am Erscheinungsbild des Dorfes ändern wollen, jedoch gab es dabei einige Hürden. Auch einen Wunsch für die Zukunft formuliert der scheidende Ortschef: ein Windrad auf gemeindeeigener Fläche.
Ginsweiler. „Wir haben noch Leute im Ort, die anpacken können“: Was so lapidar klingt, ist nicht (mehr) selbstverständlich. Roland Bender darf jedoch ruhigen Gewissens wieder von Gemeinschaftsgefühl und Zusammenhalt in der Gemeinde Ginsweiler schwärmen. Weil dort viele, die es können, genau dies auch tun – nämlich bereitwillig zupacken –, bereitet Bender das Aufgabenspektrum des Ortsbürgermeisters einiges an Freude. Dabei war es ja gerade in der Odenbachtal-Gemeinde zeitweilig kein Zuckerschlecken, das Amt auszufüllen. Die Wogen aber sind längst geglättet.
„Es war eine spannende Zeit“, schaut Bender auf seine erste Amtsperiode zurück, der nun eine zweite folgen soll. Bender ist alleiniger Urwahl-Bewerber in Ginsweiler. Zuvor schon hat er zehn Jahre lang in Ratsreihen gesessen und als Beigeordneter Mitverantwortung getragen. Und: Er hat zuvor den Dorfverein geführt, die Leitung aber noch vor seiner ersten Urwahl vor fünf Jahren schon vorsorglich abgegeben. Mithin gibt es keine Interessenkollision etwa in puncto Bürgercafé. Diese Begegnungsstätte im Dorfgemeinschaftshaus hat sich als Renner erwiesen. Freitagsabends und zudem jeden zweiten Mittwoch im Monat für die älteren Mitbürger geöffnet, ist das Haus regelmäßig belebt. Seit die Gemeinde eine Konzession für den Wirtschaftsbetrieb hat, ist vieles einfacher geworden bei dem Unterfangen, den Bürgern im Ort einen Treffpunkt zu bieten. Und Annehmlichkeiten dazu: Wenn’s darum geht, selbstgebackenen Kuchen zu reichen, herrsche kein Mangel, freut sich der Ortschef. Dass dies so gut läuft, sei mit ein Grund, um weiterzumachen.
Weiter begleiten würde ihn im Falle der Wiederwahl die Sanierung der Mauer am Becherbach. Endlich sind die Arbeiten am einsturzgefährdeten Schutzwall angelaufen, mit rund 200.000 Euro schlägt das Projekt zu Buche. Der Landesbetrieb Mobilität mischt mit und leistet den Löwenanteil, an der Ortsgemeinde bleiben rund 70.000 Euro hängen, die im Haushalt berücksichtigt sind. Was als nächstes anzupacken wäre, sind die Wirtschaftswege, informiert Bender. In Ginsweiler gibt es eine offene Liste mit Wahlvorschlägen zur Besetzung des Ortsparlaments.
Kappeln. „Es reicht“: 25 Jahre an der Spitze sollten nun genug sein. „Zu oft ist die Familie zu kurz gekommen“, sinniert Otfried Buß im Rückblick auf ein Vierteljahrhundert als Ortsbürgermeister der Gemeinde Kappeln. Ob er gerne geht? Sicherlich mit einem weinenden Auge: „Es gab nie Streit, nie Zoff im Dorf oder im Rat“, spricht Buß von geradezu paradiesischen Zuständen. Nun aber sei es Zeit für Neues, für Jüngere, die die Verantwortung schultern sollten. „Vieles wird als selbstverständlich erachtet“ – dabei gebe es durchaus noch einiges zu tun. Dabei kommt der scheidende Ortsbürgermeister – für den sich zumindest kein Nachfolgekandidat für die Urwahl gemeldet hat – auch auf ein Ärgernis zu sprechen: „Wir werden bestraft für vernünftige Entwicklung“, kommentiert Buß die Tatsache, dass es im Dorf praktisch kaum mehr Platz für neuen Wohnraum gibt. Die Reduktion von Bauflächen führt zum eklatanten Mangel – kein Neubaugebiet mehr möglich, nicht mal mehr innerörtliche Flächen sind zu haben. Dabei sei Kappeln als Wohngemeinde begehrt: Nicht wenige würden gerne zurückkehren, sich dort neu niederlassen, wo sie groß geworden sind.
In Kappeln ist eben vieles (noch) in Ordnung: „Wir haben sieben intakte Vereine“, sagt der scheidende Ortschef, der im selben Atemzug die fünf Märkte anspricht, die die Bürger dank des immensen Zusammenhalts gemeinsam haben bewältigen können.
„Es wäre schön gewesen, das letzte Stück Landesstraße noch zu erneuern“, sagt Buß. Vieles sei bewegt worden, inzwischen aber sei es schon eine Aufgabe, Erreichtes zu erhalten. In ein, zwei Jahren werde man an der Energiewende partizipieren, hofft er. Buß geht nicht so ganz. In den Gemeinderat will er zwar nicht mehr, „das fände ich unfair“. Die Vereinsgemeinschaft will er weiter betreuen und seinen Nachfolger anfangs gern unterstützen – „wenn es gewünscht ist“.