Thallichtenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Bei Expedition von Geoskop-Leiter Sebastian Voigt: Ältester Salamander-Nachweis weltweit

Das Fossil Triassurus sixtelae.
Das Fossil Triassurus sixtelae.

Am 31. August 2009 sammelte eine Expedition unter der Leitung von Sebastian Voigt, heute Leiter des Urweltmuseums Geoskop auf Burg Lichtenberg, in Kirgisien ein unscheinbares Fossil. Fast elf Jahre später ist klar: Es handelt sich um den ältesten Nachweis eines Salamanders weltweit.

„Das Stück ist im Eimer bei den Fischresten gelandet.“ Sebastian Voigt grinst und macht keinen Hehl daraus, dass weder er noch die Teilnehmer der Expedition damals auch nur im Ansatz die Bedeutung ihres Fundes erkannt haben. Es war die sechste und letzte Expedition, die Voigt als Postdoktorand an der Uni Freiberg in Sachsen zwischen 2005 und 2009 nach Madygen im Südwesten von Kirgistan in Innerasien geführt hatte. Bis zu 560 Meter dicke Schichten eines urzeitlichen Sees haben sich dort abgelagert. Das Fossil fand die einheimische Helferin Khairill Sakhidov an einer Stelle, wo sich sehr viele Pflanzenreste erhalten hatten .

Voigts Forschungsprojekt verfolgte das Ziel, das urzeitliche Ökosystem dort zu rekonstruieren – die Lebewelt an einem Süßwassersee im Gebirge, weit weg vom Meer, ganz ähnlich jener, die in der Urzeit vor etwa 300 Millionen Jahren auch den Remigiusberg bei Haschbach und Rammelsbach kennzeichnete. Die Fundstätte von Madygen aber lag damals sehr viel weiter nördlich und ist rund 60 Millionen Jahre jünger. Erste Ergebnisse der Forschung stellte Voigt bei seiner Antrittsvorlesung als Geoskop-Leiter 2012 vor.

Blaubacher übernimmt

Dass die winzigen Überreste – das ganze Tier war wohl nicht länger als fünf Zentimeter, der Schädel misst elf Millimeter – als das erkannt wurden, was sie sind, ist ein Verdienst eines anderen Wissenschaftlers aus dem Kreis Kusel. Rainer Schoch, ein Kind Blaubachs und Experte für Saurier und fossile Amphibien am Naturkundemuseum Stuttgart, hat in jahrelanger Arbeit das Stück untersucht, eingeordnet, wieder neu bewertet und schließlich identifiziert. Triassurus sixtelae heißt der frühe Lurch, dessen Überreste schließlich doch noch den Weg aus dem Eimer mit den Fischfossilien zu Amphibienkundlern gefunden hatten. Es ist der älteste Salamander, der bislang gefunden wurde, und überdies ein Brückenschlag in der Erforschung des Stammbaums der modernen Amphibien.

Erst ein weiterer Fund dieser Art

Zu Tode kam das Tier vor 237 Millionen Jahren in der Trias-Periode des Erdmittelalters, etwa fünf Millionen Jahre, bevor die allerersten und noch nicht übermäßig spektakulären Dinosaurier die Bühne betraten. Das Klima war warm und gemäßigt mit ganzjährigen Niederschlägen. Der Urschwanzlurch starb entweder als Larve ganz kurz vor der Verwandlung zum erwachsenen Tier oder auch als ausgewachsenes Exemplar, das noch jugendliche Körpermerkmale zeigte.

So genau wisse man das nicht, sagt Voigt, denn außer diesem Ur-Salamander gibt es nur noch einen weiteren Fund der Art: eine winzige Larve mit einem 3,8 Millimeter langen Schädel, die 1961 geborgen worden war und in Moskau lagerte.

Jahrzehntelang Streit

Seither hatten die Experten gestritten, ob es sich bei diesem Moskauer Winzling tatsächlich um einen ganz frühen Salamander handelte. Unumstrittene Salamanderfunde waren in Schichten aus dem Mitteljura gefunden wurden, also mindestens 60 Millionen Jahre jünger. Das scheint nun entschieden: Beide Triassurus-Fossilien, das 1961 gefundene und das aus 2009, weisen eindeutige Elemente des Körperbaus von Salamandern auf.

Die Ergebnisse ihrer Forschung haben Schoch, Voigt und Ralf Werneburg, Direktor des Naturhistorischen Museums im thüringischen Schleusingen, in einem kleinen englischsprachigen Aufsatz in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht. Der Inhalt ganz kurz: Triassurus sixtelae besitzt neben seinen Salamander-Merkmalen auch Eigenschaften ursprünglicher Amphibien, die Hinweise auf die Herkunft der heute lebenden Amphibien geben.

Rainer Schoch sagt: „Wir sind einen Schritt weiter bei der Erforschung der Evolution der Frösche und Salamander. Mein Leben lang habe ich von so einem Fund geträumt.“

Rainer Schoch aus Blaubach, Experte für Saurier und fossile Amphibien am Naturkundemuseum Stuttgart.
Rainer Schoch aus Blaubach, Experte für Saurier und fossile Amphibien am Naturkundemuseum Stuttgart.
So könnte Triassurus ausgesehen haben.
So könnte Triassurus ausgesehen haben.
Sebastian Voigt, Leiter des Urweltmuseums Geoskop auf Burg Lichtenberg.
Sebastian Voigt, Leiter des Urweltmuseums Geoskop auf Burg Lichtenberg.
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