Glan-Münchweiler
Bei der Bäckerei Holzhauser gehen die Öfen aus
Clemens Holzhauser ist ein Mann, der kein Blatt vor den Mund nimmt. „Ich habe die Schnauze voll“, sagt er. Am Ende habe ihm sein Beruf keinen Spaß mehr gemacht. „Früher war ich mit Herzblut Bäcker und Konditor, das ist irgendwann kaputt gegangen.“ Nun zieht er einen Schlussstrich und hört auf. Die Bäckerei Holzhauser mit Sitz in Glan-Münchweiler hatte Filialen in Ramstein-Miesenbach, Mackenbach, Bosenbach und Bann. Hinzu kamen drei Verkaufsfahrzeuge, die mit den Backwaren in der Region unterwegs waren. Der Handwerksbetrieb beschäftigte insgesamt 33 Mitarbeiter.
Den Standort in Bann hat zum 1. März die Bäckerei Sprengard übernommen, die Filiale in Ramstein-Miesenbach werde unter der Regie der Bäckerei Jung aus Bruchmühlbach-Miesau fortgeführt, sagt Holzhauser. Für die restlichen Geschäftsstellen einschließlich des Hauptsitzes in Glan-Münchweiler habe er keine Nachfolger gefunden, „obwohl ich über ein Jahr aktiv gesucht habe“. Nathalie und Clemens Holzhauser haben zwei erwachsene Kinder, die kein Interesse an der Übernahme des elterlichen Betriebs gezeigt haben. „Die haben was Gescheites gelernt“, scherzt der Vater. Die elf Mitarbeiter, die derzeit noch für die Bäckerei arbeiten, kämen alle in anderen Betrieben unter.
Überbordende Bürokratie
Wer Clemens Holzhauser in seinem Büro in der Backstube in Glan-Münchweiler besucht, kann zunächst kaum glauben, dass sich der Mann in den Ruhestand verabschieden will. Er wirkt fit, gesund und munter und wird im August erst 57 Jahre alt. Aber Holzhauser macht seine eigene Rechnung auf: Schon mit 54 Jahren und sechs Monaten hatte er demnach so viele Arbeitsstunden angehäuft wie ein normaler Werktätiger in seinem regulären Berufsleben. „Ich habe meine Arbeitsleistung vollbracht“, sagt er nach 34 Jahren Selbstständigkeit. Im Alter von 14 Jahren begann er eine Lehre, zunächst als Bäcker, dann als Konditor. Mit 22 eröffnete er 1989 seinen ersten Betrieb in Ramstein. Im Jahr 1992 übernahm er seinen früheren Lehrbetrieb in Glan-Münchweiler und expandierte nach und nach mit weiteren Filialen und Verkaufswagen.
Dass jetzt Schluss ist, er keine Lust mehr hat, habe viel mit der überbordenden Bürokratie zu tun, die einem selbstständigen Handwerker das Leben schwer mache. Holzhauser spricht von „Verwaltungswahn“: Für die Arbeitsplätze müssten Gefährdungsbeurteilungen abgegeben werden, regelmäßig seien Maschinen, Elektronik oder Feuerlöscher zu prüfen, hinzu kommen Lebensmittelkontrollen und Hygienevorschriften. Die Liste ließe sich fortsetzen. Für Holzhauser ist der Gipfel, dass er als Arbeitgeber regelmäßig kontrollieren muss, ob seine Verkaufsfahrer tatsächlich ihren Führerschein noch besitzen. Diese Bürokratie sei zermürbend – und das in einem Umfeld, in dem den kleinen Bäckereien seit Jahren mehr und mehr Konkurrenz erwächst durch Tankstellen und Discounter und in dem Personalmangel an der Tagesordnung ist.
Zeit für die Jagd
Bemerkenswert ist der Schluss, den Holzhauser aus dem akuten Mangel an Bäckern, Konditoren und Verkäuferinnen und Verkäufern zieht: Weil Personal fehlt, werden die großen Bäckereiketten ihr Netz nicht aufrechterhalten können und Filialen schließen müssen. Die Zukunft gehöre kleinen Familienbetrieben, die Qualität anbieten. „Ihr Einzugsgebiet wächst, wenn sie gut sind“, glaubt Holzhauser.
Wie es weiter geht in der Branche, wird der noch 56-Jährige nun als Außenstehender verfolgen. Langweilig werde ihm nicht im Ruhestand, sagt er. Clemens und Nathalie Holzhauser haben ein gemeinsames Hobby: die Jagd. Die war schon in den vergangenen Jahren Rückzugsgebiet, um beruflichen Stress abzubauen und um Kraft zu tanken. Sie haben ein Revier mit Jagdhütte im Bereich Glan-Münchweiler/Rehweiler. Und wenn’s mal rausgeht aus der Westpfalz, dann in die Berge zum Wandern und – für Nathalie Holzhauser – zum Fotografieren. Wobei: Wenigstens einmal will Clemens Holzhauser den Bergen untreu werden: „Einen Traum habe ich noch: eine Kreuzfahrt nach Norwegen, Spitzbergen, ans Nordkap und nach Island“.