Kusel
Bei den Arztpraxen kehrt langsam wieder so etwas wie Normalität ein
Gerade in der Anfangszeit der Corona-Beschränkungen hätten viele Patienten den Weg in die Praxis vermieden, erinnert sich Beate Evenschor. Sie betreibt mit Ehemann Stephan Evenschor eine Allgemeinmedizinische Praxis in Brücken. Patienten hätten ihre Arztbesuche zunächst nur auf das Notwendigste beschränkt. Nun sei wieder fast Normalität eingetreten: „Wir waren und sind keine Terminpraxis, unsere Patienten kommen deshalb oft unangemeldet. Die Anmeldeformalien werden durch einen Aushang vor der Eingangstür beschrieben.“ Praxisbesucher würden einzeln eingelassen. Unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregelungen würden sie dann direkt in Warte- oder Behandlungszimmer geleitet.
Bei den Hausbesuchen gelten die gleichen Hygieneregeln, ergänzt die Medizinerin. Insbesondere bei älteren Menschen seien diese Besuche sehr wichtig, unterstreicht Evenschor. Patienten drohten sonst zu „entgleisen“, würden möglicherweise vergessen, ihre Medikamente einzunehmen. Engmaschig müssten auch Patienten mit Herzinsuffizienz kontrolliert werden.
Hausbesuche müssen sein
Auch Gerhard Krennrich, der in Lauterecken praktiziert, besucht seine älteren und chronisch kranken Patienten nach wie vor zuhause. In den vergangenen Wochen seien in der Sprechstunde die Patientenzahlen deutlich zurückgegangen. Das führt Krennrich unter anderem auf die Schulschließungen zurück: „Wir hatten immer viele Schüler, die Atteste benötigten. Die fehlen jetzt, dadurch entzerren wir aber unseren Sprechstundenbetrieb.“ Die Allgemeinmedizinische Praxis habe ohnehin die Pflicht, zwölf Stunden rufbereit und präsent zu sein, zumindest am Montag, Dienstag sowie Donnerstag.
An diesen drei Tagen versuche man die Praxisabläufe so zu gestalten, dass das Risiko einer Infektion auf ein Minimum reduziert wird. Dazu gehöre, dass es mehr telefonische Terminabsprachen gebe. Auch weist Krennrich darauf hin, dass bei einer leichten Erkältung weiterhin telefonische Krankschreibungen möglich seien.
Corona-Sprechstunde
Einen anderen Weg geht die Gemeinschaftspraxis von Thomas Neudert und Valeska Neudert-Heil in Glan-Münchweiler. Sie bieten seit 2. April eine eigene Corona-Sprechstunde an. Wie Valeska Neudert-Heil erläutert, habe die Kassenärztliche Vereinigung empfohlen, eine solche Infektionssprechstunde zusätzlich anzubieten. Neudert-Heil: „Wir bieten diese Sprechstunde im Dorfgemeinschaftshaus an, das heißt, sie ist räumlich getrennt von der eigentlichen Praxis. Patienten, die tatsächlich Symptome haben, beziehungsweise unter Atemwegserkrankungen leiden, werden in die Infektionssprechstunde bestellt.“
Laut Neudert-Heil sind insgesamt 30 Patienten unter strengsten Schutzmaßnahmen untersucht worden. Bei zehn wurden Rachenabstriche vorgenommen. Alle Proben seien negativ getestet worden: Die Verdachtsmomente haben sich nicht bestätigt. Mittlerweile seien aufgrund der warmen Temperaturen die Atemwegserkrankungen deutlich rückläufig, dennoch bleibe die Sprechstunde weiterhin täglich geöffnet.
In der Praxis selbst werden die Hygienevorschriften peinlichst genau eingehalten. In den Räumen ist ein Nasen-Mundschutz verpflichtend. Wenngleich dies in Arztpraxen vom Gesetzgeber bisher nicht eingefordert wurde, wie Neudert-Heil bedauert. Auch müssen Patienten klingeln, werden dann vom Praxisteam in die Behandlungsräume beziehungsweise ins Wartezimmer gelotst. Außerdem wurde ein „Drive-in-Fenster“ eingerichtet. Dort können zum Beispiel Rezepte abgeholt oder die Krankenversicherungskarte zum Einlesen abgegeben werden.
Alten Menschen Angst nehmen
Ruhiger geworden ist es auch im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Kuseler Land in Altenglan, wie eine Allgemeinmedizinerin aus dem Team von Rüdiger Brust Auskunft gibt. Das MVZ ist eine Terminpraxis. Nach telefonischer Terminvereinbarung müssen Patienten im Eingangsbereich klingeln. Unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregelungen werden sie dann in die Praxis eingelassen und rasch behandelt.
Unverändert stehen auch weiterhin Hausbesuche auf der Tagesordnung. Sie selbst besucht alle 14 Tage ein Seniorenheim: „Hinter einer FFP3 Maske versteckt, versuche ich den älteren Menschen in Gesprächen die Notwendigkeit der Schutzmaßnahmen zu erklären und ihnen Ängste zu nehmen.“