Kreis Kusel
Barrierefreier Ausbau: Auf Burg Lichtenberg führen moderne Pfade durch altes Gemäuer
Ein sonniger Vorfrühlingstag in der Westpfalz: Obwohl die Temperaturen noch nicht unbedingt zum Picknick einladen, sind die Holzbänke am Kiosk zwischen zweitem und drittem Burgtor gut besetzt. Viele Kinder tummeln sich dort, mutmaßlich noch weitere Gäste der Jugendherberge, aber auch Spaziergänger und Wanderer nutzen die Gelegenheit zur Rast. Den jüngeren unter den Burgbesuchern dürfte auf dem Weg zum Gemäuer kaum aufgefallen sein, dass sich da schon einiges getan hat.
An mehreren Stellen des Areals innerhalb der dicken Außenmauern ist hingegen unverkennbar, dass da noch einiges im Gange ist. Zwischen Geoskop und Unterburg rattert ein Radlader, gefolgt von einem weiteren Baustellenfahrzeug. Beide verschwinden in einer Bresche im nordöstlichen Teil der Ringmauer, um Schotter zu laden. Das Material lagert außerhalb des Burggeländes. Kann dort aber dank der verbreiterten Baustraße, die vom Parkplatz aus rechterhand am Hufeisenturm vorbei bis fast zur hintersten Ecke führt, auch von größeren Lastwagen problemlos angekarrt werden.
Großprojekt großzügig gefördert
Horst Seibert hält die Hebel in der Hand: Der Mitarbeiter von F.K. Horn hockt im engen Cockpit des Kleinbaggers und wartet darauf, grobe Gesteinsbröckchen im Bett des Weges Richtung Kirchlein zu befördern. Die Ladung hat eben sein Kollege Dario Wetherel gebracht, der mit dem geländegängigen Ladefahrzeug von der Unterburg her mühelos hangaufwärts Richtung Kapelle geholpert ist.
Alte Burgpfade sind nun mal holprig, das Laufen vielerorts auf dem Gelände kein Vergnügen. Genau das aber soll sich ändern im Zuge des barrierefreien Ausbaus der Burg Lichtenberg. Das Großprojekt wird großzügig gefördert und ist letztlich auch nur dadurch überhaupt zu stemmen. Das in diesem Falle greifende Förderprogramm „Tourismus für Alle“ soll seinem Namen Ehre machen.
„Echte Verbesserung für alle“
„Das ist ja wirklich eine Verbesserung für alle“, betont Christoph Rübel. Der Landkreis hat Rübel als „Projektleiter für barrierefreien Tourismus“ gewonnen. Damit ist Rübel sehr wohl nicht allein für die Burg verantwortlich. Dass allerdings das Endergebnis der zurzeit dort laufenden Arbeiten einen besonders hohen Stellenwert für den Naherholungswert im Kuseler Land genießt, liegt auf der Hand.
Die Lichtenburg ist schließlich Ausflugsziel Nummer eins im Musikantenland. Dass auch bei weniger schönem Wetter, an Herbst- und Wintertagen Besucher aus nah und fern kommen, hat Rübel bei seinen zahlreichen Dienstbesuchen ebenso feststellen können wie Rainer Kettering. Der ist seit geraumer Weile ein Dauergast im Gemäuer. Kettering kommt oft selbst, um nach dem Rechten zu schauern, schickt aber auch gerne mal Leute aus seinem Bekanntenkreis hinauf zur Burg.
Planer hört „viel Gutes“
Eine solche Empfehlung kann ja nun jedermann guten Gewissens aussprechen. Kettering aber verfolgt dabei auch ein Eigeninteresse. „Ich erhoffe mir Resonanz davon“, sagt der Geschäftsführer und Mitinhaber des Büros BBP Stadtplanung und Landschaftsplanung in Kaiserslautern. Und? Wie sind die Rückmeldungen? „Ich höre viel Gutes.“
Kettering verantwortet die Planung und koordiniert die Arbeiten bei einem Vorhaben, dass für ihn persönlich einen ganz besonderen Reiz hat. „Solch eine Herausforderung hat man kein zweites Mal im Berufsleben“, sieht sich der Stadt- und Landschaftsplaner im alten Gemäuer besonders gefordert. Kettering ist das Kuseler Land alles andere als fremd; im Auftrag der Stadt Kusel fungiert er seit vielen Jahren als Sanierungsplaner und -berater.
„Eine höchst anspruchsvolle Aufgabe“
Wege- und Plätzebau ist ihm nicht fremd, auch der Umgang mit denkmalschutzrechtlichen Vorgaben begegne ihm ort. „Es ist aber eine höchst anspruchsvolle Aufgabe, in einer alten Burganlage neuzeitliche Wege anzulegen“, sagt Kettering. Es gilt, holprige Wege begehbar zu machen, die allerdings nicht allzu sehr auffallen sollen. Eine Hürde dabei ist, die Höhenunterschiede sanft zu überwinden. Belange des Denkmalschutzes sind hier in besonderem Maße zu berücksichtigen, zudem hat Kettering auch mit Archäologen zu tun gehabt: „Wir gucken auch in den Boden rein“, erzählt der Planer. Sensationelles habe man wohl nicht entdeckt, immerhin aber auch Reste alter Mauern gefunden.
„Es ist eine schöne Herausforderung.“ Eine, die auch kostspielig ist. Zu Anfang standen 2,3 Millionen Euro im Raum. Das reicht wohl nicht ganz, wie Christoph Rübel bestätigt. „Inflation, Steigerung bei den Baukosten, das macht sich ja schon einige Zeit bemerkbar“, so die Einschätzung des Projektleiters. Er zeigt sich zuversichtlich, dass auch die Mehrkosten gefördert werden.
Noch eine Ausschreibung nötig
85 Prozent Zuschuss aus dem Förderprogramm „Tourismus für Alle“ decken den Löwenanteil des Finanzbedarfs. Verwendet wird das Geld, um all die Wege innerhalb des Burggeländes neu anzulegen, mit taktilen Elementen zu versehen, Aufzug und Lifte zur Überwindung von Höhendifferenzen einzubauen und noch einiges mehr. Erneuert worden war zunächst die Bushaltestelle und die Zuwegung zum Burgtor. Ab dem vergangenen Jahr folgte dann der Ausbau im Innern.
Was noch aussteht: das Innenleben des Aufzugs nahe der Herberge – da hakt es noch. Da muss neu ausgeschrieben werden. Doch sind die Verantwortlichen zuversichtlich, dass bis Sommer auch Feinheiten fertig sind und vielleicht ein Eröffnungsfest starten kann. Der Aufzug muss bis Jahresende fertig sein. Denn so lange gibt’s noch den Zuschuss.