Kreis Kusel
Balkonkraftwerke: Wie steht’s um die Förderung im Kreis Kusel?
Balkonkraftwerke liegen im Trend: Auch im Kreis Kusel setzen immer mehr Einwohner auf die kleinen Solaranlagen, die den erzeugten Strom ins Hausnetz einspeisen oder einen Batteriespeicher aufladen. Demnach waren im Kreisgebiet Anfang Juli genau 1003 solcher Anlagen beim Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur registriert. Das entspricht statistisch 14,3 Balkonkraftwerken pro 1000 Einwohner. Gemessen an der Gesamtbevölkerung im Kreis bedeutet das: Etwa jeder 70. Einwohner betreibt eines der Minikraftwerke.
Bad Dürkheim ist Spitzenreiter unter Landkreisen
Diese Daten hat die Landesregierung in einer landesweiten Übersicht auf eine Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Lea Heidbreder (Bündnis 90/Die Grünen) beziehungsweise ihrer Fraktion mitgeteilt. Spitzenreiter unter den Landkreisen in der Pfalz ist demnach der Kreis Bad Dürkheim mit 2750 gemeldeten Anlagen, was einer Quote von 20,5 entspricht. Landau führt – gemessen an der Einwohneranzahl – wiederum die Liste der kreisfreien Städte an: Pro 1000 Einwohner waren es zum Stichtag 15,1 Mini-Solaranlagen. Knapp dahinter befindet sich Neustadt mit einer Quote von 14,6.
Einige Kommunen, darunter Landau, unterstützen Bürger bei der Anschaffung von Balkonkraftwerken mit Fördermitteln aus dem Kipki-Programm des Landes Rheinland-Pfalz. Kipki steht für das Kommunale Investitionsprogramm Klimaschutz und Innovation, das darauf abzielt, umweltfreundliche Projekte auf kommunaler Ebene zu unterstützen. Wie die Landesregierung in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage mitteilt, liegen bis dato „32 Teilprojekte von Verbandsgemeinden, kreisfreien Städten sowie Landkreisen vor, mit denen Zuwendungen für PV-Anlagen sowie Balkonkraftwerke gegenüber Privatpersonen vergeben werden“. Die Bewilligungssumme bis zum Stichtag: rund 3,2 Millionen Euro.
Kuseler Kommunen setzen andere Prioritäten
Ob die Förderung mit Kipki-Mitteln im Kreis Kusel eine Rolle spielt? Wie die Kreisverwaltung auf Anfrage der RHEINPFALZ mitteilt, bestehe derzeit weder ein Förderprogramm für Balkonkraftwerke als Bestandteil aus dem Fördertopf, noch sei eines geplant. Der Kreis begründet das unter anderem mit dem seit 2022 beobachtbaren Zuwachs der Minikraftwerke im Kreisgebiet, der ohne Förderung einhergehe. „Vor diesem Hintergrund und in Verbindung mit den stetig fallenden Anschaffungspreisen der steckerfertigen Solaranlagen ist seitens des Landkreises aktuell keine Förderung geplant“, sagt Kreissprecherin Franziska Schild.
Auch die dem Kreis angehörigen Verbandsgemeinden (VGs) verzichten auf eine Förderung. Entschieden habe man sich stattdessen für andere Projekte, die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten sollen. Ein Beispiel: In der VG Kusel-Altenglan wurde die vollständige Fördersumme von rund 675.000 Euro in die energetische Sanierung der Realschule plus in Altenglan gesteckt. „Ein Sonderprogramm für private Haushalte wäre grundsätzlich möglich gewesen, hätte jedoch von der Gesamtsumme abgezogen werden müssen“, sagt Marcel Keidel, Leiter der Stabsstelle Wirtschaftsförderung in der VG-Verwaltung. Um die Fördermittel mit „größtmöglichem Nutzen für die Allgemeinheit“ einzusetzen, sei entschieden worden, die Mittel gebündelt in ein gemeinsames Projekt zu investieren.
Ähnlich sieht es in der Verbandsgemeinde Oberes Glantal aus: Dort wurden die Fördermittel nach Angaben der VG-Verwaltung vor allem in die energetische Sanierung der Schulen in Herschweiler-Pettersheim investiert. Auf Nachfrage führt die VG-Verwaltung noch weitere Gründe an, weshalb auf eine Balkonkraftwerk-Förderung verzichtet wurde. Zum einen fließe das Geld nur an Bürger, die sich so ein Kraftwerk anschaffen können, während gleichzeitig alle Einwohner über die Umlagenzahlungen Geld in die Kasse der Verbandsgemeinde spülen. Zum anderen fördere bereits die Bundesregierung auch im Jahr 2025 die Anschaffung von Photovoltaik-Anlagen – durch den Wegfall der Mehrwertsteuer von 19 Prozent.
In der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein stehen dagegen viele Einzelprojekte auf der Liste. Bereits umgesetzt wurde nach Angaben der Verwaltung unter anderem die Anschaffung von Wärmepumpen für zwei Feuerwehrgerätehäuser sowie drei PV-Anlagen mit Stromspeicher für Liegenschaften der Verbandsgemeinde. Was noch ausstehe: ein LED-Tauschtag, der noch im Herbst oder Winter 2025 stattfinden soll. Dabei handelt es sich um einen Aktionstag, an dem Bürger ihre alten, stromfressenden Glühbirnen gegen energieeffiziente LED-Leuchtmittel eintauschen können.
Stadtwerke verweisen auf Anmeldepflicht
Dass die Anzahl der Balkonkraftwerke auch ohne Förderung rasant ansteigt, bestätigt Sebastian Koch, Prokurist bei den Stadtwerken Kusel. Demnach sei die erste Anlage im Zuständigkeitsgebiet des Energieversorgers 2021 registriert worden. „2022 waren es sechs gemeldete Anlagen, im Jahr darauf hatte sich die Zahl fast verdoppelt“, so Koch. In diesem Jahr übersteige die Anzahl der Meldungen, die von Januar bis Mitte August eingingen, bereits die des Vorjahres: 26 gegenüber 23.
Koch weist in dem Zusammenhang auch darauf hin, dass Bürger dazu verpflichtet sind, ihre Balkonkraftwerke im Marktstammdatenregister einzutragen. „Das hilft, die Netze stabil zu halten und eine höhere Versorgungssicherheit zu gewährleisten“, so Koch. Für das Versorgungsgebiet der Stadtwerke geht der Prokurist etwa davon aus, dass schätzungsweise zehn bis 15 Prozent ihre Anlagen nicht gemeldet haben. Bundesweit dürfte die Dunkelziffer allerdings noch höher liegen: Bereits im Jahr 2022 kam eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin zu dem Ergebnis, dass rund die Hälfte aller Mini-Solaranlagen nicht registriert war.