Thallichtenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Ausstellung, Vorträge, Workshop, Konzert: Seenot gestern und heute

Die Band Shaian trat auch bei der interkulturellen Woche in Kusel im vergangenen Jahr auf.
Die Band Shaian trat auch bei der interkulturellen Woche in Kusel im vergangenen Jahr auf.

„Rettungsanker Musik“ ist die erste Veranstaltung in der Reihe „Brücken schlagen“ des Musikantenlandbüros überschrieben. Am Freitag und Samstag, 22. und 23. April, soll es auf der Burg Lichtenberg um Seenot gestern und heute gehen. Die Bands Shaian und Berlin Boom Orchestra sind angekündigt.

Der Infoabend am Freitag startet um 18 Uhr mit einer Ausstellungseröffnung: Seenot-Erfahrungen gestern und heute werden auf der Ausstellungsfläche im ersten Stock der Zehntscheune präsentiert. Ab 19 Uhr hält ein Vertreter der Organisation Sea-Watch einen Vortrag – kombiniert mit einer Lesung von Tagebucheinträgen und Briefen von Wandermusikanten und Geflüchteten. Diese werden von Schülern der Anti-Rassismus-AG am Siebenpfeiffer-Gymnasium Kusel gelesen. Im Anschluss wird ein Film über den Einsatz der Sea-Watch 3 gezeigt.

Wandermusikanten im engen Schiffsbauch

„Das zivile Auge im Mittelmeer – damit kein Mensch auf der Flucht ertrinkt“ ist das Motto des Vereins Sea-Watch, der sich die Seenotrettung an den Grenzen Europas auf die Fahnen geschrieben hat. Durch teils spektakuläre Rettungseinsätze ist der Verein bekannt geworden, dessen Schiff Sea-Watch nach eigenen Angaben mit einer größtenteils ehrenamtlichen Crew vor der libyschen 24-Seemeilen-Zone patrouilliert und dort nach Booten in Seenot sucht.

Auch von Wandermusikanten sind Seenot-Erlebnisse von der Überfahrt in die USA oder zurück überliefert, berichtet Elaine Neumann, Leiterin des Trafo-Projekts „Westpfälzer Musikantenland“ – von jenen, die beispielsweise die Kollision des Schiffes mit einem Eisberg überlebt haben. „Die Unterbringung im Schiffsbauch damals war sicherlich nicht weit weg von der Situation auf überfüllten Flüchtlingsschiffen“, schlägt sie den Bogen vom Damals ins Heute.

Einen Liedtext schreiben

Für Samstag lädt das Musikantenlandbüro mit der Kontaktstelle Holler und der Weltmusik-Band Shaian zum Workshop „Rettungsanker Musik“ ein. Zu einem bekannten Song soll zusammen ein neuer Text geschrieben werden. Das Lied wird dann einstudiert sowie am Abend zum Auftakt des Open-Air-Konzertes aufgeführt werden. Musikalische Vorkenntnisse seien nicht erforderlich, heißt es in der Ankündigung, aber eine Anmeldung, denn die Plätze sind beschränkt. Eigene Instrumente dürfen mitgebracht werden.

Ab 19 Uhr beginnt das Konzert auf der Unterburg, der Eintritt ist frei. Die 2016 in Kaiserslautern gegründete Band Shaian vereint in wechselnden Besetzungen Musiker aus Afghanistan, Eritrea, Iran, Syrien, Indonesien, Aserbaidschan und Deutschland, darunter Flüchtlinge, Studenten und Berufsmusiker. Das musikalische Repertoire entstammt zum Teil der traditionellen Musik der Bandmitglieder, es sind aber auch Interpretationen von Chart-Hits dabei. Die Band wurde mehrfach für ihr Engagement ausgezeichnet, das auch in einem Dokumentarfilm festgehalten worden ist.

Aus Not auf Reise ins Ungewisse

Ihrem Auftritt folgt die Reggae- und Ska-Show des Berlin Boom Orchestra: Die Band ist im April auf „Im Sitzen geht’s“-Tour und kommt von Frankfurt nach Kusel, ehe es zurück nach Berlin zum 15-Jahre-Jubiläums-Konzert geht. Ab 22 Uhr sollte Tanzen und Abfeiern open air auf der Unterburg möglich sein. Die Band engagiert sich für Geflüchtete und gegen Nazis – mit ihren Liedtexten beziehen sie Stellung und treten bei Benefizveranstaltungen auf.

Weltoffenheit und Toleranz sowie Musik aus verschiedenen Kulturen waren Teil des Wandermusikantentums, erklärt Neumann. Das entstand in den 1830er Jahren aus wirtschaftlicher Not in der Pfalz. Um ihre Familien zu ernähren, gingen die „Auswanderer auf Zeit“ auf Wanderschaft – erst in der näheren Umgebung, dann in die ganze Welt, unter anderem in Zirkuskapellen. Zu einer Zeit, in der Reisen per Schiff gefährlich, lang und verhältnismäßig teuer waren – oft nicht wissend, was sie unterwegs oder am Ziel ihrer Reise erwartete.

Info

Anmeldungen zum Workshop nimmt Elaine Neumann entgegen: 0151 55863109 oder elaine.neumann@kv-kus.de

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