Steinbach am Glan Ausstellung über „Jüdisches Leben in Deutschland“
Orientierungspunkt für das bundesweit begangene Festjahr ist ein Dekret Kaiser Konstantins von 321, das es jüdischen Bürgern in Köln erlaubte, in den Rat der Stadt gewählt zu werden. Neben diesem ältesten erhaltenen schriftlichen Beleg für die Existenz von Juden nördlich der Alpen, finden sich aus der Antike nur wenige Zeugnisse. Die gibt es dann aber in umso reichlicher Zahl ab dem Frühmittelalter, als sich insbesondere die erst im Juli mit dem Unesco-Weltkulturerbe-Titel geschmückten Schum-Städte Speyer, Worms und Mainz zu einem Zentrum jüdischer Kultur und Gelehrsamkeit entwickelten, dessen Erbe bis heute global nachwirkt – diesem Thema widmen sich deshalb gleich zwei der Schautafeln.
Eine besondere Rolle nimmt die Region danach besonders wieder in der Zeit der Aufklärung und der Französischen Revolution ein, als schon die erste Eroberung durch die Truppen der Französischen Republik den Juden die staatsbürgerliche Gleichstellung brachte – eine Errungenschaft, von der ihre Glaubensgenossen rechts des Rheins in jener Zeit nur träumen konnten. Integration und sozialer Aufstieg verbindet sich in der Folge mit Ausgrenzung und Anfeindung. Den Tiefpunkt bilden hier natürlich die nationalsozialistische Herrschaft und der Holocaust. Vor diesem Hintergrund erscheint es fast wie ein kleines Wunder, dass heute wieder neue repräsentative Synagogen entstehen wie 2010 in Mainz und 2011 in Speyer und die jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz inzwischen wieder rund 3000 Mitglieder zählen.
Vernissage mit Musik
Wie vielfältig jüdisches Leben auf dem Gebiet des Bundeslandes im Laufe der Geschichte war und heute wieder ist, zeigt sich auf den Tafeln mit ihren vielen Bildern und kleinen Exkursen aber nicht nur im historischen Längsschnitt, sondern auch in thematischen Einheiten zur Alltagskultur, zum Wein, zu den Synagogen sowie zu verdienten Künstlern und Gelehrten.
Die Ausstellung wird in Steinbach auf Vermittlung des Musikerpaares Rebecca Rust und Friedrich Edelmann gezeigt, die die Vernissage mit Werken jüdischer Komponisten sowie zusammen mit jungen Musikern der Musikschule Kuseler Musikantenland umrahmen. Außerdem wird der erst im vergangenen Jahr im Auftrag des Heimatvereins Steinbach am Glan aufgenommene Kurzfilm „Auf jüdischen Spuren in Steinbach am Glan“ gezeigt. Veranstaltet wird die Schau vom Heimatverein zum Europäischen Tag der Jüdischen Kultur am 4. September, der gleichzeitig in rund 30 Ländern stattfindet. Die Jüdischen Gemeinden, Gedenkstätten und Museen laden an diesem Tag zur Begegnung ein.
Die Ausstellung
Ausstellungseröffnung am Sonntag, 4. September, 15 Uhr, im Protestantischen Gemeindehaus in Steinbach am Glan, Hauptstraße 65. Anmeldung bis zum 31. August über stefan.weissbrodt@googlemail.com oder die 06383 5272 oder 01590 1189348. Die Ausstellung ist jeden Sonntag im September von 15 bis 18 Uhr im Jüdischen Museum in Steinbach am Glan, Lindenstraße 3, zu sehen.