ALTENGLAN
Auf historischen Rädern am Glan entlang
Im vergangenen Jahr waren es 20 Besitzer von Hochrädern und Niederrädern, die sich an der Tour beteiligten. „Heute sind es doppelt so viele“, sagt Thomas Rheinheimer. Der Offenbach-Hundheimer ist, wie im Vorjahr, der Organisator der Fahrt. Er wird die etwa 15 Kilometer lange Strecke den Glan-Blies-Radweg entlang mit seinem Hochrad zurücklegen.
Vier von den 40 Fahrrädern sind Hochräder. „Das sind alles Nachbauten“, sagt Rheinheimer. Seines ist aus Tschechien. Die Hochradfahrer sind die auffälligsten. Auf die Spitze treibt es Guido Heddertgott aus Mainz , von Beruf Trauerredner. Er trägt eine alte Militäruniform und hat eine Pickelhaube auf dem Kopf. Frank Rügner aus Frankfurt ist mit Frack und Zylinder auf seinem Hochrad unterwegs.
Teilnehmer teils weit gereist
Mit einem Niederrad, aber dafür keinem Nachbau, ist Rick Vernack aus Belgien mit von der Partie. Er hat das Rad von seinem Großvater geerbt. Das Fahrrad, Baujahr 1951 sei unverwüstlich, im Gegensatz zu den modernen Rädern. „Wenn ein Fahrrad mit einem Carbonrahmen einen Riss hat, dann ist es Müll. Der Schaden kann man nicht mehr reparieren.“ Die alte Fahrräder könne man immer wieder flott machen. Er werde bei Veranstalter Thomas Rheinheimer übernachten und am Sonntag eine weitere Tour durch den Landkreis unternehmen, „dann aber mit einem modernen Rad“, sagt Vernack.
Rheinheimer hat seine Kontakte zu den anderen Freunden alter Fahrräder über die Mitgliedschaft beim RV Opel 1988, dem ältesten Radfahrverein Deutschlands, geknüpft. Unter den Teilnehmern ist auch die Vatertagssportgruppe Breitenheim. „Alle elf Mitglieder sind geschlossen mit dabei“, sagt Thomas Geiß. Er kommt aus Hundsbach bei Bad Kreuznach und kennt Rheinheimer persönlich. Geiß besitzt ein NSU-Fahrrad, Baujahr 1936 – das älteste Gefährt der Tour. „Das ist ein Scheunenfund aus der Nähe von Idar-Oberstein. Dafür habe ich nur 30 Euro bezahlt“, berichtet er. Für solche Fahrräder würden manchmal mehrere hundert Euro verlangt. Nur eine originale Klingel habe er dazu gekauft. Kosten: 80 Euro.
Die Vatertagsgruppe unternimmt seit ihrer Gründung vor zwölf Jahren stets an Vatertag eine Radtour. Einzige Bedingung für die Teilnehmer: Das Fahrrad muss älter sein, als sein Fahrer. „Ich schätze alles was alt ist. Auch alte Menschen“, betont Geiß. Die Radtouren mit den alten Fahrrädern würden zur Entschleunigung beitragen.
Start mit Verspätung
Diana Meurico aus Luxemburg ist eine der wenigen Frauen, die sich der Radtour angeschlossen haben. Sie war auch schon bei der Historischen Radtour im vergangenen Jahr von Staudernheim nach Lauterecken mit dabei. Damals mit einem geliehenen Fahrrad. Inzwischen habe sie ein Fahrrad geschenkt bekommen, ebenfalls aus den 1930er Jahren. „Die Radstrecke hier ist schön flach und damit besonders gut für unsere alten Fahrräder geeignet“, sagt sie. In Luxemburg sei es hügeliger und damit sehr anstrengend.
Vom Altenglaner Bahnhof aus geht es erst mit einer dreiviertel Stunde Verspätung auf die Strecke. Da ein Teilnehmer aus Bad Honnef sich verspätet hat, wartet die Gruppe ohne große Ungeduld. Als sich schließlich herausstellt, dass der Verspätete sich verfahren hat und es länger dauert, machen sie sich schließlich aber doch ohne ihn auf den Weg. Vorher macht Rheinheimer noch auf die schwierigen Streckenabschnitte aufmerksam, denn wenn es über Brücken geht, wird der Weg sehr schmal. Dann sollte besser abgestiegen werden.
Die 40 Teilnehmer sorgen mit ihrem auffälligen Rädern für viel Aufsehen, als sie auf dem Glan-Blies-Weg glanabwärts nach Offenbach-Hundheim strampeln. Als Zwischenetappe hat Rheinheimer die Ölmühle in St. Julian ausgesucht, wo es sich Ortsbürgermeister Philipp Gruber nicht nehmen lässt, die Gäste über die Geschichte der Mühle zu erzählen. Danach geht es weiter nach Offenbach-Hundheim, wo die Radfahrer bei „Katjas Café Herzhaft“ eine Mittagspause einlegen. Dort wartet auch der zu spät gekommene Bad Honeffer und kann wenigstens die Rückfahrt mit antreten.
Um 16.30 Uhr kommt die illustre Gruppe wieder am Ausgangspunkt am Altenglaner Bahnhof an. Im nicht weit entfernten „Café am Markt“ gibt es dann einen „Absacker“. „Das war wieder eine schöne Tour, die allen Spaß gemacht hat“, zieht Organisator Rheinheimer Bilanz.
Im kommenden Jahr werde es garantiert die dritte „Historische Radtour“ geben. Natürlich dann auch wieder auf dem Glan-Blies-Weg. Wo der Start ist – und in welche Richtung es geht – müsse jedoch noch festgelegt werden, sagt er.