Lauterecken RHEINPFALZ Plus Artikel Auf dem Veldenz-Wanderweg können Wanderer Geschichte hautnah erleben

Michelle Pfeifer wandert auf dem Veldenz-Wanderweg: Der Weg führt auch durch das Naturschutzgebiet Mittagesfels bei Niederalben.
Michelle Pfeifer wandert auf dem Veldenz-Wanderweg: Der Weg führt auch durch das Naturschutzgebiet Mittagesfels bei Niederalben.

Schmugglerpfade aus vergangener Zeit, die letzte erhaltene Stempelpresse Europas, Weinberge, Wasserburgen und seltene Küchenschellen – all das lässt sich auf dem Veldenz-Wanderweg im Pfälzer Bergland erleben.

62,2 Kilometer ist er lang, gesäumt von unzähligen, atemberaubenden Panoramablicken und geschichtsträchtigen Stationen. Der Veldenz-Wanderweg, dessen Name auf das Adelsgeschlecht der Veldenzer zurückgeht, erstreckt sich von der Burg Lichtenberg, dem ehemaligen Stammsitz der Grafen zu Veldenz, quer durch die ehemalige Graftschaft bis hin zum Schloss in Lauterecken. Drei bis fünf Tage sollte sich der Wanderer für den als Leading Quality Trail ausgezeichneten Prädikatswanderweg Zeit nehmen. Mit seinen vielen Höhenmetern weist er ein anspruchsvolles Profil auf.

Schmugglergeschichte

Helmut Drumm aus Erdesbach, der mit seinen Eseln geführte Touren rundum den Veldenz-Wanderweg anbietet, ist bestens vertraut mit den Naturschutzgebieten Wartekopf und Mittagsfels, die der Wanderer auf seiner Tour durchquert. „Die Natur lässt sich dort hervorragend erklären“, sagt Drumm im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Außerdem sei dort auch ein Schlachtfeld des Dreißigjährigen Krieges zu finden. „Das interessiert die Leute immer sehr“, weiß Drumm.

Dem Erdesbacher ist auch ein alter Roman bekannt, der von der Branntweinschmuggelei an der ehemaligen preußisch-bayrischen Grenze handelt. „Zwischen Ehre und Gewissen“ oder „Die Schmuggler“ lautet der Titel des unbekannten Autors mit dem Pseudonym „Rs.“ Erzählt wird dabei die Geschichte einer dreiköpfigen Schmugglerbande, die um 1840 Branntwein vom bayrischen Rathsweiler über Erzweiler und das Steinalptal ins preußische Kirn schmuggelte. Auf ihrer kuriosen Flucht vor den preußischen Zöllnern versteckte sich das Gespann zunächst in einem alten Stollen bei Erzweiler in der Totenalb. Später gelang ihnen dann die Flucht über Kusel nach Frankreich, wo sie schließlich Jahre später nach Amerika übersiedelten. Fest steht, dass der Verfasser des Romans die Gegend um Kusel gut gekannt haben muss, da der Landstrich sehr detailliert skizziert wird und sich so der Schmugglerpfad gut nachverfolgen lässt.

Abstecher zur Ölmühle

Mit alpin anmutendem Aufstieg, über schmale, wurzlige Wege und vorbei an seltenen Küchenschellen, ergibt sich auf dem Mittagsfels eine herrliche Fernsicht über das Glantal. Auch ein kurzer Abstecher ins Tal, etwa nach St. Julian zur historischen Ölmühle lohnt allemal. Seit 1730 arbeitet dort die letzte noch erhaltene, voll funktionsfähige Stempelpresse Europas. Heute dient die Museumsmühle zwar nur noch zur Demonstration des Verfahrens der Ölgewinnung aus Raps, Mohn- und Leinsamen, dennoch erhält der neugierige Wanderer einen interessanten Einblick in die bewegende Handwerksgeschichte und kann mit der alten Presse einen in Deutschland einmaligen Mechanismus bestaunen.

Immer wieder wird der Wanderer mit wunderschönen Ausblicken in die Pfalz und den Hunsrück belohnt, so auch schließlich in Hohenöllen mit Sicht auf die Lauter-Schleife. Alte Weinberge und Weinbergmauern zeugen davon, dass auch im Pfälzer Bergland Wein wächst.

Auf dem letzten Abschnitt des Veldenzweges begegnet der Wanderer in Reipoltskirchen einem wahren Schmuckstück aus vergangener Zeit. Etwas abseits, wie ein schlummerndes Märchenschloss, wacht im ruhigen Tal des Odenbachs eine der wenigen besterhaltenen Wasserburgen der Pfalz.

Kunst allgegenwärtig

Kunst wird im malerischen Reipoltskirchen großgeschrieben. So wurde nicht nur der Tiermaler Johann Heinrich Roos, der zeitlebens auch als „Raffael der Viehmaler“ bekannt war, in dem knapp 350 Seelen umfassenden Dorf getauft, auch eine Malschule befindet sich in den geschichtsträchtigen Gemäuern der alten Wasserburg. Und nicht nur das: Vor zehn Jahren begannen Bildhauer aus aller Welt einen Weg nahe der Burg am Odenbach mit künstlerischen Ideen und Gedanken zu bestücken, woraus 2014 schließlich der Weg der Skulpturen geboren wurde. Der künstlerische Rundweg, der als offizielle Teilstrecke zur „Europäischen Skulpturenstraße des Friedens“ gehört, stellt einen echten Höhepunkt auf dem kulinarischen Marsch durchs Musikantenland dar. Fast scheint es, als klopfe die Bildende Kunst vorsichtig an der im Kuseler Land übermächtigen Pforte der Musik.

Doch was hat es mit dem Namen des Kuseler Musikantenlands überhaupt auf sich? Um 1830 zwangen Missernten und Hungersnöte sowie der Rückgang des Bergbaus viele Bewohner der Westpfalz zur Auswanderung. Ein neues Wandergewerbe entstand, das Westpfälzer Musikantentum. Mehrere tausend Menschen zogen musizierend durch die Landen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Das Ende des Veldenz-Wanderwegs erreicht der Wanderer am Schloss Veldenz in Lauterecken. Dieses bildet mit seinen mittelalterlichen Gemäuern nicht nur die ehemalige Residenz der gleichnamigen Grafschaft, sondern auch den krönenden Abschluss der mehrtägigen Tour – der krönende Abschluss eines in vielerlei Hinsicht königlichen Weges. Königlich in seiner Vielfalt, seinem Profil, seinem Erkennungszeichen. Und königlich in seiner Geschichte.

Der Veldenz-Wanderweg ist gut markiert – mit Krone.
Der Veldenz-Wanderweg ist gut markiert – mit Krone.
Der Verlauf des Weges.
Der Verlauf des Weges.
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