Glan-Münchweiler / Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Auf das Ende von Baustellen warten wir oft lange, auf Weihnachten nicht

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In seiner Wochenendkolumne beschäftigt sich unser Redakteur Philipp Jung mit dem zähen Warten auf das Ende von Bauprojekten und damit, dass die Vorweihnachtszeit nicht zu weit ausgedehnt werden sollte.

Es sind ja nicht gerade viele Autobahnkilometer, die durch den Landkreis Kusel verlaufen: Neben dem klitzekleinen Abschnitt der A6 nahe Waldmohr gibt es noch die weniger stark befahrene A62, die zwischen Glan-Münchweiler und der saarländischen Grenze bei Reichweiler den Landkreis passiert. Doch diese wenigen Kilometer reichen offensichtlich auch für langwierige Baumaßnahmen aus: Der Umbau der Potzberg-Parkplätze zieht sich weiter in die Länge. Das Ende ist in Sicht, aber wieder etwas in die Ferne gerückt, erst kurz vor Weihnachten sollen die Parkplätze laut Autobahn GmbH wieder freigegeben werden. Der einstige Plan war Mitte Oktober. Und auch der neue Termin, der 20. Dezember, ist noch nicht in Stein gemeißelt; die Autobahngesellschaft setzt voraus, dass das Wetter die Pläne nicht durchkreuzt. Immerhin: Die Baustelle auf der Henschbachtalbrücke ist weg, die Autobahn wieder zweispurig befahrbar.

Als deutscher Bürger fragt man sich oft, warum Bauprojekte hierzulande zuweilen so unfassbar lange dauern müssen. Über prominente Großprojekte wie Stuttgart 21 oder den Berliner Flughafen spricht man in der ganzen Republik, sie sind – oder waren – deutschlandweit große Aufreger, außerdem sind sie Paradebeispiele für unsere Kultur der Langsamkeit. Von Nord nach Süd und West nach Ost werden diese überregional bekannten Projekte begleitet von regionalen und lokalen. Diese sind zwar nicht in aller Munde und meist auch im Umfang deutlich kleiner, können sich aber auch erschreckend lange hinziehen.

Der Zeitraum der aktuellen Umbaumaßnahme an den Potzberg-Parkplätzen mag überschaubar sein, die Einschränkungen für den Verkehr waren es ebenfalls. Dennoch darf die Übersichtlichkeit des Projekts nicht über seine jahrzehntelange Vorgeschichte hinwegtäuschen: Schon in den 1980er Jahren wurde auf politischer Ebene über WC-Anlagen auf den Parkplätzen gesprochen; in der Zwischenzeit gab es unter anderem Pläne eines Investors, der eine Tankstelle mit Autohof errichten wollte und wieder absprang, außerdem kam immer wieder das Thema Kiosk aufs Tapet. Realisiert sind bis heute nicht einmal Toiletten. Und das wird dieses Jahr auch nichts mehr: Die Parkplätze sollen zunächst ohne WC-Anlagen freigegeben werden, Anfang 2025 will sich die Autobahn GmbH dann konkreter zum weiteren Verfahren äußern.

Es weihnachtet meist schon viel zu früh

Während wir auf das Ende mancher Baustelle sehnsüchtig warten, ist ein anderes Thema schon wieder in greifbare Nähe gerückt: Weihnachten. Es ist jetzt Mitte November – und allmählich kann ich mich mit der Präsenz des Fests in meinem Alltag anfreunden. Zumal wir uns in der Redaktion auch auf die Zeit der Lichter und Leckereien vorbereiten müssen, erste Gespräche über weihnachtliche Themen führen, die wir in unserer Berichterstattung aufgreifen können, und dieses Jahr erstmals einen Baum in der Redaktion aufstellen wollen.

Klarkommen musste jemand wie ich, der vor der zweiten Novemberhälfte von Weihnachten weder etwas sehen noch hören will, wie jedes Jahr mit dem Umstand, dass im August schon die winterlich gestalteten Lebkuchenpäckchen in den Ladenregalen zu finden waren – Sie wissen schon: Herzen, Brezeln und Sterne – und manche Kunden sie zu diesem Zeitpunkt sogar schon kauften. Noch dazu kommen die vielen Leute in meinem privaten Umfeld, die im September und Oktober schon Weihnachtsfilme bei Netflix zu schauen pflegen. Das ist doch irre. Ich entschuldige mich an dieser Stelle bei allen frühen Weihnachtsvögeln, aber ich kann weihnachtlichen Dingen um diese Zeit absolut nichts abgewinnen. Ich beiße liebend gern in Lebkuchen, Zimtsterne oder Vanillekipferl, dekoriere gerne weihnachtlich und schaue mir auch mit Vergnügen einen Weihnachtsfilm an, in dem die Welt so wunderbar in Ordnung ist. Aber für mich gehören diese Dinge nicht in den September und den Oktober und schon gar nicht in den August mit seinen 30 Grad auf dem Thermometer.

Bei den Lebkuchen muss man vielleicht noch differenzieren: Es gibt ja zum Beispiel die großen Herzen, die bereits im Sommer auf Volksfesten verkauft werden, die wecken allerdings keine Assoziationen ans Weihnachtsfest. Aber Schoko-Weihnachtsmänner und die weihnachtlich designten Lebkuchenpäckchen haben nach meinem Empfinden eine feste Saison, die sie nicht verlassen sollten. Das künstliche Ausdehnen der Vorweihnachtszeit nimmt dem Fest seine Besonderheit, seine magische Wirkung, die es doch erst im Dezember so richtig entfalten kann, oder? Und irgendwie wird damit ja auch der Herbst und dessen besondere Stimmung übergangen.

Doch das ist nur meine Meinung. Liebe Leserinnen, liebe Leser, kaufen Sie Ihre Weihnachtsleckereien, wann immer Ihnen danach ist, und genießen Sie sie. Nicht jeder muss so ticken wie ich. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

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