Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Astbruchgefahr: Beim Osterspaziergang im Wald aufpassen

Die Straßen sind freigeräumt, aber längst nicht alle Waldwege.
Die Straßen sind freigeräumt, aber längst nicht alle Waldwege.

Vor einer unberechenbaren Gefahrensituation beim Osterspaziergang im Wald warnt Forstamtsleiterin Gabi Kleinhempel. Grundsätzlich sei der Wald im Kreis Kusel beim Schneeeinbruch am vergangenen Wochenende jedoch sehr glimpflich davongekommen. Die Försterin erklärt, warum.

„Wir haben noch nicht alle Wege gefunden, die zugeworfen wurden.“ Davon geht die Kuseler Forstamtsleiterin Gabi Kleinhempel am Mittwoch aus. Und das wird wohl auch bis Ostern so bleiben. Spaziergänger warnt sie jedoch nicht nur vor den Blockaden der Wege, sondern vor dem, was noch von oben runter kommen könnte: Äste und Baumkronen.

„Vor allem bei Wind den Blick nach oben“ zu richten ist ihr Ratschlag, bevor ein Platz zur Rast ausgewählt wird. Der schwere Nassschnee habe viele Ast- und Kronenabbrüche verursacht – beziehungsweise Anbrüche. Denn im Gegensatz zu starken Schneefällen im Winter, wenn bei Minusgraden der Pulverschnee durch die unbelaubten Bäume einfach durchfällt, blieb der feuchte, großflockige Schnee in der Nacht von Freitag auf Samstag auf den Bäumen liegen. Felsenbirnen, Hasel, Erlen und andere Laubbäume haben schon Triebe gebildet – und damit eine größere Angriffsfläche. Eine Zierkirsche im eigenen Garten sei komplett aus dem Boden gerissen worden, berichtet Kleinhempel.

Kiefern für Brüche prädestiniert

Was die am Rande des Pfälzerwaldes wohnende Forstamtsleiterin auch hautnah mitbekommen hat, war das Brechen vieler Kiefern: In der Stille des Schneefalls sei immer wieder ein Krachen zu vernehmen gewesen, berichtet sie. In den Wäldern bei Johanniskreuz und Kaiserslautern wurde großer Schaden angerichtet, dort laufen die Aufräumarbeiten noch immer auf Hochtouren.

Nicht so im Kreis Kusel. „Bei uns war es wirklich nicht dramatisch, obwohl wir sehr viel Schnee hatten. Unser Glück ist, dass wir keinen so hohen Kieferanteil haben.“ Es wiegen Laubbäume vor, auch Douglasien und Fichten. Die sind schlanker, haben die typische Zylinderform, an der der Schnee abgleitet. Ältere Kiefern hingegen haben ausladende Kronen ähnlich eines Strochennestes, dazu lange Nadeln. Äste, Kronen und ganze Bäume sind wegen des Schneegewichtes abgebrochen.

Buchen durch Trockenheit brüchig

Stabil stehen die Eichen. Junge Birken, vor allem jene am Hang stehenden, seien jedoch im Kreis Kusel teils stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Manche brachen, andere wurden umgebogen – sie werden sich nicht wieder aufrichten. Auch bei Altbuchen habe es Kronenbrüche gegeben – Nachwirkungen der Trockenheit in den vergangenen Jahren. Dadurch seien die Wasserverbindungen im Stamm beschädigt worden, die Krone unterversorgt und dadurch brüchig geworden. „Auch durch die Stürme im Februar gab es da Schäden.“

Knackt und knirscht es in den Gipfeln, die sich im Wind wiegen, sei das jedoch nicht automatisch ein Grund zur Sorge, beruhigt Kleinhempel. Das seien aneinanderreibende Äste von nahe stehenden Bäumen. Wichtig sei der prüfende Blick nach oben, um angebrochene Äste zu identifizieren – gerade wenn man sich längere Zeit an einem Ort aufhalte zum Rasten.

Sicherungspflicht der Besitzer

Die Straßenmeistereien und Freiwillige Feuerwehrleute haben am Samstag dafür gesorgt, die öffentlichen Straßen frei zu kriegen. Hätte der Forst das mit seinen eigenen Leuten machen müssen, „wären wir in einem halben Jahr noch unterwegs“, erklärt Kleinhempel. Für weitere Arbeiten sei man darauf angewiesen, ausführende Unternehmen zu bekommen. An erster Stelle stehe bei den Arbeiten im Wald, die Rettungswege und jene zur Holzabfuhr freizuräumen.

„Wir wissen noch nicht, welche Wege noch zuliegen und welche Waldbesitzer betroffen sind“, erklärt die Forstamtsleiterin. 5000 Hektar im Kreis seien schließlich auch Privatwald. Und es gibt viele Bäume entlang von Straßen und Wegen, die Privatleuten oder Kommunen gehören. Wald- und Baumbesitzer müssten theoretisch nach jedem stärkeren Wetterereignis die Waldsäume ablaufen und „angedrückte Bäume entschärfen“, weißt sie auf die Verkehrssicherungspflicht hin.

Akuten Handlungsbedarf in Sachen Abstand von Bäumen zu Verkehrswegen sieht Kleinhempel nicht. Schließlich sei es Aufgabe der Revierleitung, jährlich die Straßen abzugehen und eventuelle Rückschnitte zu veranlassen. Das sei vor nicht allzu langer Zeit bei Hefersweiler geschehen: Mit einem Hieb wird der Wald von der Straße zurückgedrängt, der Waldsaum entwickelt sich dann natürlich, sodass auf zwanzig bis dreißig Metern zur Straße Hecken stehen. „Waldrand ist auch Wald“, hebt die Forstamtsleiterin dessen ökologische Bedeutung hervor.

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