Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Abschlusskonzert des Musikcamps „Ethno Germany“ in der Fritz-Wunderlich-Halle

Es war ein farbenprächtiges Spektakel mit Gesang, Musik und Tanz.
Es war ein farbenprächtiges Spektakel mit Gesang, Musik und Tanz.

Zehn Tage lang kamen über 50 Musikerinnen und Musiker aus fünf Kontinenten und 20 Ländern im „Ethno-Germany-Camp“ auf der Burg Lichtenberg zusammen, um gemeinsam zu musizieren. Höhepunkt war das fulminante Konzert mit allen Beteiligten am Samstagabend in der Fritz-Wunderlich-Halle Kusel. Eine Botschaft hatten die Musiker auch.

Ein vielfarbiges Bild zeigt sich auf der Bühne. So unterschiedlich wie ihre Kleider sind auch die Instrumente. Junge Menschen jeder Couleur haben ihre speziellen Lieder ihres Heimatlandes mitgebracht, Tänzerinnen kauern vor der Bühne mit tief gesenktem Kopf. Die Spannung in der leider nur zur Hälfte besetzten Wunderlich-Halle ist zum Greifen.

Die Reise beginnt in Portugal

Mit Portugal beginnt das bunte Treiben. Natürlich denkt da jeder gleich an Fado. Aber auf direktem Weg schlägt die Truppe eine Brücke zur portugiesisch-kreolischen Musik Afrikas. Melancholie, Nostalgie, aber auch mitreißende Rhythmik, all das ist bei dieser Musik präsent, die sich allerdings grundlegend vom Fado unterscheidet. Der Ausdruckstanz der Tänzerinnen ist faszinierend.

Vom äußersten Westen Europas geht es direkt in den äußersten Osten, die Türkei. Schnell war zu spüren, wie vielseitig die türkische Folklore ist. Sie basiert auf der Saz, auch Baglama genannt, einem Zupfinstrument aus der Familie der Langhalslauten. Rhythmisch begleitet wird die Musik mit der Darbuka, einem traditionellen Schlaginstrument, das auch im Nahen Osten, in Nordafrika und auf dem Balkan verwendet wird.

Das Publikum klatscht, singt und tanzt mit

„Eins, zwei, Ethno Journey“, ruft der Frontmann, und alle stimmen in den Rhythmus mit ein. Bald klatschen alle Besucher im Saal mit. Und schon ist das Stimmungsbarometer auf Skala zehn. Ein Sprung in den Fernen Osten schließt sich an. Zu den wichtigsten Ausdrucksmerkmalen der chinesischen Musik zählen Klangfarbe und Melodie, deren Tonleiter grundsätzlich aus zwölf Tönen besteht. Das reinste Ton-Gedicht ist es, das die junge Chinesin auf ihrer birnenförmigen Pipa, einer viersaitigen Laute aus Mahagoni, präsentiert, und das mit einer virtuosen Tremolo-Technik, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Gänsehaut erzeugt die lyrische Wirkung. Aber bald fallen Cello, Flöten, Gitarren, Panflöte, Blechblasinstrumente und Perkussion mit ein, und der Sound wird immer voller. Schließlich wird auch noch dazu gesungen, die Spiel- und Sangesfreude ist großartig.

Ein Perkussions-Instrument hat die Australierin, hüftlanges Haar, bodenlanger Hosenrock, mitgebracht. „Dum, dum, dum“, schlägt „Mathilda“ auf ihrem Instrument an, und alle Musiker stimmen mit ein, bis sich der Rhythmus weiterpflanzt und alle Besucher im Saal mitmachen. Mit ihrer Geige präsentiert sich Rudger aus Flandern, und wieder fallen alle mit ihren Instrumenten ein. Pure Spielfreude ist den Musikern und Sängerinnen an ihren Gesichtern abzulesen, während die Tänzerinnen durch den Saal ziehen und immer mehr Besucher zum Tanzen animieren.

Ein Chor aus 50 Stimmen

Ein Lied hat die seit zehn Jahren in Deutschland lebende Irakerin mitgebracht und intoniert mit makelloser Stimme, bis der fünfzig-köpfige Chor wie aus einer einzigen Stimme mit einstimmt. Faszinierend ist das Arrangement, das sie aus dem schlichten deutschen Volkslied „Heißa Kathreinerle“ machen. Professionell begleiten ein Gitarrist und zwei virtuos spielende Klarinettisten, Santoor und Daf aus dem Iran und Irak, die indische Flöte und die chinesische Pipa kommen dazu, bis sämtliche Perkussions-Instrumente mit einfallen. Der Sound ist fulminant, der Beifall des Publikums frenetisch.

Mit weit ausholenden Bewegungen dirigiert die Akkordeonistin aus der Ukraine das bunt zusammengewürfelte Orchester, wobei die chilenische Panflöte, die chinesische Pipa und das Cello hervorstechen. Beeindruckend ist die Dynamik des Orchesters, die aus dem Pianissimo zu mitreißender Lautstärke anwächst.

Hinreißender Stepptanz

Blanche aus Frankreich hat ihren Song den Musikern gewidmet, die aus politischen Gründen bei „Ethno-Germany“ nicht dabei sein dürfen. Ihr Stepptanz zu den Schalmeien- und Akkordeon-Melodien ist so hinreißend, dass die Besucher sich abermals von den Tänzerinnen animieren lassen, ausgelassen mitzutanzen. Fantastisch ist auch das Volkslied „über Liebes- und Lebensleid“, das der Chor sehr harmonisch und mit gebundenem Legato vorträgt. „Hört euch das Lied mit geschlossenen Augen an“, empfiehlt die Dirigentin. Und tatsächlich ist die Wirkung so umso effektvoller.

Exotisch wird es mit dem indischen Raga, den gleich drei Musiker mit Sitar, Querflöte und Gitarre vortragen. In dieser wichtigsten Musikform der klassischen indischen Musik bildet ein überliefertes Skalen- und Melodienmodell die Basis für die Improvisationen. Mit betörenden Tönen beginnt die Bambusflöte mit der Alap (Einleitung), während im Gat die Chorstimmen und Perkussions-Instrumente den Sound gewaltig anwachsen lassen. Der krönende Abschluss jedoch ist der irre, zungenakrobatische Gesang des Solisten.

Die Botschaft des Konzerts

Beeindruckend ist auch das Arrangement, das die Gruppe aus dem Marsch „Frühling auf der Burg Lichtenberg“ mit tatkräftiger Unterstützung des Musikantenland-Preisträgers Roland Vanecek auf der Tuba macht. Im Zusammenhang mit den gerade beendeten Musikantenlandtagen wurde „Ethno Germany“ dafür mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Einen Song zum Abschied bringen drei Chilenen mit, wozu sich bald zahlreiche Besucher auf die Tanzfläche mitreißen lassen und ausgelassen wie die Irrwische tanzen. Stürmischer Applaus im Stehen. Die Begeisterung will kein Ende nehmen.

Und die Botschaft? „Früher sind die Westpfälzer Wandermusikanten in die Welt hinausgezogen, heute kommt die Welt zu uns“, sagt Bernhard Vanecek, einer der Initiatoren des „Ethno-Camp Germany“. „Die Welt ist ein Land, und wir sind alle ihre Bürger.“ Kann man sich was Schöneres für Friede und Verständigung unter den Völkern vorstellen?

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