Bosenbach / Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel 60 Jahre Opelwerk: Helmut Preis als Lehrling 003 erster Opelaner aus dem Landkreis Kusel

„Außer Opel kommt mir nix in die Garage“: Helmut Preis ist glühender Verehrer der Marke mit dem Blitz. Sein aktuelles Auto ist 1
»Außer Opel kommt mir nix in die Garage«: Helmut Preis ist glühender Verehrer der Marke mit dem Blitz. Sein aktuelles Auto ist 17 (!) Jahre alt – und sieht aus wie eben aus dem Verkaufsraum gerollt.

Kein Scherz: Am 1. April 1965 hat bei Helmut Preis der Blitz eingeschlagen. Seither brennt „de Bär“ von Bosenbach lichterloh für Opel. Unterm Dach blitzt es besonders hell.

165 kleine Flitzer parken in Regalen. Bilder, Urkunden, Trophäen und Zeitungsschnipsel künden vom Bemühen eines Sammlers, all die schönen Stücke auch ja ins rechte Licht zu rücken, anstatt sie hinter Schranktüren und in Schubladen zu verstecken. Trotzdem passt längst nicht alles rein. Helmut Preis hat die Tür zu seinem „Opel-Zimmer“ geöffnet. „Ich bin schon ein bisschen verrückt, gell?“, sagt der 76-Jährige grinsend. Der staunende Besucher kommt nicht umhin, zu nicken. Stimmt.

Seit gut fünfeinhalb Jahrzehnten miteinander glücklich: Rita und Helmut Preis.
Seit gut fünfeinhalb Jahrzehnten miteinander glücklich: Rita und Helmut Preis.

Der Weg war weit, der Lohn – na ja: 100 Mark hatte Helmut Preis damals zum Monatsende in der Lehrlings-Lohntüte stecken. Das Geld war’s sicherlich nicht, das den Bosenbacher so verrückt auf Opel gemacht hat. „Ich bin ein Autonarr“, bekennt der Rentner, als er belustigt von einer weiteren Episode erzählt, die seine Auto-Leidenschaft belegt. „Wer kommt schon auf die Idee, so was zu knipsen“, erklärt er, auf eine Fotocollage deutend.

Hinter Glas gerahmt ist Preis mit seinem fahrbaren Untersatz zu sehen. Detailaufnahmen präsentieren die Tacho-Digitalanzeige – 099999 zeigt das eine Foto. Das zweite ist Minuten später entstanden, als Preis sein Vehikel ein Stück weiterbewegt und den Tachostand 100.000 festgehalten hat.

Bär von einem Kerl kriecht in die engsten Ecken

Das Wägelchen mit dem auf leuchtend rotem Untergrund platzierten Kilometerzähler steht in Preis’ Garage, bewacht von einem an die Wand gemalten Teufel namens „Betzi“. Preis hütet den Wagen wie seinen Augapfel – obgleich nicht eben neu: Sage und schreibe 17 Jahre hat der Astra auf der Karosserie – sieht aber aus, als sei er gestern erst vom Band gelaufen. Wie geleckt.

„Meine Frau wundert sich immer, wo ich überall reinkrieche“, schildert Preis sein Talent für Verrenkungen, das den kräftigen Mann – „Bär“ kommt nicht von ungefähr – durchaus mal zwischen Gas-, Kupplungs-, Bremspedal und Sitzschienen verschwinden lässt, wenn er da unten mit Putztüchlein, Pflegemittelchen und womöglich Samthandschuhen werkelt.

Unikate allesamt – und von ideellem Wert: Die Schieblehre hat Helmut Preis während seiner gesamten Ausbildungszeit begleitet.
Unikate allesamt – und von ideellem Wert: Die Schieblehre hat Helmut Preis während seiner gesamten Ausbildungszeit begleitet.

„Meine Frau ...“: Die Formulierung fällt ziemlich oft: Wenn Preis aus seinem Leben plaudert, spielt seine Rita eine Hauptrolle. Geradezu auffallend ist beider Umgang miteinander – geprägt von Wertschätzung und Herzlichkeit, Rücksichtnahme und Respekt. Preis erzählt, wann er wo und wie die Dame seines Herzens erobert hat. „Die Rothaarige aus Offenbach“, die – und keine andere – kam in Frage. „Als wir geheiratet haben, war er noch mein Vormund. War halt damals so, ich war erst 16“, erzählt Rita Preis kichernd.

Voller Freude berichtet das Paar von der kleinen Familie, von Tochter und Schwiegersohn, die nicht weit weg wohnen. Stolz schwingt mit in jeder Silbe, wenn sie von der Enkeltochter erzählen, die ihre berufliche Laufbahn im Bankwesen forciert.

Aus Stammnummer 400 003 wird eine Nummer eins

Auch Preis’ Tochter hatte früh den Weg ins Kaufmännische eingeschlagen und ihre Ausbildung bei einem heimischen Kreditinstitut eingeschlagen. „Für mich wäre das nichts gewesen“, bekennt Preis. Das habe sich schon während seiner Zeit auf der Handelsschule abgezeichnet. „Ich bin eben kein Bürokrat“, sagt er lachend. Rückblickend sei es die glücklichste Fügung gewesen, dass sein Vater ihn dazu animiert habe, sich bei Opel zu bewerben.

Preis junior marschierte also in ein Büro in der Lauterer Eisenbahnstraße und wurde wegen einer Lehre vorstellig. Es lief wie geschmiert – am 8 März unterschrieb er seinen Lehrvertrag. Dieser regelte, dass dem jungen Mann binnen dreieinhalb Jahren das berufliche Rüstzeug eines Maschinenschlossers vermittelt werden solle. Mit Vertragsabschluss erhielt der Bosenbacher die Stammnummer 400 003. Am 1. April 1965 war erster Arbeitstag.

Schaut grimmig drein – und war doch seinerzeit heilfroh über die Chance, als Lehrling bei Opel einzusteigen. Helmut Preis’ erste
Schaut grimmig drein – und war doch seinerzeit heilfroh über die Chance, als Lehrling bei Opel einzusteigen. Helmut Preis’ erster Werksausweis hat selbstredend einen Ehrenplatz.

„Ich war der erste Mitarbeiter aus dem Landkreis Kusel im Kaiserslauterer Werk“, darf Preis seither mit Fug und Recht behaupten. Aus 003 wurde sogar die Nummer eins: „Der eine vor mir ist noch während der Lehrzeit gegangen worden“, erinnert sich Preis, der andere verließ das Werk, kaum dass er den Facharbeiterbrief in Händen hielt.

Helmut Preis ist geblieben. Hat im ersten Lehrjahr besagte 100 Mark erhalten, die im zweiten Jahr auf 120 und im dritten auf 145 aufgestockt wurden. Danach gab’s 175 pro Monat, bis Preis am 30. September 1968 fertig war.

Beschwerlicher Arbeitsweg zu Fuß und per Bus

Opel blieb er treu, obwohl die Bundeswehr die Finger nach ihm ausgestreckt habe. „Ich bin mehrmals gefragt worden, ob ich nicht bleiben wolle“, spricht Preis Gelegenheiten an, die sich während seines Grundwehrdiensts, aber auch noch später bei Reserveübungen aufgetan hätten.

Der „Bär“ war zunächst bei den Artilleristen, absolvierte dann in Kempten noch eine Sanitäterausbildung. Preis schaut weitaus ernster als üblich, wenn er von einer Begebenheit erzählt, bei der er dank seiner frisch erworbenen Kenntnisse für den Notfall mutmaßlich einem Mann aus einem Nachbarort das Leben gerettet hat.

Nur eine halbe von vier Wänden im Bosenbacher Opel-Zimmer. Fotos, Automodelle, Mützen, Wimpel verraten, wofür Helmut Preis schwä
Nur eine halbe von vier Wänden im Bosenbacher Opel-Zimmer. Fotos, Automodelle, Mützen, Wimpel verraten, wofür Helmut Preis schwärmt: Opel – und FCK.

Knapp 40 Jahre blieb Preis dem Werk treu. Anfangs war der Weg beschwerlich: erst drei Kilometer zu Fuß, dann per Bus, wieder Fußweg. Vor allem im Winter war das oft mühsam. Mit Führerschein und eigenem Wagen lief es dann besser. Am Rande: An sein erstes Fahrzeug erinnert sich wohl jeder. Preis gleich gar. Zumal es sein einziges war, das keinen Blitz trug – das Opel-Symbol schlechthin. Preis bewegte zunächst einen VW Käfer. „Mehr konnte ich mir nicht leisten ...“

Mit den Berufsjahren wuchs die Sammlung an Opel-Modellen, an Schirmmützen mit Blitz, an Erinnerungsstücken. Ungezählt die Stücke, die in Preis’ Opel-Zimmer unterm Dach dem Sammler und Opel-Freak Stoff für stundenlanges Schwelgen in Erinnerung bieten, garniert mit amüsanten Erzählungen. Preis ist ein guter, ein unterhaltsamer Erzähler.

Von diesen Modellen – vertreten ist alles von Admiral bis Zafira – hat Helmut Preis zu Hause 165 verschiedene geparkt.
Von diesen Modellen – vertreten ist alles von Admiral bis Zafira – hat Helmut Preis zu Hause 165 verschiedene geparkt.

2004 war Schluss mit Erlebnissen aus erster Hand im Lauterer Werk: Da nämlich ging Preis am 14. September in Vorruhestand. Beim 50. Werksjubiläum war er als Mann der ersten Stunde noch einmal gefragt. Der Südwestrundfunk installierte eine Kamera in Preis’ Opel und filmte ihn, wie er von daheim weg in Richtung Werk brauste. Auf einer Bühne erzählte er, nebst Leuten aus der Chefetage, Episödchen von einst – unter anderem die, wie er als einziger Arbeitnehmer einem Werksleiter einen Auftrag erteilt hatte: „Ich wollte nur meine Lohnsteuerkarte abgeben. In den Büros war keiner. Bis der oberste Chef vor mir saß: ,Wie kann ich helfen?’ – ,Ei sinn se grad so gut un gewwen die weiter ...“.

Die Wägelchen sind allesamt akribisch dokumentiert.
Die Wägelchen sind allesamt akribisch dokumentiert.
Kultauto aus der Opel-Schmiede: der Manta.
Kultauto aus der Opel-Schmiede: der Manta.
Werbeträger.
Werbeträger.
Stillleben.
Stillleben.
Ehrenzeichen. Alles trägt den Blitz.
Ehrenzeichen. Alles trägt den Blitz.
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Rückzugspunkt im Grünen hinterm Haus: Dort fühlen sich Rita und Helmut Preis ...
Rückzugspunkt im Grünen hinterm Haus: Dort fühlen sich Rita und Helmut Preis ...
... seit jeher äußerst wohl. Das Paar ist in Bosenbach zu Hause, sie stammt vom Glan – aus Offenbach.
... seit jeher äußerst wohl. Das Paar ist in Bosenbach zu Hause, sie stammt vom Glan – aus Offenbach.
Zwischenspiel beim Bund: Helmut Preis war in der Artillerieschule auf dem Rilchenberg bei Idar-Oberstein – und nach einem Intens
Zwischenspiel beim Bund: Helmut Preis war in der Artillerieschule auf dem Rilchenberg bei Idar-Oberstein – und nach einem Intensivlehrgang bei den Sanitätern in Kempten noch in der Niederauerbachkaserne Zweibrücken.
Eher Wonne denn Arbeit: Autopflege im Hause Preis. „Meine Frau wundert sich immer, wo ich überall hinkomme.“
Eher Wonne denn Arbeit: Autopflege im Hause Preis. »Meine Frau wundert sich immer, wo ich überall hinkomme.«
In seine Doppelgarage darf außer Opel nichts rein. Außerdem: Helmut Preis würde sich auch an kein anderes Steuer setzen als an s
In seine Doppelgarage darf außer Opel nichts rein. Außerdem: Helmut Preis würde sich auch an kein anderes Steuer setzen als an solche aus dem Hause seines früheren Arbeitgebers.
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