Lauterecken RHEINPFALZ Plus Artikel 3G oder 2G in der Kirche: Diskussion um Adventsgottesdienst

Gottesdienst unter Corona-Bedigungen mit Masken.
Gottesdienst unter Corona-Bedigungen mit Masken.

Gilt für einen Pfarrer 3G, weil die Kirche sein Arbeitsplatz ist? Oder muss er 2G erfüllen, wenn der Gottesdienst mit diesen Regeln abgehalten werden soll? Ein Fall in Lauterecken sorgt für Diskussionen. Wir haben dort und andernorts Pfarrer nach dem Impfen gefragt.

Unlängst hat ein geplanter ökumenischer Gottesdienst für Aufsehen in Lauterecken gesorgt. Nach Informationen der RHEINPFALZ war der Gottesdienst am Ersten Advent mit 2G-Regel geplant. Er fand dann allerdings nicht ökumenisch statt: ohne den katholischen Pfarrer.

Dass die Feier möglicherweise wegen ihm nicht ökumenisch gehalten werden konnte, bestreitet jedoch der Lauterecker katholische Pfarrer Christof Anselmann. Ohne auf seinen Impfstatus zu verweisen, sagt er der RHEINPFALZ: Er hätte „trotzdem gehen“ dürfen, denn es sei sein Arbeitsplatz. Seit dem 24. November gilt am Arbeitsplatz die 3G-Regel. Arbeitnehmer müssen einen Impf- oder Genesenennachweis oder einen tagesaktuellen negativen Corona-Test vorlegen.

Regeln für alle

Der Pressesprecher des Bistums, Markus Herr, stellt jedoch klar: „Die Regeln für die Gottesdienste gelten auch für den Pfarrer.“

Auf die sich aufdrängende Frage, ob er denn geimpft sei, antwortet Anselmann ausweichend: „Ich möchte Pfarrer für alle sein, Geimpfte und Ungeimpfte.“ Er wolle sich nicht auf eine Seite stellen. Seinen Status wolle er nicht veröffentlichen. Und dann macht es Anselmann noch geheimnisvoller: „Auch wenn ich geimpft bin, will mich wie ein Ungeimpfter verhalten.“ Im Übrigen sei er kein Impfgegner, und auch gegen fast alles immunisiert. In der Pfarrei im Nordkreis seien „die meisten“ – Kirchenbesucher sowie Bedienstete der Pfarrei – gegen Corona geimpft, sagt Anselmann.

Täglicher Test

„Für nicht immunisierte Pfarrer gilt die Testpflicht jeden Tag, da in ihrem Berufsfeld davon auszugehen ist, dass es häufiger zu ungeplantem Kontakt mit Menschen kommen kann, etwa in dringenden Seelsorgefällen“, berichtet der Pressesprecher der Pfälzischen Landeskirche, Felix Kirschbacher (Speyer). Insgesamt werde die 3G-Regelung sehr ernst genommen, „weil wir das dahinterstehende Ziel einer Eindämmung der Pandemie und des Schutzes unserer Mitarbeiter und Mitglieder sehr wichtig und unterstützenswert finden“. Eine Statistik, wie viele Pfarrer geimpft sind, gebe es allerdings nicht.

Kirchen können aktuell selbst bestimmen, ob sie Gottesdienste unter der 3G- oder unter der 2G-Regel anbieten.

Unterschiedlich streng

„Bei uns ist das mit der 3G-Regel am Arbeitsplatz wie bei anderen Arbeitnehmern auch“, illustriert der katholische Dekan Michael Kapolka aus Kübelberg. Und er macht aus seinem eigenen Impfstatus gar kein Geheimnis: „Ich bin geimpft, bin auch überzeugt davon.“ Allerdings fügt Kapolka hinzu: „Jeder muss für sich seinen Weg finden – und am Ende dann auch mit allen Konsequenzen leben.“ Dass jetzt nur noch Geimpfte, Genesene oder negativ Getestete zum Gottesdienst zugelassen werden, „tut mir im Herzen weh“, sagt er. Die Regel sei aber klar, dass Personen, die die Bedingungen nicht erfüllen, draußen bleiben müssen.

Kirchen können aktuell selbst bestimmen, ob sie Gottesdienste unter der 3G- oder unter der 2G-Regel anbieten. Kapolka nimmt die Vorgaben äußerst ernst. „Wir Pfarrer gehen ja in viele Häuser“, haben Kontakt zu Jung und Alt, deswegen teste er sich vor Besuchen zusätzlich freiwillig, um „andere und mich selbst zu schützen“.

Wie Verwaltungspersonal

Auch sein Kollege Nils Schubert aus Kusel ist geimpft. Er hätte sich sogar gewünscht, etwas früher dranzukommen. „Es ist ganz klar, dass wir nicht gleich mit Pflegemitarbeitern und Medizinern geimpft wurden“, sagt er. Aber ein wenig früher hätte es für seine Berufsgruppe, die auch viele Kontakte zu gesundheitlich gefährdeten Personen pflegt, doch sein dürfen. Pfarrer seien erst zusammen mit dem Verwaltungspersonal zur Impfung priorisiert worden, erinnert Schubert.

„Wir bekommen diese Pandemie nur in den Griff, wenn möglichst viele geimpft sind“, ist Pfarrerin Janina Tamm von der Pfarrei am Potzberg überzeugt. Und dazu gehörten als Teil der Gesellschaft eben auch die Pfarrer.

Aus Nächstenliebe

Wie viele Pfarrer im Kirchenbezirk Kusel geimpft sind, darüber gibt Dekan Lars Stetzenbach auf Nachfrage allerdings keine Auskunft. Nachweise über den Impf- und Genesungsstatus sowie negative Testbescheinigungen gehörten „zu den besonders geschützten Gesundheitsdaten“. Sein Amtskollege Thomas Holtmann aus Homburg gibt indes freimütig Auskunft: „Im Kirchenbezirk Homburg liegt die Impfquote in der Pfarrerschaft bei 97 Prozent“, berichtet der Dekan.

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst und Bischof Karl-Heinz Wiesemann hatten erst vor Kurzem nachdrücklich zum Impfen aufgerufen. „Impfen ist in dieser Pandemie eine Verpflichtung aus Gerechtigkeit und Nächstenliebe. Wir müssen uns und andere schützen“, appellierte Wiesemann an die Solidarität der Ungeimpften. Und der rheinische Präses Thorsten Latzel bezeichnete das Impfen unlängst als „Akt der Nächstenliebe“.

Eine Statistik, wie viele Pfarrer im Rheinland – zu dem auch mehrere Gemeinden im Kreis Kusel gehören – geimpft sind, ist aus Düsseldorf allerdings nicht zu erhalten. Auch das Bistum Speyer kann auf Nachfrage keine Aussage machen, wie viele der Pfarrer geimpft sind.

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