Kreis Kusel Über musikalische Grenzen hinausgehen
Großbritannien, Belgien, Frankreich, Schweden, Australien, Estland, Armenien, Uganda, Algerien, Kambodscha, Chile, Indien, Argentinien, Brasilien, Deutschland: Über 50 junge Menschen nehmen bis zum kommenden Sonntag am internationalen Musikworkshop Ethno Germany auf Burg Lichtenberg teil. Sie bringen sich gegenseitig Musik ihrer Heimatländer bei. Zu hören ist das Ergebnis am Samstag, 18. August, beim Abschlusskonzert.
Mittagzeit auf Burg Lichtenberg. Im Foyer der Jugendherberge stapeln sich gut eingepackte Instrumente, Gitarren, Posaunen, Trompeten. Drinnen häufen sich auf Servierplatten Frikadellen mit und ohne Fleisch. Schüsseln voller Salate stehen daneben. Über 50 junge Leute greifen zu, lachen, unterhalten sich an den Tischen. Englisch, französisch, spanisch und deutsch klingt durch den Raum. Mittendrin sitzt Katrin Meier aus Quirnbach. Zum ersten Mal nimmt die 20-Jährige an einem Ethno Camp der internationalen Jugendmusikorganisation Jeunesses musicales (JM) teil. Angesprochen wurde sie von ihrem Musiklehrer Matthias Stoffel. Der ist , obwohl ein älteres Semester, auch beim Sommercamp dabei. Ausnahmen gibt es immer, was das Alter angeht. Doch eigentlich trifft sich bei Ethno, einer weltweit laufenden musikalischen Begegnung, die jüngere Garde, von 16 bis maximal 30. Gelernt wird voneinander, gespielt nach Gehör. Jeder ist ein Lehrer und jeder ein Schüler. Der Prozess, in dem in den zehn Camptagen ein abendfüllendes Weltmusikprogramm für ein Abschlusskonzert entsteht, verlangt volle Konzentration. „Wir sind am Ende erledigt. Wenn wir beim Konzert gefragt werden, ob es gut war, ob wir Spaß hatten, dann sagen wir immer ,Klar, war super’ – und machen dabei ein Gesicht wie Sauerbier“, erzählt Kieren Alexander lachend. Der Musiker und Musiklehrer, ein Australier mit englischen Eltern und wohnhaft in Prag, ist eine Art Dauergast bei Ethno. Auf Burg Lichtenberg ist als Mentor dabei. Dem fünfköpfigen Mentorenteam – dazu kommt noch ein ebenso starkes Orgateam – obliegt es, die Sessions zu den verschiedenen Volksliedern zu strukturieren, auf Klippen hinzuweisen, Fehler zu erkennen. „Ethno ist eine ganz außergewöhnliche Gelegenheit, fantastische Musiker zu treffen“, sagt Alexander. „Aber nach zehn Tagen ist man total erschöpft. Genau darum geht es allerdings auch. Wir bringen einander und uns selbst an musikalische Grenzen, an die wir alleine nie gehen würden.“ Ob die Gruppe ein australisches Lied einstudieren wird, stehe noch nicht fest. „Waltzing Mathilda“ wird es wohl nicht sein. „Das ist zwar ein nettes Lied und recht bekannt in der Welt“, findet er: „Aber bei Ethno geht es ja gerade darum, nicht die bekannten Volkslieder aufzuwärmen. Wir graben schon ein bisschen tiefer.“ Seit 9.45 Uhr an diesem Morgen gruben die Musiker schon viermal tief: Geübt im Zelt auf der Unterburg, wo auch das Abschlusskonzert stattfinden wird, wurden Lieder aus Estland, Armenien, dem Irak und Kroatien. Vom „Potenzial der musikalischen Verbundenheit“, vom „Geist der Kreativität“, der es zulasse, „über sich hinauszuwachsen“, spricht auch Bernhard Vanecek, Musikantenlandpreisträger 2011 und Vorsitzender des Landesverbands JM Rheinland-Pfalz, der das deutsche Ethno federführend betreut. „Wir hatten wieder mehr Anmeldungen, als wir Plätze haben“, sagt Vanecek, „Ethno Germany ist eine Erfolgsgeschichte.“ Möglich werde dieses Geschichte aber nur, weil der Landkreis und örtliche Firmen und Kreditinstitute kontinuierlich als Sponsoren zur Verfügung stünden, fügt er hinzu. „Unser Landesverband alleine könnte Ethno nicht stemmen.“ Für Katrin Meier hat sich die Teilnahme vom ersten Morgen an gelohnt: „Die Atmosphäre ist genauso toll wie bei den Konzerten. Wir kommen schon seit dem ersten Workshoptag super gut miteinander aus.“ Info Abschlusskonzert Ethno Festival, Samstag, 18. August, 19 Uhr, Burg Lichtenberg (bei jedem Wetter) . Der Eintritt ist frei.