Kreis Kusel Über Licht und Schatten

Die Kreis- und Stadtbücherei ist Veranstaltungsort und in einem ehemaligen industriellen Gebäudekomplex in Kusel untergebracht.
Die Kreis- und Stadtbücherei ist Veranstaltungsort und in einem ehemaligen industriellen Gebäudekomplex in Kusel untergebracht.

Die Industriekultur von Kusel und der Westpfalz bildet zwischen April und November den Schwerpunkt des Vortragsprogramms der Kreis- und Stadtbücherei Kusel. Damit beteiligt sich die Bibliothek – selbst im ehemaligen Industriekomplex der Tuchfabriken in der Fritz-Wunderlich-Straße 47 beheimatet – am Kultursommer Rheinland-Pfalz. Den Auftakt am Donnerstag, 19. April, übernimmt Wolfgang Schmid mit dem Thema „Kusel und die industrielle Revolution in der Westpfalz“.

Als sich Kaiserslautern, St. Ingbert, Ludwigshafen und Zweibrücken in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu aufstrebenden Industriestädten wandelten, strahlte diese Entwicklung vor allem dank des Eisenbahnbaus auch auf Kleinstädte wie Kusel aus. Welche wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen eintraten und wie sie sich später teils wieder umkehrten, zeigt Wolfgang Schmid zum Auftakt der Jahresvortragsreihe in der Kreis- und Stadtbücherei am 19. April. Schmid ist promovierter Historiker und Professor an der Universität Trier. Geboren 1957 in Kusel, studierte Schmid Geschichte, Kunstgeschichte und Politikwissenschaft. Seinen Doktor machte er über Stifter und Auftraggeber im spätmittelalterlichen Köln, die Habilitation über Dürer als Unternehmer. Praktischer nähern sich einen Monat später, am Donnerstag, 17. Mai, Sabine Kirf und Markus Merk dem Thema. Anknüpfend an die Tradition des Bierbrauens in Kusel stellen die Diplom-Sommelière und der ehemalige Schiedsrichter verschiedene Biere aus ihrer Otterbacher Mikrobrauerei vor. Dazu gibt es Geschichten rund ums Getränk aus der Region, historische wie aktuelle. Anders als bei den anderen Vorträgen ist die Teilnahme an dieser Verköstigung nicht kostenlos. Der Preis beträgt 22 Euro, Anmeldung ist erforderlich. Im Oktober (Donnerstag, 25. Oktober) legt Christian Decker, Abteilungsleiter Pfälzische Geschichte am Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern, den Fokus auf den Zwiespalt von unternehmerischen Chancen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten. Der in Altenglan aufgewachsene Historiker mit Doktortitel widmet sich der Frage, wie die Fabrikproduktion Leben und Arbeit der Menschen veränderte und beleuchtet dabei auch die Schattenseiten: Armut, Hungerlöhne, katastrophale Arbeitsbedingungen. Mit einem weitgehend unbekannten Teil der deutschen Geschichte befasst sich am Donnerstag, 15. November, Felix Knecht: Es geht um die nationalsozialistischen Sondergerichte. Am Beispiel des 20-Jährigen Josef Baumann, der wegen versuchten Handtaschenraubs 1939 in Trier zum Tod verurteilt wurde, ordnet der 1991 in Kusel geborene Lehrer für Geschichte und Mathematik die Sondergerichtsbarkeit in Rheinland-Pfalz in ihren historischen Zusammenhang ein. Info Alle Vorträge beginnen um 19 Uhr; Details zum Vortragsprogramm können unter www.buecherei-kusel.de eingesehen werden.

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