Kusel
Wird Häuschen auf Burg Lichtenberg zum Behinderten-WC?
Sollen die 2005 aufgegebenen öffentlichen Toiletten im „Burgenhäuschen“ nahe der Jugendherberge auf Burg Lichtenberg reaktiviert werden? Die Mitglieder des Kreisausschusses neigen dem zu. Doch das Häuschen steht nicht leer und Ausweichquartiere sind nicht in Sicht.
Es geht um die Frage, ob beim millionenschweren Ausbau der Hauptwege und wichtigen Gebäude der Burg ein weitere behindertengerechte Toilette eingerichtet werden soll. Es wäre die fünfte: Je eine gibt es im Urweltmuseum Geoskop und in der Jugendherberge, eine entsteht im Zuge des Ausbaus in der Zehntscheune, eine wurde im Juli 2005 im Eingangsbereich der Burg nahe des Restaurants eingeweiht.
Der Neubau am Tor war vor 14 Jahren der Anlass, die alten öffentlichen Toiletten im zentraler gelegenen „Burgenhäuschen“ nahe der Jugendherberge aufzugeben. Dessen Räume wurden damals etwas aufgemöbelt. Seither stehen sie als leicht zu reinigende Unterkunft beispielsweise der „Forschungswerkstatt intensiv“ für alle Experimente, die Dreck machen, zur Verfügung. Das wurde in der Zehntscheune, in der die Forschungswerkstatt damals noch stattfand, gern gesehen. Weil die Zehntscheune stark gebucht ist, finden die Ferienprogramme inzwischen im Hufeisenturm statt. Der wird auch nach dem Burgausbau nicht barrierefrei sein.
Perfekt für Intensivprogramme
„Das Häuschen ist perfekt, wenn es sich um Kurse handelt, in denen wir uns schwerpunktmäßig eine Woche lang mit einem Thema beschäftigen“, sagt Vanessa Zürrlein. Die Umweltwissenschaftlerin leitet die Intensivprogramme. Zürrlein: „Der Raum reicht aus für die jeweils maximal zehn Kinder in diesem Seminar, es gibt einen gefliesten Boden, der auch mal nass und matschig werden kann, und wir können die Ausrüstung die ganze Woche über stehen lassen.“ Weiterer Aspekt: Das Burgenhäuschen ermögliche auch Menschen im Rolli, an den Angeboten teilzunehmen, sagt Zürrlein. Gemischte Forschungswerkstätten habe sie schon gehabt. „Das Angebot könnte man in Zukunft dank der barrierefreien Wegeführung vielleicht ausbauen.“
Als „Rückzugsraum für Schlechtwetter“ bezeichnet auch Andreas Rauch, Burgverwalter des Landkreises, das „Burgenhäuschen“. Der Raum werde bei Bedarf genutzt – für die Forschungswerkstatt, Angebote wie „Kochen mit Wildkräutern“, Kindergeburtstage, den „Familientreff mit dem Burgritter“ beispielsweise. Außerdem nutze auch die Jugendherberge den Platz, etwa für Bastelgruppen und als Lager für die Kletterausrüstung. Selbst als sicherer Unterstand für Fahrräder von Radtouristen sei das Burghäuschen schon zum Zug gekommen. Für diesen gesamten Mix an Nutzungen sieht Rauch „derzeit keine Ausweichmöglichkeit“ auf der Burg.
Viele Fragen im Kreisausschuss
Der Zuschussantrag, den der Kreis für den barrierefreien Ausbau der Burg beim Land gestellt hat, beinhaltet den Bau einer Behindertentoilette im „Burghäuschen“. 118.750 Euro haben die Planer veranschlagt, etwas mehr als 17.800 blieben am Kreis hängen. Endgültig entschieden scheint die Sache aber noch nicht. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses zeigte sich, dass die meisten Mitglieder nicht über die Nutzung des Raumes im Bilde waren. Es gab viele Fragen, die nicht beantwortet werden konnten und schließlich ein Meinungsbild zugunsten des WC-Baus.
Von Ulrike Nagel kam der Vorschlag, Kontakt zur Jugendherberge aufzunehmen. Die Idee: Die nur wenige Meter vom „Burgenhäuschen“ entfernte Herberge möge Burgbesuchern außerhalb der Öffnungszeiten der Zehntscheune und der Museen ihr Behinderten-WC zur Verfügung stellen. Vor einer offiziellen Anfrage durch den Kreis wollten sich die Herbergs-Betreiber dazu nicht äußern.