Kusel „Wir brauchen noch Zeit“

„Das ist ein ganz komplexes Thema“, unterstreicht Bernhard Ehmann, Leiter der Region Südwest bei der DB Regio Bus und Geschäftsführer der Südwest-Mobil-Mutter ORN. Er räumt auch ein, dass das, was mehrere Busfahrer im Gespräch mit der RHEINPFALZ kritisierten, so zutrifft (wir berichteten am 19. November). Ehmann beginnt seine Ausführungen mit der Ausschreibung für den Busverkehr im Landkreis Kusel, an der man bewusst nicht mit der Saar-Pfalz-Bus teilgenommen habe: „Mit dem Lohnniveau wäre das sinnlos gewesen, da hätten wir verloren.“ Also habe man sich mit einer neuen Firma, Südwest Mobil, beworben – deren Lohnniveau sich an privaten Busanbietern orientiere. Nachdem mit Südwest Mobil die Ausschreibung gewonnen wurde (Ehmann: „Da geht’s um Centbeträge pro gefahrenem Kilometer“), habe man den Saar-Pfalz-Bus-Fahrern ein Übernahmeangebot gemacht, das 59 von 62 Fahrern angenommen hätten. „Wichtig ist: Das ist eine neue Firma mit neuem Arbeitsvertrag für die Fahrer“, betont Ehmann. Auch sonst habe man sich strengstens an die Vorschriften zum Betriebsübergang gehalten. Ehmann: „Bei Südwest Mobil ist alles neu; der Chef, die Aufenthaltsräume, die Busse, die Abstellplätze, die Betriebsmittel und die Tankstelle.“ Damit soll ausgeschlossen werden, „dass die Mitarbeiter sagen, da hat sich nix geändert außer den Etiketten“. Dadurch erkläre sich, dass die Südwest Mobil beispielsweise den Betriebshof der Saar-Pfalz-Bus am Kuseler Bahnhof nicht mehr nutzen dürfe, wie Busfahrer gegenüber der RHEINPFALZ bemängelten. Dass die Busse derzeit auf dem Kuseler Windhof abgestellt sind, sei der kurzen Vorbereitungszeit geschuldet, sagt Ehmann: „Das war ein Provisorium, wir hatten uns da mehr versprochen.“ Gespräche mit der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) wegen Sozialräumen seien gescheitert. Der Zeitraum von der Ausschreibung bis zum Start des Unternehmens sei extrem kurz gewesen, nur einige Monate habe man Zeit gehabt, um etwas auf die Beine zu stellen. Aktuell hat Ehmann ein konkretes Gelände im Auge, das zum Abstellen der Busse genutzt werden könnte. Ehmann: „Mit Aufenthaltsraum und Sanitäranlagen.“ Man stehe kurz vor dem Vertragsabschluss. Weiterer Kritikpunkt der Fahrer an Südwest Mobil waren die neuen Fahr- und Dienstpläne. Statt die ausgereiften Saar-Pfalz-Bus-Pläne zu nutzen, mussten neue erstellt werden – „wegen den Betriebsübergangvorschriften“, ergänzt Ehmann. Mit dem Winterfahrplanwechsel sollen in zwei Wochen Fahrplanänderungen vorgenommen werden. Ehmann: „Das war nicht optimal, wir arbeiten nach.“ Immerhin würden derzeit keine Busse mehr ausfallen. Ehmann: „Es läuft angespannt, aber gegenüber den Kunden momentan ordentlich.“ Wenn im ersten Quartal 2016 die Suche nach weiteren Busfahrern abgeschlossen sei, könne man auch Krankheitsfälle besser abfedern. Ehmann: „Wir sind derzeit auf der Suche nach zehn Voll- und Teilzeitkräften.“ Innerbetrieblich habe man in den vergangenen Wochen die Weichen gestellt, die Rückmeldungen der Fahrer zu den Dienstplänen schneller umzusetzen. Ehmann: „Die Dienstpläne sollen jetzt vor Ort erstellt werden, und wir haben Dienstplansprecher eingeführt, die Fahrergruppen vertreten.“ Auch bei der Beschwerdestelle für Kunden habe man „die Wege verkürzt, um schneller reagieren zu können“. Man sei gerade dabei, in der Westpfalz nachhaltige Strukturen aufzubauen, schließlich laufe der Vertrag für den Busverkehr zehn Jahre. Auf die vorhandenen Saar-Pfalz-Bus-Strukturen könne man dabei nicht bauen. Ehmann: „Das versteht nur auf den ersten Blick niemand.“ Dass auch eigene Fahrer das nicht verstünden, räumt Ehmann ein: „Wir hatten zum Start einen anderen Kommunikationsschwerpunkt, da ging’s eher um den Verkehr, als um Firmenpolitik.“ Anfang Januar sollen neue Busse im Landkreis Kusel unterwegs sein, die gerade umgerüstet und betriebsfertig gemacht würden. Ehmann: „In fünf Monaten kriegen sie keine neuen Busse.“ Er appelliert an die Kunden: „Wir brauchen noch ein bisschen Zeit, alle Baustellen zu beheben.“ (bgi)