Kusel
Wie die Gebietsreform dem Kreis Kusel Burg Lichtenberg und viele Dörfer geschenkt hat
Der schon wesentlich ältere Landkreis Kusel ist in seiner heutigen Form im Wesentlichen vor genau 50 Jahren entstanden. Gemeinden wurden hin- und hergeschoben, und wirklich glücklich war kaum einer damit. Zum Teil gab es heftige Proteste. Vor allem aber hat die Gebietsreform vom Juni 1969 dem Kreis sein Wahrzeichen geschenkt: die Burgruine Lichtenberg, die damals mehr Ruine als Burg war.
In seiner 200-jährigen Geschichte hat der Kreis Kusel manche Grenzkorrekturen erfahren. Ein halbes Jahrhundert ist vergangen, seit die rheinland-pfälzische Gebietsreform zu neuen Kreisgrenzen für den Landkreis führte: mit der Neuordnung, die am 7. Juni 1969 in Kraft trat, wurden 25 Orte in den Kreis Kusel eingegliedert, parallel wechselten acht Gemeinden in benachbarte Landkreise.
Mit einer ganzen Serie von Gesetzen zur Verwaltungsvereinfachung, die zwischen 1968 und 1974 wirksam wurden, forcierte die Landesregierung eine Modernisierung der Verwaltungsorganisation und des Gebietszuschnitts in Rheinland-Pfalz. Die Zahl der Regierungsbezirke wurde von fünf auf drei verringert. Am Ende der Reform gab es nur noch 24 statt zuvor 39 Landkreise. Der Kreis Kusel zählte 1970 nach der Kreisreform nahezu 80.000 Einwohner.
Drei wollen ins Saarland
In etlichen der Gemeinden kam es im Zusammenhang mit den Gebietsänderungen mitunter zu lebhaften Debatten. Von den vier sogenannten Unterberggemeinden, die bis 1969 zum „Amt Burglichtenberg“ im Kreis Birkenfeld und Regierungsbezirk Koblenz gehörten, favorisierte lediglich Ruthweiler den Wechsel nach Kusel. Pfeffelbach, Reichweiler und Thallichtenberg zogen den Verbleib bei Birkenfeld vor, verbunden mit dem Wunsch, später ins benachbarte Saarland wechseln zu können.
Vor allem in Pfeffelbach machte sich die Kommunalpolitik die Meinungsbildung nicht leicht. Ortsbürgermeister Edmund Müller, der Anfang 2019 verstorben ist, lud ein Jahr vor dem Vollzug der Gebietsreform die Pfeffelbacher zur Bürgerversammlung: „Das Gewissen der Gemeinderatsmitglieder hängt nicht in der Luft“, begründete Müller die Bürgerbeteiligung. Mit rund 250 Stimmen gab es nur mäßigen Zuspruch bei der nicht amtlichen Bürgerbefragung, die der Gemeinderat für den 25. August 1968 angesetzt hatte und bei der rund 800 Einwohner stimmberechtigt waren. Abweichend vom damaligen Wahlrecht hatte Müller das Wahlalter auf 18 Jahre herabgesetzt. 150 Pfeffelbacher votierten für Kusel, 55 für den Verbleib bei Birkenfeld und 43 für den Anschluss an den saarländischen Kreis St. Wendel.
Nach der Abstimmung votierte die Gemeindevertretung mit neun zu vier Stimmen für den Erhalt des Status quo: wegen der wirtschaftlichen Orientierung zum Saarland will die Gemeinde bis zur Länderneugliederung Teil des Kreises Birkenfeld bleiben.
Steuerstreik bei Kreis-Wechsel
In einer Sitzung der Verbandsgemeindevertretung und Bürgermeister auf Burg Lichtenberg Ende 1968 wurde die Zuordnung von Pfeffelbach, Reichweiler und Thallichtenberg zu Kusel missbilligt. Ein Vertreter aus Reichweiler regte gar an, zu „äußersten Mitteln zu greifen, einschließlich des Steuerstreiks und der Mandatsniederlegung“. Folgenlos blieb auch ein Vorstoß der Liberalen in Baumholder, die Stadt dem Kreis Kusel anzugliedern.
Auch am unteren Glan sorgte die Gebietsreform für Diskussionen. Die Neugliederungspläne sahen hier vor, dass mit Buborn, Deimberg, Grumbach, Hausweiler, Herren-Sulzbach, Homberg, Kappeln, Kirrweiler, Langweiler, Merzweiler, Niederalben, Niedereisenbach, Offenbach, Unterjeckenbach und Wiesweiler 15 Gemeinden aus dem ehemaligen „Amt Grumbach“ im Kreis Birkenfeld an den Kreis Kusel fallen. Weiter sollten Hoppstädten und Medard aus dem „Amt Meisenheim“ und dem Kreis Kreuznach ausscheiden und dem Kreis Kusel angegliedert werden. Im Gegenzug verlor der Landkreis die pfälzischen Gemeinden Becherbach, Gangloff, Reiffelbach, Roth und Schmittweiler an den Kreis Kreuznach.
Klar war das Votum in Medard. Mit zehn Ja-Stimmen, bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung befürwortete der Gemeinderat den Abschied aus dem Kreis Kreuznach.
Mit einem Protestschreiben machten hingegen Einwohner von Hoppstädten ihrem Unmut Luft, nachdem der Kreuznacher Kreistag die Angliederung der Gemeinde an den Kreis Kusel befürwortetet hatte: „Damit würde unsere Gemeinde innerhalb von 30 Jahren zum dritten Male ihre Amtszugehörigkeit wechseln müssen.“
„Wollen nicht pfälzisch werden“
Die Bevölkerung wolle beim Amt Meisenheim und im Kreis Kreuznach bleiben, zumal die Verkehrsverhältnisse zur Kreisstadt Kreuznach weitaus günstiger seien als zur künftigen Kreisstadt Kusel, „die mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum in einem Tag zu erreichen sein würde“, wird in dem Schreiben argumentiert. Mit vier Ja-Stimmen bei einer Enthaltung lehnte der Gemeinderat die Ausgliederung aus dem Kreis Kreuznach ab. „Wir waren einmal oldenburgisch, dann hessen-homburgisch, später preußisch – jetzt gehören wir zum Kreise Kreuznach und wollen nicht auch noch pfälzisch werden! Randgemeinde sind wir überall!“, kommentierte der damalige Bürgermeister den Beschluss.
Weniger Rumoren lösten die Grenzkorrekturen im oberen Glantal aus. Erfolgreich setzten sich die Gemeinden Niedermohr, Schrollbach und Reuschbach gegen ihre Ausgliederung aus dem Kreis Kaiserslautern zur Wehr. Hingegen kamen Bettenhausen, Gimsbach, Matzenbach und Nanzdiezweiler zu Kusel. An den Kreis Kaiserslautern verlor der Landkreis Kusel die Gemeinden Albersbach, Frankelbach und Kollweiler.
Überlebt auch ohne Miesau
Schwerer wog der Verlust der Gemeinde Miesau, der sich vor 50 Jahren ebenfalls anbahnte und 1972 zum Tragen kam. Für den Kreis Kusel wäre es tödlich, wenn er auf Miesau verzichten müsste, warnte der damalige Landrat Gustav Adolf Held. Der Kreis lebt auch ohne Miesau immer noch.